Analyse: Gebrauchtgeräte liefern massenhaft private Daten

Sicherheitsexperte Kaspersky hat sich mit den digitalen Hinterlassenschaften der Vorbesitzer auf gebrauchten Geräten befasst. Bei der Analyse von 185 gebrauchten Geräten entdeckten die IT-Sicherheitsexperten bei fast 90 Prozent private Daten aufspüren. Bei rund 16 Prozent gelang der Zugriff direkt, weil die Daten gar nicht gelöscht wurden.

Bei rund 74 Prozent der untersuchten Geräte gelang die Wiederherstellung der Daten durch File Carving. Diese Methode funktioniert, wenn die Daten auf den Speichermedien nicht verlässlich gelöscht wurden, etwa weil bei einer einfachen Formatierung die Daten nicht überschrieben, sondern lediglich die Index-Einträge gelöscht wurden. Die Daten selbst sind damit noch vorhanden und mit geringe Aufwand auffindbar, so die Kaspersky-Experten.

Die Experten hatten beim Datenzugriff überwiegend leichtes Spiel. Quelle: Kaspersky

Bei den aufgefundenen Daten handelte es sich bei 92 Prozent der Funde um private Daten. Es tauchten aber auch Unternehmensdaten auf (6,7 Prozent). Für die Experten ein Alarmsignal, dass auch Firmen ihre gebrauchte Hardware unvorsichtig verkaufen.

Bei den Daten selbst ergab sich eine bunte Mischung. Es fanden sich:

  •              Fotos (auf 97 Speichern), darunter Fotos von Führerscheinen, Personalausweisen, Kreditkarten (Vorder- und Rückseite) und einer relativ professionell wirkenden Cannabis-Aufzucht
  •              Private Videos (auf 29 Speichern)
  •              Pornographische Inhalte
  •              Partybilder mit Alkohol und Drogen
  •              Nacktfotos der Partner
  •              Bankunterlagen
  •              Zugangsdaten zu Onlineplattformen wie Social-Media und Shoppingseiten
  •              Intime Briefkorrespondenzen
  •              Arztbefunde
  •              Kontaktdaten
  •              Gehaltsabrechnungen
  •              Arbeitsverträge
  •              Steuerbescheide und – unterlagen
  •              Rechnungen
  •              WhatsApp-Korrespondenzen

 “Vertrauliche Daten auf Laptops, Tablets oder Smartphones sollten generell immer verschlüsselt gespeichert werden”, betont Marco Preuß, Leiter des Forschungs- und Analyse-Teams Europa bei Kaspersky.

Das BSI gibt Empfehlungen zum Löschen von Daten und warnt vor den Gefahren durch die Weitergabe von Daten an ritte.

185 Speichermedien haben die Experten im Oktober und November 2020 mittels selbst geschriebener Skripte und automatisierten Verfahren analysiert Im einzelnen bestand die Hardware aus 63 Micro-SD-Karten, 29 SD-Karten, 28 internen Festplatten von Laptops, 21 M2-Speicherkarten, 17 externen USB-Laufwerke, 11 CF-Speicherkarten, 6 Speichersticks, 6 Mini-SD-Karten, 2 MMC-Speicherkarten und 2 USB-Sticks. Die Analyse ist online zu finden.

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