CDLA-Sharing und CDLA-Permissive: Neue Open-Data-Lizenzen

Wenn der große Datenhunger kommt: Mit zwei neuen Open-Data-Lizenzen nach dem Vorbild von GPL und MIT will die Linux Foundation den Datenbedarf von AI- und Big-Data-Projekten rechtlich regeln. Es gibt aber noch weitere Neuigkeiten vom Open Source Summit Europe, der seit gestern in Prag läuft.

Im Einsatz auf der Straße generieren AI-Systeme zur Navigation selbstfahrender Autos zum Beispiel locker ein Gigabyte an Daten pro Sekunde. Dazu gehören unter anderem Sensordaten, Audio- und Videodaten. Andere Systeme verarbeiten diese Daten dann weiter, um das Fahrzeug sicher durch den Verkehr zu lenken. Aber auch Klimamodelle produzieren nicht nur neue Daten, sondern stützen sich auch auf vorhandene Datensätze in rauen Mengen.

Das neu eingeführte CDLA (Community Data License Agreement) soll diesem Datenhunger sowohl für die Nutzer als auch die Produzenten von Daten auf der rechtlichen Ebene Rechnung tragen. Diese können die Daten wahlweise unter zwei neue Lizenzen stellen, die nun in ihren 1.0-Versionen vorliegen: CDLA-Sharing und CDLA-Permissive. Die erste ist eine Copyleft-Lizenz wie die GPL. Wer die Daten verwendet und dabei verändert, muss sie per Lizenz an die Community zurückgeben. Die zweite ist eine permissive Lizenz nach dem Vorbild der MIT-Lizenz: Nutzer dürfen mit den Daten tun, was sie wollen, es besteht keine Pflicht, veränderte Daten wieder zu veröffentlichen.

Nach Vorstellung der Linux Foundation können sich Communities künftig auf eine der beiden Lizenzen stützen, um die Daten mit anderen Projekten zu teilen. Die Lizenzen sollen sie ermutigen, dies zu tun. Auch an Regierungen denkt die Linux-Stiftung. Um ihre Daten mit der Öffentlichkeit zu teilen, brauchen diese entsprechende Lizenzen.

Gedränge in den Wolken

In der Cloud Native Computing Foundation wird derweilen der Platz knapp. Die Unterabteilung der Linux Foundation gibt vor allem Kubernetes ein Dach, nun steigen zwei weitere Projekte mit ins Boot. Über Tuf (The Update Framework) hat das Linux-Magazin zuletzt im Zuge der Debconf berichtet. Es soll als Plattform für alle möglichen Projekte dienen und sichere Updates erlauben, indem es die häufigsten Angriffsszenarien entkräftet. Notary kommt ursprünglich aus dem Docker-Umfeld, wo es Container-Images mit Hilfe von Signaturen absichern sollte. Mittlerweile setzt es auf Tuf auf und hilft beim Signieren der von Tuf verwalteten Dateien.

Neben den beiden Projekten kündigte die CNCF die Aufnahme von 30 weiteren Mitgliedern an und erhöhte deren Zahl auf mittlerweile 138. Zu den so genannten “End-User”-Mitgliedern und Unterstützern zählt die Stiftung ein paar recht prominente Namen, darunter Reddit, Github, die Wikimedia Foundation, die New York Times Company, Zendesk und Kuelap.

Infrastruktur, wenns mal länger dauert

Die Civil Infrastructure Platform (Cip) will ein paar grundlegende Bausteine auf Open-Source-Basis entwickeln, mit denen die Industrie, aber auch zivile Organisationen zuverlässige und sichere kritische Infrastrukturen aufbauen können, etwa in den Bereichen Energieerzeugung und -verteilung, Wasser, Öl und Gas, Transport oder Gebäudeautomation. Die Linux-basierte Embedded-Software-Plattform soll es ermöglichen, Software zu bauen, die mehr als 10 Jahre und bis zu 60 Jahre im Einsatz ist. Zum Einsatz kommt hier etwa der Linux-Kernel 4.4 mit Support für zehn Jahre (Super LTS).

Die Civil Infrastructure Platform soll langfristige Infrastrukturprojekte ermöglichen (Quelle: wiki.linuxfoundation.org)

Die Civil Infrastructure Platform soll langfristige Infrastrukturprojekte ermöglichen (Quelle: wiki.linuxfoundation.org)

Bei dem auf der Embedded Linux Conference angekündigten Cip Core handelt es sich um ein Referenz-Dateisystem, das auf einer Referenz-Hardware läuft und auf dem sich die Cip-Core-Pakete installieren lassen. Zusammen mit dem SLTS-Kernel bildet es die Open Source Base Layer, auf der sich dann die Pakete von Linux-Distributionen installieren lassen. Die Dateisystem-Images laufen nun auf dem Beaglebone Black, dem iWave RZ/G1M Qseven Development Kit, auf Qemu x86_64 und dem DE0-Nano-SoC Development Kit.

Wegweiser durch die Open-Source-Galaxy

Für traditionelle Unternehmen, die sich für den Einsatz von Open Source interessieren, aber noch nicht so recht wissen, was da auf sie zukommen würde, gibt die Linux Foundation in Zusammenarbeit mit der Todo Group diverse Guides heraus, die sich auf Github nachschlagen lassen. Drei neu veröffentlichte Ratgeber schlagen unter anderem 21 Bücher vor, die diese Unternehmen lesen sollten, erklären, wie der Start eines Open-Source-Projekts aussehen kann und zeigt Firmen, wie sie mehr Einfluss in großen Open-Source-Projekten nehmen.

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