Am zehnten Geburtstag von Chrome bringt eine von Google kaum erwähnte Neuerung Nutzer des Chrome-Browsers auf die Barrikaden. Der Browser meldet die Nutzer neuerdings ungefragt bei Google an.
Bekannt wurde dieser Umstand unter anderem durch den bekannten Krypto-Experten Matthew Green. Der regte sich in einem Blogpost mit der Überschrift “Warum ich Chrome verlasse” ausführlich über das neue Feature auf. Googles Browser zu nutzen, sei laut Green stets eine Win-Win-Situation gewesen. Er habe als Zugangspunkt für Googles Produkte gedient, seine Nutzer aber nie aufgefordert, sich beim Browsen anzumelden. So blieben auch die Daten auf dem Rechner, auf dem Chrome lief.
Vor ein paar Wochen habe sich das geändert. Melde sich der Anwender nun bei einem Google-Dienst wie Gmail an, loggt Google auch den Browser selbst automatisch bei diesem Account ein. Das sei laut Green in mehrfacher Hinsicht schlecht: Vor allem gebe es keinen Grund für diese Anmeldung. Zugleich torpediere sie das Vertrauen der Nutzer in Googles Produkt enorm.
Das “Warum” bleibt offen
Green bezweifelt vor allem die Sinnhaftigkeit dieser Aktion. Die soll laut Google-Entwicklern bei angemeldeten Google-Nutzern, die einen Rechner teilen, ein Cookie-Durcheinander verhindern. Zurecht weist Green darauf hin, dass dieses Problem ja nicht entstehen würde, wenn die Nutzer nicht zwangsweise angemeldet würden.
Auch Googles Verteidigung (oder die der Entwickler, denn offiziell schweigt Google wie immer), der angemeldete Browser würde ja keine Daten an Google schicken, lässt Green nicht gelten. Google ignoriere mit der Änderung immerhin seinen zehn Jahre lang immer wieder explizit geäußerten Wunsch, sich nicht beim Chrome-Browser anmelden zu wollen und verletze damit den Konsens zwischen sich und ihm als Anwender.
Fragen zu Sync
Und Green nennt weitere Probleme: Ein falscher Mausklick auf die Sync-Funktion und der angemeldete Browser synchronisiert womöglich doch seine Daten, gegen seinen Willen. Angemeldete Nutzer könnten sich aus Angst vor Beobachtung beim Surfen im Netz selbst zensieren. Schließlich sei unklar, welche Daten bei einem Sync tatsächlich bei Google landen: Alle vergangenen oder nur die seit dem letzten Login. Zudem verstoße die neue Policy gegen die hauseigene Chrome Privacy Policy. Zumindest letzteres sei inzwischen behoben, ändert aber nichts an dem Problem, nicht angemeldet sein zu wollen.
Was Green am Ende seines Posts lediglich traurig macht, treibt andere Nutzer auf Hackernews zu alternativen Browsern wie Firefox oder dem Tor-Browser. Zwar gibt es aktuell auch die Option, über das Deaktivieren von “chrome://flags/#account-consistency” die Auto-Anmeldung auszuschalten, doch es ist völlig unklar, wie lange Google diese Hintertür anbieten will. Und es beantwortet auch nicht die Frage, warum Google nach zehn Jahren die Chrome-Nutzer zum Anmelden beim Browser zwingt.






