Linspire 6.0 mit Microsoft-Technologie und Patentklageschutz

Der amerikanische Linux-Distributor Linspire hat das gleichnamige kommerzielle Betriebssystem in Version 6.0 freigegeben.

Linspire 6.0 basiert auf der freien Distritubiton Ubuntu und liefert über sein Software-Kaufhaus CNR (Click ‘n’ Run) zusätzliche Anwendungsprogramme, darunter auch proprietäre Software und Treiber. Der Hersteller betont in seiner Meldung, dass nun zum ersten Mal auch die kommerzielle Version Microsoft-Technologie und Schutz vor Patentklagen beinhaltet. Das freie Community-Produkt Freespire 2.0 wurde im August freigegeben und lieferte bereits proprietäre Programme und Treiber. Seit der letzten Kaufversion sind mehr als zwei Jahre vergangen. In dieser Zeit gab es zahlreiche Änderungen bei dem amerikanischen Hersteller; die Umstellung der Codebasis auf Ubuntu war eine davon. Dieser Wechsel ist mit Linspire 6.0 vollständig vollzogen.

Unter den enthaltenen Microsoft-Technologien sind Windows Media, True-Type-Schriften und der Open-XML-Übersetzer. Weitere proprietäre Software wird in den Bereichen MP3, Java, Flash sowie bei ATI, Nvidia und WiFi-Treibern genutzt. Im Vorfeld hatte das Unternehmen Schlagzeilen mit seiner harschen Kritik an der GPL in der dritten Version gemacht. Der damalige Linspire-Chef Kevin Carmony vertrat in einem offenen Brief die Meinung, dass für ein erfolgreiches Linux-Betriebssystem proprietäre Treiber unabdingbar wären. Konsequent setzt sein Nachfolger Larry Kettler die Linie fort und wirbt für die neueste Version: “Linspire 6.0 schließt die Lücke zwischen Open Source und kommerzieller Software und kombiniert das Beste von beidem in einem einzigen, leicht bedienbaren, vertrauten und produktiven Betriebssystem.”

In seiner Erklärung verweist der Hersteller darauf, dass Linspire 6.0 “Patentschutz” von Microsoft beinhalte. Im Juni 2007 hatte sich das Unternehmen unter die Linux-Unternehmen eingereiht, die mit Microsoft eine Kooperationsvereinbarung geschlossen hatten. (wir berichteten.). Als vorrangiges Ziel der Zusammenarbeit wurde die Interoperabilität zwischen den Betriebssystemen genannt, aber Linspire erwähnt explizit die heftig umstrittene Klausel zum Schutz geistigen Eigentums. Hiernach versichert Microsoft, dass Linspire-Nutzer nicht wegen Verletzung von Microsoft-Patenten verklagt werden würden. Diese Klausel ist in ähnlicher Form auch in der Novell-Vereinbarung aus 2006 enthalten und sorgt seither für zahlreiche Diskussionen. Die Free Software Foundation FSF hatte daher in die GPL v3 eigens die so genannte “Novell-Klausel” eingebaut.

Linspire ist ab sofort zum Preis von knapp 50 US-Dollar im Download erhältlich. Eine vollständige Liste der Neuerung findet sich auf der Unternehmens-Webseite.

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