Gestern kam eine Einladung zu einer virtuellen Pressekonferenz von Citrix, seit August 2007 Eigentümer des Virtualisierungsanbieters XenSource. Leider hat der Open-Source-Geist von Xen bei Citrix nicht wirklich an Einfluss gewonnen — der Zugang zum Webinar blieb für Anwender mit Linux-Plattform geschlossen.
Als ich mich anmelden wollte, staunte ich über die Zugangsvoraussetzungen: Microsoft Windows 2000 oder höher sollte das schon sein, allenfalls Mac OS X stand noch auf der Liste. Ein Anruf in der Presseabteilung brachte auch nicht wirklich Abhilfe – aber wen wundert’s: Mitgastgeber der Veranstaltung war Microsoft. Da war doch was? In der Meldung seinerzeit verkündete Citrix pflichtschuldig, dass sich das Unternehmen weiterhin der “Windows-Plattform verpflichtet” fühle. Also, wie kann ich mich da beschweren! Dennoch fällt mir dabei wieder ein, dass Microsoft an anderer Stelle immer wieder verkündet, an Interoperabilität interessiert zu sein. Abkommen zu Zusammenarbeit und Absichtserklärungen gibt es hierzu mittlerweile reichlich, ob es dabei um Dokumentenstandards wie ODF und OOXML geht oder um Virtualisierung.
Schon klar, ist ein großer Laden. Und Citrix hat von Interoperabilität vielleicht noch nicht so viel mitbekommen, oder das ist eh eine ganz andere Abteilung, die dafür zuständig ist. Der Weg zu Plattformunabhängigkeit ist noch weit, scheint mir. Könnt ich natürlich jetzt einfach abhaken und von der Berichterstattung streichen. Allerdings sind die Virtualisierungslösungen von Xen sind nun mal auch für die Linux- und Open-Source-Berichterstattung interessant, ignorieren ist da nicht so einfach.
In Bayern gibt’s den Spruch: “Mir san die mehran, mir san die schweran” – frei übersetzt: “Weil wir mehr sind, haben wir auch mehr Gewicht. Richtet Euch gefälligst danach.” Merkwürdig, wenn ich die einzige wäre, der solche Unstimmigkeiten bei der Vergabe von Informationen auffällt. Wenn sich noch zwei, drei Journalisten darüber beschweren, dass der Zugang zu Informationen über das Betriebssystem geregelt wird, würden diese Unternehmen auch etwas schneller in Bewegung kommen. Aber warum sollten die das tun? Zum einen liegt vielen die Windows-Zielgruppe aus jahrzehntelanger Übung näher, zum zweiten ist es doch gleich viel exklusiver, wenn nicht jede(r) an die Informationen kommt.

