Volker Lendecke von der Sernet GmbH hat auf der Cebit einen Ausblick auf die nächsten Monate der Samba-Entwicklung gegeben.
Der Samba-Kernentwickler ging in seinem Vortrag zuerst auf die Unterstützung für das SMB-Protokoll in Version 2.0 ein, die in Samba 3.6.3 seit Ende Januar verfügbar ist. Die neue, komplett überarbeitete SMB-Version 2.x hat Microsoft mit Windows Vista eingeführt und entwickelt neue Features ausschließlich dafür. Auch die Client-Implementierung von Windows sei wesentlich besser, betonte Lendecke.
SMB 2.2, das mit Windows 8 veröffentlicht wird, bringe den nächsten großen Entwicklungssprung. Es ist für den Betrieb mit SAN vorbereitet und verwendet größere Nachrichten (large MTU), um die Daten schneller zu übertragen. Daneben kann es im Multi-Channel-Betrieb simultan mehrere TCP-Verbindungen und Netzwerkkarten benutzen. Außerdem erlaubt es der Remote Direct Memory Access (RDMA), Daten zwischen Client- und Server-Speicher zu kopieren. Das ermögliche, zumindest in Demonstrationen, Übertragungsraten von bis zu 3 GByte/s.
Continuous Availability heißt ein weiteres Zauberwort: Samba 2.2 verwendet persistente Filehandles, um ununterbrochenes Arbeiten auch bei Störungen zu ermöglichen. Dabei kann ein zweiter Server etwa die Handles eines versagenden Servers übernehmen.
Samba 3.6 unterstützt bereits SMB 2.0, wenn man “max protocol = 2” konfiguriert, und steigert so die Performance. Seit Microsoft SMB 2.2 im September 2011 präsentiert hat, arbeitet das Samba-Team an dessen Unterstützung. Lendecke erwartet Marktdruck für SMB 2.2, sobald Windows 8 sich verbreitet.
Danach ging der Referent auf die Active-Directory-Unterstützung in Samba 4 ein, das sich noch in Entwicklung befindet. Am Messestand E55 in Cebit-Halle 2 zeigt Sernet den Betrieb einer einzigen Domäne mit einem Domain Controller mit Samba 4. Auch die Verzeichnisdatenbank lässt sich mit Windows 2003 und 2008 replizieren. Bestehende Samba-3-Domänen lassen sich als Zwischenlösung nach Active Directory migrieren. Daneben bildet Samba 4 den Read-Only Domain Controller aus Windows 2008 nach, um beispielsweise externe Standorte mit einem Verzeichnisauszug zu versorgen.
Hinter dem Namen S3FS versteckt sich der eingebettete Dateiserver, der den SMB-Daemon aus Samba 3 innerhalb von Samba 4 startet. Auch die Samba-3-Utilities wie Smbpasswd, Smbstatus und Smbclient sollen weiter funktionieren. Dazu kommt als Neuerung Smbtool, das für den Umgang mit Active Directory zuständig ist. Winbind funktioniert im Versionszweig 4 noch nicht gut, daher kommt zunächst die Implementierung aus Version 3 zum Einsatz.
Samba 4 werde also Samba-3 und -4-Komponenten enthalten und im Lauf von 2012 fertig werden, schloss Lendecke. Version 4 wird neue Voraussetzungen auf dem Host benötigen, beispielsweise Python. Bereits jetzt hat Samba 4 erste Anwender (early adopters), darunter Univention mit seinem Corporate Server.





