Acer bringt demnächst das Mini-Notebook Aspire One in den Handel. Wir hatten Gelegenheit, eines der Acer-Netbooks einem Kurztest zu unterziehen.
Das hochglänzende Gehäuse des Aspire One, der in einer blauen Version vor uns liegt, macht auf den ersten Blick einen edlen Eindruck. Genauer hingesehen wirkt dann aber zwar das Gehäuseoberteil hochwertig, die Plastikverkleidung des Unterteils aber eher billig. Zudem sind die Spaltmaße zwischen den Gehäuseteilen groß und die Kanten scharf.
Der Mini-Rechner basiert auf Intels Atom-Plattform. Der Atom-Prozessor N270 lässt sich über sechs Stufen heruntertakten und arbeitet mit Taktfrequenzen zwischen 800 und 1600 MHz. Der Arbeitsspeicher von 512 MByte lässt sich nicht ohne größere Eingriffe erweitern. Hinter der Klappe auf der Rückseite, unter der wir den RAM-Steckplatz vermuten, herrscht gähnende Leere. Dort soll in einem späteren Modell ein UMTS-Funk-Modul Platz finden, ein SIM-Karten-Slot ist bereits vorbereitet.
Im vorliegenden System funktioniert die Hardware unter Linpus Linux sehr gut. Nacharbeit ist nicht notwendig. Als Massenspeicher kommt eine Solid State Disk mit 8 GByte Kapazität zum Einsatz. Reicht der Platz nicht aus, nimmt ein Slot auf der linken Seite SD-Karte auf. Der 5-in-1-Cardreader auf der rechten Gehäuseseite lässt sich zusätzlich nutzen. Die eingesteckte Speicherkarte wird dann nicht separat im Dateimanager angezeigt, sondern zum Speicher des Systems hinzu gerechnet. Karten im Cardreader auf der rechten Seite hingegen tauchen wie gewohnt als Wechselmedium auf. Die Flash-Festplatte kommt mit einer 1-GByte-Swap-Partition und einer Partition, die das System aufnimmt. Das beansprucht im Auslieferungszustand 2,5 GByte für sich.
Zur weiteren Hardware: Im Aspire One steckt als Grafikchip ein Intel GMA945GME. Zur Kommunikation stehen ein drahtgebundenes Netzwerk (Realtek RTL8102E) und WLAN nach 80.211 b/g (Atheros AR5006EG) bereit – Bluetooth fehlt hingegen. Für Ton sorgen ein Realtek-HD-Audio-Chip und zwei vorn unten im Gehäuse verbaute Lautsprecher. Die klingen für ihre Größe noch ganz passabel. Das leuchtstarke Display misst 8,9 Zoll und bringt eine Auflösung von 1024×600 Pixeln zustande. Das Bild ist gestochen scharf, dimmt man jedoch die Helligkeit, spiegelt der Bildschirm stark. Die integrierte Webcam betet eine Auflösung von 1,3 Megapixeln.
Der Rechner lässt sich problemlos über die Hotkeys oder das Auf- und Zuklappen des Netbooks schlafen legen und wieder wecken. Der Akku hält bei aktiviertem WLAN rund 2 Stunden und 40 Minuten durch, was sich mit den Angaben des Herstellers deckt. Als Betriebssystem nutzt das Aspire One die Distribution Linpus Linux, die zum Booten 23 Sekunden braucht. Die aufgeräumte XFCE-Oberfläche in Windows-XP-Optik begrüßt den Anwender mit den vier Menü-Boxen “Verbinden”, “Arbeit”, “Spaß” und Dateien”. Direkt darunter befinden sich die Menüpunkte “Einstellungen” und “Hilfe”. Über die Boxen kommt man zu den installierten Programmen. Als Browser dient der nicht mehr ganz aktuelle Firefox 2.0.0.14, Open Office liegt in Version 2.3 vor. Für E-Mail und Messaging hat Acer eigene Lösungen entwickelt, ebenso befinden sich ein eigener Mediaplayer sowie einige andere Eigenkreationen an Bord. Um die Dateiverwaltung kümmert sich Thunar. Für Unterhaltung sorgen eine ganze Reihe von installierten Spielen.
Die Hotkeys für Lautstärke, Bildschirmhelligkeit, Suspend und Display-Umschaltung funktionieren tadellos. Praktisch: Ein Schnellzugriff schaltet das Touchpad ab. Das Pad selbst erfordert vom Besitzer allerdings ein wenig Umgewöhnung. Die Maustasten liegen nicht wie gewöhnlich unter dem Pad, sondern links und rechts daneben. So tippten wir einige Male ins Leere, bevor wir uns an das ungewohnte Design gewöhnen. Die Tastatur des Acer besteht aus Tasten mit einer Kantenlänge von 12×12 Millimetern. Schnelles zielgerichtetes Tippen erfordert ein wenig Übung. Zudem biegt sich die Tastatur bei festem Druck durch. Sehr unangenehm fällt uns die Standsicherheit durch den weit hinten liegenden Schwerpunkt auf: Bei aufgeklappten Display steht das Aspire One sehr wackelig. Je nachdem wie weit man das Display nach hinten klappt, neigt das Gerät zum Umkippen. Technisch ist das Mini-Notebook auf der Höhe mit anderen Netbooks. Optisch gefällt es, doch qualitativ kann das knapp ein Kilogramm leichte Gerät nicht ganz überzeugen.
Update:
Wir haben inzwischen den Aspire One auch mit Open Suse 11.0 und Ubuntu 8.04.1 getestet. Durch einen Bug in Open Suse, der sich schon beim Test des Akoya Minis E1201 von Aldi zeigte, stimmt nach der Installation die Auflösung nicht, so dass der untere Teil des Desktops mit dem KDE-Panel fehlt. In der Konfigurationsdatei “/etc/sysconfig/displaymanager” muss zur Reparatur die Variable “DISPLAYMANAGER_RANDR_MODE_auto” auf 1024×600 gesetzt werden (ohne Modelines). Die Webcam unterstützt der neue Uvcvideo-Treiber. Er ist bei Ubuntu 8.04.1 an Bord, Benutzer von Open Suse müssen jedoch das zum Kernel passende Paket “uvcvideo-kmp-*” nachinstallieren. Der Atheros-WLAN-Chip arbeitet mit den Madwifi-Treibern zusammen, allerdings nicht mit jedem Release. Erfolgreich war die Spezialversion “http://snapshots.madwifi.org/special/madwifi-ng-r2756+ar5007.tar.gz”.
Der Gnome-Desktop von Ubuntu und das KDE-4-System von Open Suse sind deutlich langsamer als das vorinstallierte Linpus und benötigen über eine Minute zum Booten. Zudem ist es nicht möglich, Ubuntu neben das Linpus zu installieren, das sich die Linpus-Partiton nur auf 3,3 GByte verkleinern lässt, woraufhin sich der Ubuntu-Installer über zu wenig Speicher beklagt.
Der linke Kartenleser für die Erweiterung des Hauptspeichers funktioniert nur, wenn die SD-Karte beim Booten bereits im Slot steckt. Der rechte Kartenleser ließ sich unter Open Suse 11.0 und Ubuntu 8.04.1 nicht zum Leben erwecken.



