Zum Auftakt der Vortragsreihe auf dem Frühjahrsfachgespräch der German Unix User Group (GUUG) sprach der Vorsitzende der Open-Source-Firma Interface AG über falsche Auffassungen von Shareholder Value.
Die Veranstalter des Frühjahrsfachgesprächs haben sich vorgenommen, den Zuhörern nicht nur technische Themen zu präsentieren. Die Keynote von Roland Dürre, Vorstandsvorsitzende der 70-köpfigen IT-Firma, setzte sich mit dem Shareholder Value auseinander – oder was die meisten Unternehmen seiner Meinung nach fälschlich darunter verstehen.
Vor allem persönliche Zielvereinbarungen und leistungsabhängige Erfolgsbeteiligung sieht Dürre als oft praktizierte Maxime auf Managementebene an und betrachtet diese Strategie skeptisch: Es gäbe keine Freiheit mehr, wenn ein Unternehmen von oben bis unten mit Zielvereinbarungen durchdrungen sei. Das Shareholder-Value-Prinzip, Ziel- und Budgetvereinbarungen auf den Mitarbeiter umzulegen, bedeute, dass jeder, der mehr Marge macht, auch mehr Geld bekommt. Das funktioniere aber nur teilweise, erläuterte Dürre. Verfehle das Unternehmen einmal bestimmte Margen, gäbe es Reibungsverluste durch Diskussionen, da nicht ausgeschlossen sei, dass der einzelne seine persönlichen Ziele erreicht habe und die entsprechende Erfolgsvergütung einfordere.
Ein erfolgreiches Team zeichne sich jedoch dadurch aus, dass der Einzelne nicht nur auf seine eigenen Ziele schaue, sondern das gesamte Unternehmen im Blick habe und Verantwortung übernehme. Unternehmenswerte und -kultur seien die Erfolgsfaktoren, die das Team zusammenkitten, sagte Dürre. Der Unternehmer nannte es das “Linux-Prinzip”, offene Kommunikationskultur zu pflegen, in denen in der jeder sagen kann: “Das kann ich, dafür mache ich mich zuständig”. Dürre sieht darin die Kommunikationsstruktur der Zukunft.
Roland Dürre ist seit 1982 Unix-Anwender. Die Interface Connection GmbH hat er 1984 mitbegründet. Seit 1999 ist die mittelständische Open-Source-Firma, die ihren Hauptsitz in Unterhaching bei München hat, eine Aktiengesellschaft.
Das Frühjahrsfachgespräch der GUUG findet derzeit an der Hochschule München (vormals Fachhochschule München) statt.



