Debian-Chef möchte überforderten Teams helfen

Debian Project Leader (DPL) Steve McIntyre hat gemäß seiner Ankündigung eine Umfrage unter den Debian-Teams durchgeführt, um sich einen Überblick über die Organisation zu verschaffen. Nun präsentiert er die Ergebnisse und zieht Konsequenzen.

Ende April schickte McIntyre 75 E-Mails mit einem Fragebogen an Debian-Teams. Dabei sicherte er den Teilnehmern der Umfrage Vertraulichkeit zu. Mit etwas Verspätung hat der seit Mitte April amtierende DPL nun eine Zusammenfassung der über hundert Antworten präsentiert.

Manche der Befunde sind wenig überraschend: Die meisten Entwickler haben Freude an ihrer Arbeit, doch die meisten Teams könnten personelle Verstärkung gebrauchen – das zeigt sich unter anderem darin, dass zahlreiche Entwickler in mehr als einem Team aktiv sind, mache in mehr als vier, einige wenige sogar in über zehn.

Unter den Positivbeispielen ragt laut McIntyre das Perl-Team heraus: Die Mannschaft kann dank guter Organisation und reger Kommunikation Hunderte von Debian-Paketen betreuen. Auch die Teams in Sachen Internationalisierung (i18n) und Lokalisierung (l10n) sind erfolgreich, obwohl sie relativ informell organisiert sind.

Die Umfrage forderte aber auch Missstände zutage: Viele der altgedienten Entwickler seien überarbeitet, schreibt der Debian-Chef. Einige Teams, die die freie Linux-Distribution auf verschiedene Hardware-Architekturen portieren, seien zu dünn besetzt.

Schockiert zeigt sich der DPL darüber dass sich manche Entwickler als Einzelkämpfer empfinden und alle Arbeit allein schultern, obwohl es offiziell ein Team gibt. Manche Entwicklerteams schienen zudem kaum zu kommunizieren, abgesehen von Anmerkungen im Versionskontrollsystem. Von einigen wenigen Teams hat er gar keine Antworten erhalten.

McIntyre möchte als Konsequenz gleich zur Tat schreiten und vor allem jene Teams retten, die zu scheitern drohen. Er werde sich baldmöglichst persönlich an sie wenden. Die erfolgreichen Teams sollen daneben als Beispiel dienen und ihr Know-How weitergeben. Personelle Verstärkung soll über Blog-Einträge auf Planet Debian und die Mailinglisten angeworben werden. Auch Veranstaltungen wie Debconf und FOSDEM sollen dabei helfen, neue Mitarbeiter zu gewinnen.

Viele Interessenten an Debian wüssten zudem nicht, wie und wo sie einsteigen können, schreibt der Debian-Chef. Daher möchte er eine übersichtliche und verbindliche Liste der Teams schaffen. Zudem sollen die Debian-Entwickler ihre Arbeit besser in der Öffentlichkeit präsentieren und Anlaufstellen für interessierte Einsteiger schaffen.

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