Die Ergebnisse einer auf der European Identity Conference (22. – 25.4.) vorgestellten Umfrage zu SOA und Identity Management ergab, dass beide Themen bei CIOs keinen systematischen Platz erhalten. Aus der Praxis kommen Töne, die fortschreitende Akzeptanz von Identity-Providern und den Nutzen offener Standards bezeugen.
Frisch zur Konferenz lagen Ergebnisse einer CIO-Befragung über das Zusammenspiel von Identitätsmanagement (IDM) und Service orientierte Architektur (SOA) vor. Martin Kuppinger von Kuppinger Cole und Partner sowie Matthias Bandemer von Ernst und Young stellten sie vor, denn die Beratungsfirma und die Wirtschaftsprüfer haben die Umfrage an 400 Unternehmen verschickt. Die Befragung befasste sich generell mit IT-Management und speziell mit dem SOA-Deployment, IDM inklusive, und sollte von den CIOs der Unternehmen ausgefüllt werden. 50 komplette Fragebögen dienten der Auswertung. Die niedrige Zahl vollständiger Antworten kommt nach Aussage der Vortragenden dadurch zu Stande, dass viele Unternehmen offenbar keine definierte Sicht auf SOA und IDM haben. Weitere CIOs seien mündliche befragt worden, sagte Bandemer in seinem Vortrag, so dass die Ergebnisse sich nicht allein auf die 50 Fragebögen stützen. Der größte Anteil (25 Prozent) an den kompletten Fragebögen entfällt auf Telekommunikationsunternehmen. Je ein Drittel der Antworten stammt aus Unternehmen mit weniger als einer Milliarde Umsatz, solchen mit Umsätzen zwischen einer und zehn Milliarden sowie Firmen mit mehr als zehn Milliarden Jahresumsatz.
Die Befragung ergab, dass fast die Hälfte der CIOs dem Thema IT-Governance weniger Bedeutung zumessen als der der allgemeinen Unternehmensführung. Zum Beispiel hätten die CIOs es eher als sehr wichtig bewertet, die Konkurrenzfähigkeit zu stärken, wohingegen sie effiziente IT-Abläufe als nicht sehr wichtig beurteilten. Zu dieser Distanz zur IT-Abteilung passt, dass die Chief Information Officers IT-Risiken hoch einschätzten, zum Beispiel Performance und Availability, während unternehmerische Risiken wie Vertrauensbindungen oder fehlende Erfahrung als gering bewertet wurden. Weiterhin geben 50 Prozent an, sich mit Schadensverhütung für IT-Risiken befasst zu haben, aber nur 18 Prozent nutzen spezielle Tools, um das Risk Management unternehmensweit umzusetzen. Die meisten CIOs gaben nach Aussage von Matthias Bandemer als Tool zum unternehmensweiten Risikomanagement Excel-Tabellen an. Schließlich ergaben 14 Prozent der Fragebögen, dass das Unternehmen eine standardisierte Herangehensweise zu SOA hat, aber 73 Prozent benutzen SOA-Technologien auf eher unbestimmte Weise. In den befragten Unternehmen nimmt SOA weniger als 20 Prozent der IT ein, aber bis 2010 wollen die Unternehmen diesen Anteil auf zwischen 60 und 100 Prozent aufstocken. Worauf die Unternehmen offensichtlich warten, weiß Matthias Bandemer zu benennen: auf einsatzbereite, standardisierte SOA-Pakete. Insgesamt stellten die Analysten in dem Vortrag auf der Grundlage ihrer Umfrage fest, dass die Zusammenarbeit zwischen IT und Management suboptimal sei, was sie in die Handlungsmaxime “Reengeneering Governance” münden ließen.
Im Best-Practices-Track der Konferenz berichtete der niederländische Rechtsanwalt Tony de Bos von seinen Praxiserfahrungen mit Authentisierungsservices. Er ist CEO der Firma Diginotar, die zur Zeit nach Angaben von de Bos etwa 50.000 Identitäten des geschäftlichen Umfelds verwaltet. Der Consumer-Bereich sei noch neu, so dass hier noch keine nennenswerten Zahlen vorliegen, sagte de Bos. In den vergangenen drei Jahren habe die Bereitschaft zugenommen, Service-Provider für das Identitätsmanagement in Anspruch zu nehmen. “Sogar Banken in den Niederlanden denken mittlerweile darüber nach”, gab de Bos an, was er als sehr gutes Zeichen wertete. Auch habe er die Entwicklung ausgemacht, dass Unternehmen oft mit Authentifizierungsservices einsteigen, das Geschäft aber dann auf Identitätsmanagement ausweiten, zum Beispiel auf digitale Signierung. Interessant sei weiterhin, dass Unternehmen ein niedrigeres Level zur Gewährleistung von Identitäten buchen, und dann lieber die Kosten tragen, wenn mit Identitätszuordnungen etwas schief geht. Diginotar biete verschiedene Sicherheitslevel zu gestaffelten Preisen an, die von postalischer Identitätsüberprüfung bis zur Überprüfung per Regierungsdaten reichen. Zur weiteren Entwicklung des Segments Identitätsmanagement stellte der Holländer fest, dass es genügend bestehende Technologien gäbe – es käme jetzt darauf an, die Angebotslage mit offenen Standards und Qualitätslevels zu konsolidieren.
Die europäische Einrichtung Eifel (European Institute for E-Learning) war durch ihren IT-Chef Marc van Coillie, der das Universal-CV-Projekt vorstellte. Bei diesem Projekt geht es darum, mit einer XML-Art speziell für Personalmanagement (HR-XML) einen universalen Lebenslauf zu erstellen. Damit sollen europäische Bewerber nicht mehr auf jeder Firmen- oder Stellenmarkt-Webseite Zeit damit verschwenden müssen, die immergleichen Fomalien einzutippen, führte van Coillie aus. Denn 80 Prozent der Lebenslauf-Inhalte (etwa Schulabschluss, Stationen) bleiben gleich. Stattdessen können sich Bewerber dann mehr auf den individuellen Zuschnitt ihrer Online-Bewerbung kümmern. Seit Mitte 2007 ist das CVU-Projekt – vertreten durch van Coillie – Mitglied bei der Liberty Alliance. Denn das CVU-Projekt arbeitet mit offenen Standards und quelloffener Software, beispielsweise die Lasso Library der Open-Source-Firma Entr’Ouvert, der Personal Manager des europäischen Kite-Projekts und den Larp Reverse Proxy, der Standards der Liberty Alliance implementiert.



