Von Rückholern und Rabatten

In der Vorweihnachtszeit ist es wieder ganz besonders schlimm: Sonderangebote, Schnäppchen und Rabatte wohin man schaut. Beliebter Sport im Netz, der insbesondere im Dezember die Höchstform abverlangt, ist das Jagen nach so genannten “Rückholangeboten”, kurz “Rückholern” genannt – ganz gleich ob fürs Pay-TV, den Handyvertrag oder den Internetzugang. Dabei kündigen Kunden, die eigentlich zufrieden mit ihrem Anbieter sind, das bestehende Vertragsverhältnis, um bessere Konditionen zu bekommen.

Was sich zunächst nach übertriebenem Geschacher und Knausrigkeit par excellence anhört, ist in Wirklichkeit ein recht lohnendes Geschäft – oft sogar für beide Seiten. Der Anbieter behält seinen Kunden, der wiederum bekommt einen vernünftigen Preis. Nichtsdestotrotz hat die Sache einen Haken: Sie kostet viele Nerven, Durchhaltevermögen, Verhandlungsgeschick und vor allem Zeit. Zeit, die gerade vor Weihnachten eigentlich für ganz andere Dinge wichtig ist.

Dabei sind die Probleme primär hausgemacht. Mir selbst erging es vor knapp zwei Jahren beim Verlängern eines Vertrags so, dass die Angebote für Neukunden wesentlich besser waren als das, was mein Anbieter mir als treuem Kunden unterbreitet hat: niedrigere Grundgebühren, mehr Inklusivleistung, und Hardware obendrauf – als treuer Kunde schaute ich da nicht nur in die Röhre, sondern kam mir zurecht auch ziemlich verschaukelt vor. Eine vorsichtig-freundliche Kontaktaufnahme mit dem Kundenservice brachte nur die lapidare Antwort, es gebe doch auch gute Angebote für Vertragsverlängerer wie mich, was aus meiner Sicht eine sehr gewagte These war. Anders ausgedrückt, der Begriff “gutes Angebot” scheint äußerst dehnbar geworden zu sein. Nach der Drohung, den Vertrag dann schlichtweg zu kündigen, ging es auf einmal ganz schnell, und ich erhielt dieselben Konditionen wie ein Neukunde, mit allen Vergünstigungen.

Dabei bin ich niemand, der um jeden Cent feilscht. Gute Leistung hat ihren Preis, und letzten Endes kostet auch meine Arbeitszeit, die ich in die besseren Konditionen investiere, theoretisch wiederum Geld oder nimmt mir wertvolle Freizeit. Wenn aber die Diskrepanz zwischen Neukundenangebot und Verlängerungsangebot so massiv ist, dass ich trotz Zufriedenheit mit dem Anbieter ernsthaft eine Kündigung erwäge, dann liegt etwas im Argen.

Doch muss das wirklich sein? Ich bin beileibe kein Betriebswirt, der das Ganze wirtschaftlich analysieren könnte, aber wenn man sich für bestimmte Dienstleistungen im Freundeskreis umhört, kommt schnell die Erkenntnis, dass selbst vermeintliche Luxusgüter wie schnelles mobiles Internet oder Pay-TV durchaus auf Akzeptanz stoßen, wenn nur der Preis stimmt. Lohnt es sich für die Anbieter wirklich, auf das Verhandlungs(un)geschick der Kunden zu setzen, um möglichst viele von ihnen in hochpreisigen Verträgen zu halten? Wäre es nicht viel sinnvoller, gleich passable Preise zu machen und dann über die Masse die entsprechende Summe einzunehmen?

Wirtschaftlich gesehen ist das Vorgehen der Anbieter natürlich legitim, und Gewinnsteigerung ist alles andere als verboten – einen faden Nachgeschmack hinterlassen diese Praktiken dennoch, insbesondere wenn sie mit unverständlichen Sondertarifen und viel Kleingedrucktem einhergehen. Und so wird auch für mich bald wieder das ewig nervige Verhandeln von vorne beginnen, um auch in 2014 nicht deutlich schlechter gestellt zu sein als der Neukunde.

In diesem Sinne: Fröhliches Feilschen!

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