Mehrere hundert Meter Warteschlagen im Vorverkauf, Ausverkauf am ersten Veranstaltungstag und Public Viewing: Wer eine Neuauflage der Fußball-WM in Berlin wähnte, lag allerdings falsch: Der Chaos Computer Club hatte zu seinem Jahrestreffen geladen, mehrere tausend Fans waren dem Ruf in das bunt geschmückte BCC am Alexanderplatz gefolgt .
Eigentlich wollte CCC-Chef Frank Rieger die 26. Auflage des Chaos Communication Congress pünktlich beginnen, aber sein Aufzeichnungteam bat ihn um eine kurze Verzögerung, um das Videostreaming an mehrere Dutzend Außenstellen in Betrieb zu nehmen. Das war auch dringend notwendig, denn bereits im Laufe des ersten der vier Veranstaltungstage hatten die Veranstalter nach eigenen Angaben alle Tickets verkauft.
Der Kongress steht in diesem Jahr unter dem Motto “Here be dragons”, einer Inschrift, die sich auf alten Seekarten findet. Rieger sah darin eine Parallele zur Hacker-Community und ihrer “Suche nach Schätzen im Unbekannten”. Bürger würden sich wieder stärker um die Wahrheit hinter den Systemen und Vorgängen interessieren, postulierte der Sprecher und stellte die Forderung nach hoher Priorität freier Kommunikation und Transparenz auf. “Geschäftsgeheimnisse können kein Grund sein, Abläufe zu verbergen”, spielte er auf das Beharren von Wahlmaschinen-Anbietern, ihre Protokolle und ihren Code nicht offenzulegen.
Entsprechend diesem Credo widmen sich die Mehrheit der 83 Beiträge auch gesellschaftlichen und politischen Themen vom Zugangserschwerungsgesetz, über den Hackerparagrafen bis hin zur Netzneutralität. Rund ein Drittel der Vorträge widmet sich unter der Überschrift “Hacking” konkreten technischen Fragen vornehmlich um die Netz- und Systemsicherheit. Das Programm gibt es auf den Webseiten des CCC oder alternativ sogar als Android-App.
Neben der Kongressveranstaltung ist der 26C3 aber auch ein großes Admin- und Anwendertreffen aus ganz Deutschland und darüber hinaus. Besonders die regionalen Ortsgruppen haben sich im Keller des Gebäudes an langen Tischen mit fliegender Verkabelung getroffen. Parallel dazu finden Lötkurse, Bastel-Workshops, Ausstellungen zu Licht-Steuerungen und Vorführungen mit selbstgebauten Robotern, 3D-Druckern und Miniatur-Hubschraubern statt. Die Veranstaltung läuft noch bis zum 30. Dezember.



