Hans Reiser des Mordes schuldig gesprochen

Ein Gericht in Oakland befand den Programmierer und Erfinder des ReiserFS-Dateisystems gestern schuldig seine Ehefrau Nina Reiser im Jahr 2006 ermordet zu haben.

Reiser steht nun eine Gefängnisstrafe von mindestens 25 Jahren bevor, die Verkündung des konkreten Strafmaßes wird in Kürze erwartet.

Das Urteil folgte auf einen Indizienprozess: Die damals 31jährige Nina Reiser verschwand am 3. September 2006, ihre Leiche wurde nie gefunden. Das Paar lebte zu dieser Zeit in Scheidung. Nina Reiser hatte am Tag ihres Verschwindens die beiden gemeinsamen kleinen Kinder zu Hans Reiser gebracht, die Kinder sollten das Wochenende beim Vater verbringen. Reiser wurde am 10. Oktober 2006 festgenommen.

Reiser konnte – wohl auch aufgrund seiner exzentrischen Auftritte – den Geschworenen nicht glaubhaft erklären, warum er den Beifahrersitz aus seinem Wagen entfernt hatte, warum er das Fahrzeug geflutet hatte, so dass das Wasser später zentimeterhoch dessen Boden bedeckte, und warum er zwei Bücher mit den Titeln “Homicide: A Year on the Killing Streets” und “Masterpieces of Murder” kaufte. Sein Verteidiger scheiterte mit der Strategie, Reiser als “missverstandenen Nerd” hinzustellen, wie Wired in einem ausführlichen Blog zum Prozess schreibt. Reiser erleichterte ihm die Sache offensichtlich nicht, indem er seinen eigenen Anwalt öfters unterbrach und sich selbst verteidigte, notierten die Prozessbeobachter von Wired. Vor allem die detaillierten und umständlichen, zum Teil merkwürdigen Erklärungen für jeden einzelnen Vorwurf, wirkte auf die Geschworenen offensichtlich wenig überzeugend.

Sean Sturgeon, ein ehemaliger Freund von Reiser, mit dem Reisers Frau Nina eine Affäre gehabt haben soll, spielte keine Rolle in dem Prozess. Er hatte zugegeben, acht Menschen getötet zu haben – sein Geständnis bekamen die Geschworenen allerdings nicht zu hören. Der Ankläger konzentrierte sich darauf, Entlastungszeugen für Nina Reiser zu präsentieren und zugleich die Glaubwürdigkeit Hans Reisers zu erschüttern. Abgesehen von Blutspuren auf einem Kissen im Haus und an der Hülle eines Schlafsack, die sich in Reisers Auto fand, fehlen von der Ermordeten Spuren. Hans Reiser hatte im Verlaufe des Prozesses behauptet, seine Frau sei heimlich nach Russland geflohen.

Das Urteil wirkt sich auch indirekt auf die Linux-Community aus, denn was aus Reisers ehemaliger Firma Namesys wird, ist momentan ungewiss. Sie entwickelt Reiser4, ein neues Filesystem, das in Konkurrenz zu Ext in den Kernel einfließen soll. Laut ZDNet sendet der ehemalige Mitarbeiter von Namsys, Edward Shishkin, zwar weiter Reiser4-Patches an die Kernel-Entwickler, fragt sich aber, wie lange das Projekt ohne Hauptentwickler Hans Reiser überleben kann.

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