Software-Hersteller von Application Infrastructure und Middleware (AIM) setzten im Jahr 2007 rund 13 Prozent mehr US-Dollar um als 2006, sagen die Marktforscher von Gartner. Dafür sei unter anderem die starke SOA-Nachfrage verantwortlich.
Insgesamt setzten die Firmen gut 14 Milliarden US-Dollar um, das sind knapp 2 Milliarden Dollar mehr als im Vorjahr. Der Geschäftsbereich Anwendungsunterbau und Middleware sei im Vergleich zu sonstigen Business-Software sogar am stärksten gewachsen. Laut Gartner verzeichneten vor allem die Teil-Märkte ESB (Enterprise Service Bus) und BPM (Business Process Management) starkes Wachstum, der den Markt mitgezogen habe.
Das begründen die Marktbeobachter aus Connecticut mit der starken Nachfrage nach Service-orientierter Architektur. In Reaktion auf diese Nachfrage rüsten die Hersteller ihre Infrastruktur-Produkte für Anwendungen für ESB und BPM um, damit die Kunden sie in ihre SOA integrieren können. Als weiterer Wachstumsmotor habe die globale Vernetzung und Interaktion von Unternehmen im Zuge der marktwirtschaftlichen Globalisierung bei Unternehmen zu einer stetigen Nachfrage nach ausgefeilten B2B-Anwendungen geführt.
Die vier Verkäufer mit dem größten Marktanteil waren IBM, Bea Systems, Oracle und die Geschäftsprozess-Optimierer Sterling Commerce mit Hauptsitz in Ohio. IBM hielt 2007 knapp 30 Prozent des Marktes. Der Umsatz wuchs um rund 15 Prozent gegenüber 2006, der Marktanteil sank jedoch um einige Zehntel. Die Marktanteile der anderen bewegen sich bei acht (Oracle) bis zehn Prozent (Bea) oder unter vier Prozent (Sterling, Microsoft). Im Umsatz legte Oracle um beachtliche 20 Prozent zu, verlor aber dennoch etwas an Verbreitung, ähnlich wie IBM.
Bea mit Umsatzwachstum um gut acht Prozent und Sterling mit 1,4 Prozent Wachstum erweiterten hingegen ihren Marktanteil um rund vier Stellen nach dem Komma. Spektakulären Umsatzzuwachs verzeichnete nach Gartners Zahlen von Juni Microsoft mit fast 42 Prozent. Der Redmonder Konzern steht aber in Sachen Marktverbreitung mit gerade mal 2,5 Prozent trotzdem nur an fünfter Stelle.
In Nordamerika und Westeuropa war die Nachfrage wie in 2006 am größten, gefolgt von Japan und der asiatischen Pazifik-Region. Rasante IT-Modernisierung und eine blühende KMU-Landschaft (kleine und mittlere Unternehmen) erzeugten hier am Pazifik das stärkste Wachstum: etwas über 25 Prozent.
Für die nahe Zukunft des AIM-Marktes prophezeit Fabrizio Biscotti, leitender Marktforscher bei Gartner, einen härteren Konkurrenzkampf zwischen Großunternehmen und kleineren, aber spezialisierten Unternehmen in Aussicht, was zu Konsolidierung durch Aufkauf führen werde. Beispielsweise müsse sich IBM dieses Jahr der großen Herausforderung stellen, dass Oracle im Januar Bea Systems gekauft hat (Linux-Magazin Online berichtete). Er warnt für den Middleware-Markt vor einem Generalisten-Dasein. Er empfiehlt stattdessen differenzierte Weiterentwicklung von Lösungen und Ausrichtung auf spezielle Anforderungen von Märkten, deren Firmen gerade ihre Reife und Konsolidierung erfahren.
Das Segment AIM ist bei Gartner ein Teil des Marktes für Business-Software. AIM besteht bei den Marktforschern aus elf Teilbereichen, unter anderem Web-Portale, Prozessmanagement, Middleware und Anwendungs-Infrastruktur sowie Middleware-Appliances.



