“Noch nie war die Sicherheitsthematik spannender als heute” – mit diesen Worten erklärt Claus Rättich aus der Geschäftsleitung der Messe Nürnberg das gewachsene Besucher-, Aussteller- und Medieninteresse, das die Sicherheitsmesse IT-SA in Nürnberg aufzuweisen hat.
Schon vor den Enthüllungen von Edward Snowden habe man gestiegenes Interesse verzeichnet, Prism habe den vorherrschenden Trend nur fortgeführt und dem Thema größere Bedeutung in der Öffentlichkeit verschafft. 7,2 Prozent mehr Aussteller, vor allem bei den ausländischen Firmen (50 Prozent mehr), das führe schon dazu, dass man “fast enttäuscht wäre, wenn nicht deutlich mehr Besucher kämen als letztes Jahr”, erklärt Rättich. Die Halle samt Foren und Auditorium ist bereits am ersten Tag gut gefüllt, und selbstbewusst erklärt die Messe Nürnberg: “Man sieht, wir sind nicht mehr nur der Systems-Nachfolger, die IT-SA hat sich etabliert.”
Bundes-CIO präsentiert Ziele
Die IT-Beauftragte der Bundesregierung, Cornelia Rogall-Grothe, prognostiziert gar weiteres Wachstum, zumindest was die Bedeutung der IT-Security-Branche angeht. Für die “fortschreitende Digitalisierung […] braucht es Vertrauen, das durch Dialog und Transparenz gestützt wird”, verweist Rogall-Grothe auf Grundprobleme der Diskussion um Cybersicherheit. Neben der Regierung und dem BSI sei bei der besonderen Rolle, die die IT-Security innehabe, aber auch die Wirtschaft gefragt.
Im Rahmen eines runden Tisches habe man mit 30 Vertretern aus Ministerien, Ländern, Wirtschaft und Verbänden in einem Brainstorming Ergebnisse erarbeitet, die als Anleitung für die weitere Arbeit gelten sollen. Zu den von Rogall-Grothe bekannt gegebenen Zielen gehören beispielsweise das Streben nach dem höchsten Sicherheitsniveau, die Unterstützung neuer Sicherheitsstrukturen aber auch die Verbreitung von Basistechnologien wie etwa dem neuen Personalausweis. Außerdem wolle der Bund Startups und Forschung in Sachen IT Security besser fördern und das Gütesiegel “Made in Germany” auch in dieser Branche (wieder) etablieren. Ganz wichtig sei ihr auch, das IT-Sicherheitsgesetz weiter zu verfolgen und Betreiber kritischer Infrastruktur zum Dialog zu verpflichten.
BSI mit Cloud-Studie und TLS-Norm
Im Namen des BSI erklärte dessen Vizepräsident, Andreas Könen, Prism und Tempora seien nur “der Weckruf” gewesen, die “das anhaltend hohe Niveau von Angriffen” in den medialen Mittelpunkt gestellt habe. Das BSI spricht von “nur” drei bis fünf Cyberspionage-Attacken pro Tag, viel problematischer seien allerdings die DDOS-Angriffe, die mittlerweile bis zu 100 GBit erreichen können.
Auch gehackte deutsche Server seien ein Problem, bei dem nur Sensibilisierung helfe. Anwender, Kunden, Anbieter, Admins, Behörden und Politik seien hier gefordert. Auch Könen glaubt daran, dass das hohe deutsche Know-how in Produkte umgesetzt werden kann, das BSI helfe mit Zertifizierungen und Studien. Eben erst habe man TLS 2.1 nach § 8 als Mindeststandard empfohlen und eine Studie zur Sicherheit in der Cloud erstellt. Dazu kommen sichere Smartphones (mit T-Systems und Secunet), aber auch mehr Präsenz durch den neuen Facebook-Auftritt.
Bitkom: Prism-Fakten endlich auf den Tisch!
Für Winfried Holz vom Branchenverband Bitkom ist es enttäuschend, das in Sachen Prism immer noch nicht alle Fakten auf dem Tisch liegen. Das untergrabe das Vertrauen. Ebenso sei es ein Problem, wenn Geheimdienste global kooperieren und jeder faktisch die Bürger des anderen Landes abhöre: “Das verstößt gegen geltende Gesetze und widerspricht den Grundsätzen und dem Geist der EU und Deutschlands.” Überhaupt plädiert er für einheitliche EU-Gesetze und -Vorgaben wie die Datenschutzrichtlinie, weil “nationale Vorgaben nicht mehr der richtige Weg sind.” Die NSA-Affäre habe da noch nichts geändert, doch immerhin beginnen viele Unternehmen zu verstehen, worum es geht.
Fraunhofer-Institut: Industrieanlagen-Security made in Germany
Ein weiteres wichtiges Thema aus der Security-Welt bringt Prof. Dr. Claudia Eckert auf den Punkt: Die Leiterin des Fraunhofer Instituts AISEC spricht die Gefahren an, die die zunehmende Vernetzung von Geräten, die niemals fürs Internet ausgelegt waren, mit sich bringt. Nicht nur Scada oder Stuxnet seien die Stichwörter, auch das vernetzte Zuhause mit intelligenten Stromzählern oder vielen anderen Steuergeräten erweise sich da immer häufiger als Problem.
Auch hier seien politische Maßnahmen erforderlich, ein Gütesiegel “Made in Germany” wünschenswert und ein Schichtenmodell zum Schutz der Geräte unabdingbar. “Sie können Industrieanlagen nicht patchen, und schon gar nicht mal schnell runter und wieder rauffahren – das geht nicht. Deshalb müssen Sie Schutzmechanismen an anderer Stelle aufbauen”, erklärt die Professorin.






