Fehlende social skills - Richard Stallman entschuldigt sich

In der hochkochenden Debatte über die Rückkehr Richard Stallmans in den Vorstand der Free Software Foundation (FSF) hat sich der nun mit einer persönlichen Entschuldigung zu Wort gemeldet.

Richard Stallman war aus der von ihm gegründeten Foundation ausgeschieden, weil er sich mit umstrittenen Argumenten zu einem Fall sexuellen Missbrauchs geäußert hatte. Auf einer internen MIT-Mailingliste hatte er den 2016 verstorbenen Professor Marvin Minsky verteidigte. Dem wird im Zuge der Epstein-Affäre vorgeworfen, auf Epsteins Insel gegen ihren Willen mit einer der eingeflogenen Minderjährigen geschlafen zu haben.

Stallman hatte dann bei der diesjährigen LibrePlanet-Konferenz überraschend seine Rückkehr in den Vorstand verkündet und damit in der Open-Source-Szene für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. In einem offenen Brief verkündeten zahlreiche Personen und Organisationen, die FSF nicht weiter unterstützen zu wollen. Darunter waren neben Open-Source-Projekten auch Unternehmen wie Suse. Andere Unternehmen wie Red Hat hatten eigene Statements gegen die Rückkehr von Stallmans aufgesetzt. Schließlich war die Führungsmannschaft der FSF-Geschäftsstelle aus Protest gegangen.

In seinem persönlichen Statement entschuldigt sich Stallman für seine Äußerungen. Es fehle ihm, wie er seit seinen Teenager-Jahren wisse, an der Fähigkeit, Zwischentöne zu vernehmen. Es fühle sich an, als trenne ihn ein dünner Vorhang von anderen Menschen. Er verstehe die Worte ihrer Unterhaltungen, begreife aber nicht warum sie sagten, was sie taten. Mit diesem Unvermögen erklärt er auch seine Verteidigung von Minsky. Er habe lediglich darauf reagiert, dass Minskys Schuld gleichgesetzt worden sei mit derjenigen von Jeffrey Epstein. Zu seiner Überraschung sei das so interpretiert worden als würde er Epstein verteidigen. Das sei nicht der Fall. Epstein sei ein Serienvergewaltiger und zurecht verurteilt worden. Das er Minsky verteidigt habe, sei für ihn richtig gewesen. Aber die Zwischentöne habe er nicht gehört und den Kontext zu dem von Epstein zugefügten Leid und dem Unrecht gegenüber Frauen nicht verstanden, schreibt Stallman in seinem Statement.

Inzwischen hat sich auch der FSF-Vorstand geäußert. Die stimmberechtigten Mitglieder, zu denen auch der Vorstand zähle, hätten dafür gestimmt, Stallman nach gründliche Diskussion und durchdachten Überlegungen einen Vorstandssitz anzubieten. Als Gründe gibt die FSF an, dass man Stallmans Weisheit vermisst habe. Sein historischer, rechtlicher und technischer Scharfsinn in Bezug auf freie Software sei unübertroffen, schreibt die FSF. Stallman besitze eine tiefe Sensibilität für die Art und Weise, wie Technologien sowohl zur Verbesserung grundlegender Menschenrechte beitragen könne. Dass die Ankündigung bei der LibrePlanet für die Belegschaft völlig unerwartet gekommen sei, bedauert die FSF-Führung. Die Belegschaft hätte man zuvor informieren müssen, heißt es. Dass dies nicht erfolgt sei, bedaure man.

Neben den Kritikern hat Stallman auch Unterstützer. Die rechtfertigen Stallmans Äußerungen ebenfalls in einem offenen Brief, den viele privat Personen unterzeichnet haben.

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