Die Gesellschaft für Informatik hat ihren diesjährigen Dissertationspreis für die Doktorarbeit von Dominik Herrmann vergeben, der darin untersucht, wie Geheimdienste oder auch Werbenetze Benutzer anhand ihres Surfverhaltens identifizieren können, selbst wenn die Anwender Cookies löschen und der Browser keine Informationen preisgibt.
Die Arbeit unter dem Titel “Beobachtungsmöglichkeiten im Domain Name System: Angriffe auf die Privatsphäre und Techniken zum Selbstdatenschutz” (eine gut verständliche Zusammenfassung findet sich hier ) erläutert, wie allein anhand der besuchten Webseiten und der jeweiligen Besuchshäufigkeit individuelle Muster extrahiert werden können, die in vielen Fällen eine eindeutige Identifikation erlauben. “Es klappt nicht immer, aber überraschend oft”, fasst Herrmann seine Ergebnisse zusammen. In einem Experiment sollte der Klassifikator beispielsweise die Sitzungen von mehr als 3800 Studenten über einen Zeitraum von zwei Monaten von einem Tag auf den nächsten verknüpfen. Als Grundlage diente ein umfangreicher Datensatz mit den DNS-Anfragen aller Studenten und Mitarbeiter der Universität Regensburg. Im Mittel gelang die Wiedererkennung in 86 Prozent der Fälle. Bei knapp 14 Prozent der Studenten wurden sogar alle Sitzungen korrekt verbunden. Auch bei größeren Gruppen gelang das Tracking noch erstaunlich gut: Bei mehr als 12 000 Nutzern wurde noch eine Genauigkeit von 76 Prozent erreicht.
Da die Methode nur funktionieren kann, wenn ausreichend viele Webseiten pro Nutzer (das heißt: pro IP-Adresse) gesammelt werden können, würde eine wirksame Gegenmaßnahme darin bestehen, die IP-Adresse automatisiert häufiger zu wechseln. Das könnte mit Unterstützung des Internetproviders ohne Zutun des Nutzers im Hintergrund stattfinden. Herrmann ist derzeit in Gesprächen mit einem Anbieter aus dem Saarland, der sich gut vorstellen kann, seinen DSL-Kunden diese Technik anzubieten






Nette und erhellende Arbeit.Nur dürfte die “Lösung” – zumindest gegenüber Diensten, Anbietern wie Google, FB und Co. wohl kaum in einem häufigeren IP Wechsel liegen, denn einerseits haben typische Enduser Dienste wie Email, Messaging o.ä. in Nutzung, über die die großen der Branche problemlos verknüpfen könnten (und tun – zB Google Mail, Facebook Message, WhatApp usw….) und zudem ist ein häufigerer Wechsel mit häufigeren Sitzungsabbrüchen verbunden. Für Dienste dürfte das noch einfacher zusammenzubekommen sein.