Es war einmal eine Zeit, da lieferte der Hardwarehersteller seinen Kunden schwere Kisten auf Paletten. Und der Admin eines Dienstleisters reiste an, um sie auszupacken und ihren Inhalt zu großen Servern zusammenzubauen. Dann spielte er ein Betriebssystem, Datenbanken und Applikationen auf, schloss den Storage an, verband alles mit dem Netzwerk, richtete das Monitoring ein und übergab nach einigen Tagen ein lauffähiges System. Fortan hielt er sich in Bereitschaft um im laufenden Betrieb Fehler auszubügeln, Updates oder Patches einzuspielen oder die Hardware physisch zu erweitern, wenn sie an ihre Grenzen gelangte. Oft genug stand diese Arbeit nachts oder am Wochenende an.
Heute klickt der Admin ein paar Mal und all das geschieht automatisch und ohne Unterbrechung zu jeder Zeit. Denn die Server sind nur noch virtuelle Server oder Container, alles was einst verkabelt werden musste, ist heute Code, und wo ein Reboot nötig ist, übernehmen aus dem Nichts erzeugte Stellvertreter temporär die Arbeit.
Diese Zukunft hat bereits begonnen. Besichtigen konnte man sie im Oktober 2018 beispielsweise auf dem Cloud Foundry Summit in Basel. Und sie kann noch mehr: Sie nimmt nicht nur dem klassischen Admin fast alle seine Aufgaben ab, sie entlastet auch den Entwickler: der kann nun aus einer breiten Palette von Sprachen oder Versionskontrollsystemen wählen ohne sich Gedanken über die Abhängigkeiten von einzelnen Komponenten oder das Deployment machen zu müssen. Er kann sich ganz auf das Problem konzentrieren, das er zu lösen hat und später verwandelt sich sein Code automatisch in einen Container und der wird auf ein einziges Kommando hin ausgerollt und in ein Leben entlassen, indem niemals mehr ein menschlicher Bediener Hand an ihn legt.
Das ist noch lange nicht überall so. Aber es ist nicht mehr aufzuhalten. Denn es hat enorme wirtschaftliche Vorteile. Brauchte man früher einen Operator auf 20, 30, vielleicht 50 Entwickler, kommt man bei Cloud Foundry mit einen Operator pro 500 Entwickler aus. Und braucht im besten Fall auf Jahre hinaus keinerlei Downtime. Schließlich gewinnt der Cloud-Foundry-Anwender außerdem an Geschwindigkeit und Flexibilität. Ein enormes Plus etwa im Vergleich zum alten Konkurrenten Mainframe, der mit seiner Trägheit Innovationen im Wege steht.
Doch kein Licht ohne Schatten. Der kistenschiebende Admin kramte einst einen Terminator aus der Hosentasche, zog ein Kabel und teilte den SCSI-Bus zur Fehlersuche in zwei Hälften oder er schrieb sich schnell ein Skript fürs Debugging. Der Wolkenzauberer von heute ist von einem Cloud Provider abhängig. Was bei dem schiefgeht, macht ihn vollkommen hilflos. Ihm fehlen nicht nur die Mittel, sondern auch das Know-how, um das zu kompensieren.

Nur dumm, dass all diese Cloud Sachen irgendeinmal auf Hardware laufen, und dass dieses Hardware mit Kabeln verbunden ist…
So, braucht man noch dieses Typ, der wusste, welche Stecker man rausziehen muss!
Liebe Grüsse von Serverraum!
Schon recht, aber mindestens drei Dinge haben sich desungeachtet drastisch verändert: 1.) Das Verhältnis der Anzahl Admins zur Anzahl Server. Wo früher ein paar Server auf einen Admin kamen, sind es heute Hunderte. 2.) Der Grad der Automation. Was früher manuell getippt werden musste, spulen heute eingebaute Automationslösungen oder Dinge wie Puppet, Ansible, Saltstack, oder Chef automatisch ab (nachdem ihnen das ein Admin einmal vorgemacht hat). 3.) Die Virtualisierung. In einem SDN gibt es auf der Hardwareebene noch immer Kabel, aber operiert wird größtenteils auf den Softwarelayern darüber.