Apachecon Europe 2019: Wohin des Wegs?

In Berlin ging gestern die Apachecon Europe 2019 zu Ende. Das Linux-Magazin sprach unter anderem mit Board-Member Myrle Krantz über tote Projekte und die Zukunftsfähigkeit der Apache-Community.

Nicht nur bei den Keynotes am zweiten Tag der Apachecon Europe stellt sich der Betrachter unwillkürlich die Frage: Wie sieht es eigentlich mit dem Nachwuchs in der Community aus? Die Redner stammten aus den Anfangsjahren, sind nun schon etwas älter und im waren im vollen Nostalgie-Modus. Das ist entschuldbar, feiert die Foundation dieses Jahr doch ihren 20. Geburtstag. Also gab es Geschichten von damals, als der freie Apache-Webserver proprietäre Firmen in Aufruhr versetzte und die Apache-Lizenz vielen Projekten eine neue Freiheit versprach. Tatsächlich fiel auf der Konferenz aber auf, dass der Anteil von jungen Leuten und Frauen recht gering ausfällt. Also fragte das Linux-Magazin Myrle Krantz danach.

Die ehemalige Entwicklerin, die neben Englisch auch sehr gut Deutsch spricht, sitzt seit einem halben Jahr im neunköpfigen Vorstand der Apache Foundation. Das Linux-Magazin traf sie auf der Dachterrasse des Veranstaltungsortes. Was den Frauenanteil angeht, verwies Krantz auf eine Umfrage aus dem Jahr 2016. Laut dieser liegt der Frauenanteil beim Apache-Projekt mit rund 5 Prozent sogar über dem Durchschnitt im Open-Source-Bereich (der sehr gering ist). 1,3 Prozent der Befragten bezeichnen sich damals als “divers”. Laut Krantz seien Open-Source-Entwickler ja generell etwas älter, zudem würden die Entwickler etwas länger brauchen, um zur Apache Foundation zu finden.

Laut der erwähnten Umfrage liegt der Anteil junger Leute (unter 24 Jahren) bei gerade einmal 2,6 Prozent. Der Enthusiasmus junger Leute täte dem Projekt wohl gut, räumte Krantz ein. Das zu ändern, brauche die Apache Foundation aber nicht nur Zeit, sondern auch Informationen darüber, warum es junge Leute, aber auch Frauen, nicht in Erwägung ziehen, sich in einem der vielen Apache-Projekte zu engagieren. Man müsse daher mehr nach Außen schauen und besser zuhören.

Nicht nur Code

Allerdings gibt es durchaus auch Erfolge zu vermelden. Inzwischen würdige die Community laut Krantz nicht mehr nur Code-Beiträge, sondern auch die Arbeit von Nicht-Entwicklern, die Events organisieren, Blogeinträge verfassen, Texte übersetzen und Dokumentation schreiben. Das bestätigte sich auch, als das Linux-Magazin mit Victoria Bondarchuk, Ecaterina Moraru und Jan-Christoph Borchardt sprach. Sie gehören zu einer Initiative namens Open Source Design, die sich auf die Fahnen schreibt, am Design von Open-Source-Programmen zu arbeiten und die Designer-Community zusammen zu bringen.

Die Apache Foundation räumte ihnen einen eigenen Track ein. Die drei Designer bestätigen, mittlerweile eine höhere Wertschätzung in der Open-Source-Community zu erhalten. Zwar gebe es immer noch Diskussionen, aber ihre Expertise und ihr Engagement in der Community würden inzwischen generell mehr anerkannt. Das zeige sich nicht nur an eigenen Tracks auf Konferenzen wie der Fosdem, sondern auch an Verbindungen zu Open-Source-Organisationen.

Sie betreiben zudem eine Webseite zum Thema. Die soll nicht nur eine Anlaufstelle für Open-Source-Designer sein, sondern diese auch mit Open-Source-Projekten zusammenbringen, die nach Designern suchen. Aber im Design-Prozess sei auch noch Luft nach oben: Design müsste eigentlich fester Bestandteil der Programmentwicklung sein. Häufig komme das Thema aber erst auf den Tisch, wenn das Programm bereits im Einsatz sei, was dann mitunter größere Umbauten nach sich ziehe.

Apache und IoT

Eine weitere Erfolgsgeschichte der Apache Foundation sei nach Krantz der IoT-Bereich. Hier hätten sich einige Projekte in letzter Zeit dem “Apache Way” verschrieben. Die Foundation steuere solche Entwicklungen nicht, unterstützt diese Projekte aber natürlich sehr gern. Auch auf die Big-Data-Tools aus dem Apache-Projekt sei man weiterhin sehr stolz. Auch wenn die Änderungen an diesen Projekten inzwischen eher inkrementell ausfallen, kommen sie in vielen Unternehmen und Forschungseinrichtungen nach wie vor zum Einsatz.

Prasanth Kothuri redet über den Einsatz von Apaches Big-Data-Tools am CERN.

Tatsächlich haben sich Tomcat, Hadoop, Spark, HDFS, Kafka, Lucene oder Cassandra in Rechenzentren weltweit etabliert. Vor Ort war mit Thomas Gageik etwa ein Vertreter der Europäischen Kommission. Er erklärte, wie die EU-Kommission Apache-Software nicht nur einsetzt, sondern allmählich vom Nutzer zum Contributer wird. Prasanth Kothuri berichtet, wie CERN mit Hilfe von Spark-Clustern die riesigen Datenmengen bewältigt, welche die Teilchenbeschleuniger erzeugen.

Friedhof der Apache-Projekte

Zuletzt wollte das Linux-Magazin noch wissen, wie das Apache-Projekt eigentlich mit Projekten umgeht, die niemand mehr betreut. Denn wie lässt sich feststellen, welche der vielen Projekte überhaupt noch aktiv sind? Stellt sich heraus: es gibt tatsächlich einen Projekte-Friedhof, ein eigenes Projekt namens Attic. Aber nicht nur das, wie Myrle Krantz erklärt. Tatsächlich will es die Foundation gar nicht erst so weit kommen lassen. Neue Projekte müssen zeigen, dass es mindestens drei Personen gibt, die eine Veröffentlichung neuer Versionen in die Wege leiten können.

Wie aber erfährt die Foundation von Projekten, die niemand mehr aktiv betreut? Im Idealfall melden sich Projekte selbst, tatsächlich geben aber Reports Auskunft darüber. Jedes Projekt muss regelmäßig einen Report an die Foundation schicken. Bleibt dieser aus, kann das ein Indiz dafür sein, dass das Projekt nicht mehr aktiv ist. Dann fragt die Apache Foundation bei den Betreuern nach. Es ist auch möglich, dass ein Projekt als aktiv gilt, das nur noch Sicherheitsupdates erhält. Nicht alle Tode sind dabei für immer: So wurde laut der Attic-Webseite das Projekt XMLBeans 2018 wiederbelebt und ist nun Teil von Apache Poi.

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