Mit einem neuerlichen Statement pocht Oracle auf die Namensrechte an Hudson. Hudson-Vater Kohsuke Kawaguchi ist sich sicher: Forken, jetzt oder nie. Unterdessen tippen sich Mitglieder sowohl von Hudson als auch von Oracle in verständnissuchenden Mailthreads die Finger wund.
Kawaguchi wertet Oracles Statement als klares Zeichen, dass das Unternehmen die Funktionsweise des Projekts ausschließlich nach den eigenen Vorstellungen ändern möchte. Er plädiert eindringlich für den Vollzug des Forks: “Wenn der Aufschrei der Community bei Oracle keine Konpromissbereitschaft auslöst, weiß ich ehrlich nicht, was das sonst auslösen könnte. Genau deswegen müssen wir jetzt den Namen ändern, nicht später. Wenn uns das hier nicht resolut sein lässt, werden wir gespalten und von hochtechnischen Diskussionen totgekocht wie ein Frosch. […] Sie versuchen uns ihren Willen aufzuzwingen, obwohl sie weniger als ein Prozent zum Code beigetragen haben, seitdem ich nicht mehr bei Oracle bin.”
Anlass dieser Einschätzung ist, dass das Unternehmen jetzt in Person des Vice President und Chef-Softwarearchitekten Ted Farrell einen Statusbericht veröffentlicht hat, mit dem es auf die seit November 2010 anhaltende Diskussionen über die Art der Weiterführung des Projekts und speziell auf die Umbenennung in Jenkins reagiert. Von dem drohenden Fork lässt sich Oracle wenig beeindrucken: “Wenn Oracle jemals etwas getan haben sollte, womit die Community nicht einverstanden ist […], dann kann die Community jederzeit forken. Genau das ist eine der Sicherheiten, die sie gegen ein Unternehmen hat.”
Grund für die Unvereinbarkeit beider Standpunkte ist anscheinend, dass Oracle die Mehrheit der bisher laut gewordenen Entwicklerstimmen nicht für “die Community” zu nehmen bereit ist. Oracle zielt auf eine Erweiterung der Entwickler- und Anwenderbasis durch Unternehmen. In dem genannten Statement heißt es: “Damit Hudson wächst und mehr Leute erreicht, muss die Kern-Community wachsen, offener und gleichgestellter werden. Ich kann verstehen, dass einige Leute alles beim Alten lassen wollen, wo einige wenige die Entscheidung trafen. Das ist ihre Entschsidung und sie haben das Recht, dafür zu forken.”
Nach Oracles Meinung steht das Pochen auf die Namensrechte allein für das Streben nach Verlässlichkeit: “Wenn jemand die unveränderte Datei “hudson-ci.war” nimmt und nicht verändert, kann er soviele Erweiterungen oder Plugins paketieren und das Ganze Hudson-irgendwas nennen. […] Wer den Kern-Code verändert, kann nach speziellen Markenlizenzen fragen. Wir wollen nur sichergehen, dass Veränderungen keine Inkompatibilitäten mit Plugins nach sich ziehen.”
Die Diskussionsbeiträge der Community und von Ted Farrell persönlich sind in den Mail-Thread nachzuvollziehen, der sich an die Bekanntgabe an das Statement anschließt (Thread auf der Entwickler-Liste, Thread auf der Anwender-Liste). Derzeit ist das von Oracle gehostete Mailarchiv auf der neuen Hudson-Projektseite unvollständig: Die genannten Diskussionen sind nur in dem von Kohsuke Kawaguchi ausgelagerten Mailarchiv zu finden, eine Maßnahme, die den technischen Pannen beim Umzug der Projektseite nach Java.net geschuldet war.


