Der Konzern IBM hat bekanntgegeben, gegen eine Reihe von Interoperabilitätsstandards keine Patentansprüche anzumelden. Die Liste von rund 160 Standards soll Entwicklern individuelle Nachfragen bei IBM ersparen.
Die Liste der Spezifikationen umfasst vor allem wichtige Standards im Bereich Web Services wie WSDL, SOAP, XPath und XML und verlinkt auf die entsprechenden Recommendations beim World Wide Web Consortium (W3C). Mit dieser Auswahl möchte IBM nach eigenem Bekunden die Entwicklung interoperabler Software fördern.
Die Zusicherung betrifft standardkonforme Implementierungen der aufgelisteten Standards. IBM stellt Herstellung, Benutzung und den Vertrieb solcher Umsetzungen von Patentansprüchen aus seinem Hause frei. Allerdings enthält das Versprechen eine Patentvergeltungsklausel: Wer seinerseits Patentansprüche gegen eine Implementierung der genannten Standards durch IBM oder Dritte geltend macht, verliert die Nutzungsrechte an IBMs Patenten.
Auf Nachfrage von Linux-Magazin Online erklärte Michael Kieß, Pressesprecher der deutschen IBM-Entwicklungs- und Forschungsabteilung: “Wir haben Patente, die einen Einfluss auf die genannten Standards haben können. Die Liste ist aber kein indirekter Hinweis, dass wir an den genannten Spezifikationen selbst Patentansprüche halten”.
Kieß betonte, IBM habe Open-Source-Entwicklern bereits in der Vergangenheit auf Nachfrage kostenlose Nutzungsrechte für Patente zur Verfügung gestellt. Das aktuelle öffentliche Versprechen in Sachen Imteroperabilität solle die “administrative Hürde” für freie wie kommerzielle Entwickler senken, die nun die Liste konsultieren können, anstatt mit IBM individuell in Kontakt zu treten.



