Forscher des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung haben 280 000 englischsprachige Videos von Präsentationen, Vorträgen und Reden aus mehr als 20 000 YouTube-Kanälen von akademischen Einrichtungen transkribiert und auf den Sprachgebrauch hin untersucht. Dabei kam heraus, dass Menschen in ihrer gesprochenen Sprache zunehmend LLMs imitieren.
Menschen passen ihre Sprache unbewusst ihrer sozialen Umwelt an, um so das gegenseitige Verständnis zu verbessern, soziale Distanzen zu verringern und sich in soziale Gruppen einzugliedern. In diesem Prozess, den beispielsweise auch die Medien stark beeinflussen, ist mit den großen Sprachmodellen ein neuer Mitspieler entstanden. Die Forscher gingen nun der Frage nach, ob Menschen in ihrer Interaktion mit diesen KI-Systemen die von diesen Modellen eingeführten sprachlichen Muster verinnerlichen und anschließend reproduzieren? Führt der Umgang mit bestimmten KI-Systemen zu signifikanten Veränderungen in der gesprochenen Kommunikation von Akademikern?
Tatsächlich zeigte sich ein Anstieg im Gebrauch bestimmter Worte, wobei die Einführung von ChatGPT einen Wendepunkt im Trend markiert. Das betrifft Worte wie “delve”, “realm”, “meticulous” oder “adept”, die bevorzugt von ChatGPT verwendet werden. Welcher Mechanismus genau die beschleunigte Übernahme in die gesprochene Kommunikation bewirkt, ist noch eine offene Forschungsfrage. Auch scheinen mehrere Faktoren dabei zusammenzuwirken, denn nicht alle von ChatGPT favorisierten Worte werden danach häufiger von Menschen verwendet.
Untersucht wurde in der vorliegenden Studie nur die akademische Kommunikation, die Forscher gehen aber davon aus, dass in ähnlicher Weise auch andere Bereiche betroffen sind. Sie resümieren, dass ihre Resultate Anlass zu gesellschaftlicher und politischer Besorgnis über das Potenzial von KI geben, die sprachliche Vielfalt unbeabsichtigt zu verringern oder absichtlich für Massenmanipulationen missbraucht zu werden.





