Debian-Gründer Murdock ist Suns neuer Cloud-Stratege

Der Debian-Gründer und bisherige OpenSolaris-Chef Ian Murdock übernimmt bei Sun Microsystems die Rolle als Stratege für Cloud Computing.

Bereits seit einer Umstrukturierung im November hat Murdock die neue Aufgabe mit dem Titel Vice President of Cloud Computing Strategy; dies erzählt er seinem früheren Sun-Kollegen Barton George in einem Video-Interview. George, mittlerweile bei Lombardi Software, traf seinen bisherigen Chef auf einer Cloud-Computing-Konferenz in Mountain View, Kalifornien, und fragte ihn nach dem Grund für seine Anwesenheit. Murdock erklärte, er sei beruflich bei dem Treffen und wolle sich Klarheit über Cloud Computing im Allgemeinen und die künftige Rolle von Sun im Besonderen verschaffen. “Es ist offensichtlich, dass ich solides Hintergrundwissen in Sachen Linux-Distributionen habe,“ meint der Debian-Gründer, und er macht Parallelen zu den Anfängen von Linux aus, das er seit 1993 begleitet hatte. Er suche nach einem “Äquivalent zu einer Linux-Distribution“ in der Wolke, und insbesondere bei der Bedeutung von gemeinsamen Standards sieht er Ähnlichkeiten. “Wenn man die Rolle betrachtet, die Sun in den letzten 25 Jahren bei offenen Standards in der Industrie gespielt hat, glaube ich persönlich, dass dies ein sehr großer Teil von Suns Beitrag zum Cloud Computing sein wird“, prognostiziert Murdock.

Einen Tag nach dem Video-Interview erläutert Murdock in einem Blog-Eintrag seine Interpretation der elektronischen Wolke näher. Er versucht eine Begriffsklärung: “Im Lauf der Jahre trugen Facetten des Cloud Computing viele Namen: ASP, Grid Computing, Utility computing, Web Dienste, SOA, Mashups, SaaS, Web 2.0“, schreibt er, und für ihn vereinen sich diese Trends und Technlogien im Cloud Computing.

Er fühlt sich an das „Betriebssystem des Internet“ erinnert, wie es Tim O’Reilly, Gründer und Inhaber des gleichnamigen Verlags, im Jahr 2002 definiert hat. Der frisch berufene Wolken-Vordenker von Sun formuliert seine strategischen Überlegungen in Form von Fragen: “Wer wird dann vergleichbares tun und die Stücke der Wolke zu einer zusammenhängenden Plattform zusammenflickt ? (…) Und was wird das Äquivalent zum Paketmanagement in der Wolke, die Technologie die all die unabhängigen Teile zusammenwebt (…)?“

Bemerkenswert ist sicher, dass ausgerechnet der Betriebssystem-Vordenker Murdock eine entscheidende Rolle bei der Cloud-Strategie von Sun erhält. Erst vor zwei Wochen hatte Sun das Cloud-Computing-Unternehmen Q-Layer gekauft. Wesentlicher Teil der Produktpalette von Q-Layer ist eine Software namens NephOS, die eine Abstraktionsschicht über bestehender Hardware und vorhandenen Virtualisierungslösungen liefert. Als Senior-Vizepräsident zuständig für Cloud Computing ist seit dem Sommer 2008 Dave Douglas, eine eigene Web-Präsenz unterstreicht die Bedeutung, die Sun der elektronischen Wolke beimisst.

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