Amazon wollte zwei Abstimmungen seiner Aktionäre über die hauseigene Gesichtserkennung verhindern. Die amerikanische Börsenaufsichtsbehörde lehnte das ab.
Wie Reuters berichtet, hat Amazon versucht, zwei Abstimmungen seiner Aktionäre zur Gesichtserkennungs-Software zu verhindern. Der erste Vorschlag fordert Amazon auf, der Regierung nur dann Gesichtserkennungssoftware anzubieten, wenn der Vorstand der Firma feststellt, dass deren Einsatz keine Bürgerrechte verletzt. Ein zweiter Vorschlag ruft Amazon dazu auf, die Folgen für Rechte und Privatsphäre zu untersuchen, die Amazons Rekognition-Dienst möglicherweise nach sich zieht.
Beide Vorschläge stehen während der jährlichen Aktionärsversammlung zur Abstimmung, die allerdings nicht bindend ist. Dennoch wandte sich Amazon laut Reuters zwei Mal an die amerikanische United States Securities and Exchange Commission (SEC), um die Abstimmungen zu verhindern. Die Begründung: die beiden Vorschläge hätten keine Bedeutung für das Geschäft von Amazon. Die SEC lehnte die Bitte von Amazon am 28. März ab und dann erneut am 4. April.
Riskante Technologie
Kritiker innerhalb der eigenen Aktionäre weisen darauf hin, dass Amazons Einsatz der Technologie durchaus geschäftliche Risiken mit sich bringe. Amazon vermarktet die Technologie laut Reuters an staatliche Behörden und private Nutzer, die damit zum Beispiel Celebrities identifizieren. Neben dieser grundsätzlichen Kritik an der Überwachungstechnologie kritisierte eine Studie kürzlich, dass die Software fehlerhaft arbeite. Sie weise im Vergleich zu hellhäutigen Männern eine viel höhere Fehlerrate beim Identifizieren dunkelhäutiger Frauen auf.
Matthew Wood und Michael Punke, die bei Amazon im AI-Bereich und in der Öffentlichkeitsarbeit tätig sind, bezeichneten die Forschungsergebnisse daraufhin als “irreführend”. Die Studie würde “falsche Schlüsse” ziehen. Die mehr als 60 “besorgten Forscher” hielten ihre Kritik aufrecht und riefen Amazon dazu auf, den Rekognition-Dienst zu stoppen.


