Verlängerung -- Update auf Kubuntu 9.04

Ich bin ein zufriedener Kubuntu-Anwender, habe aber keine Lust (und vor allem keine Zeit), regelmäßig die Ausgabe zu aktualisieren. Klar, Security-Updates gibt’s regelmäßig, aber ein ganzes Release, bei dem man sich auch noch putzige neue Tiernamen merken muss? Trotz allem war mein täglich und intensiv genutztes Kubuntu 8.04 LTS etwas in die Jahre gekommen: Ich hatte wohl irgendwas im von mir geliebten Konqueror verspielt, so dass zuletzt Webseiten mit Flash-Inhalten eine 30-sekündige Zwangspause einlegten, bevor es nach einem Nspluginviewer-Absturz dann weiterging. Außerdem war ich gespannt auf eine nach Kollegenaussagen “endlich benutzbare KDE-4-Version” und wollte meine etwas händisch gebastelte UMTS-Einwahl mit “umtsmon” durch eine richtige Lösung mit dem Networkmanager ersetzen.

Einfach macht Kubuntu es dem Umsteigewilligen ja, nach dem täglichen Security-Update gibt’s die Meldung, dass ein neues Release ansteht. Normalerweise stehe ich so einer Aufrüstung ja eher skeptisch gegenüber. Gar nicht einmal, weilich der Expertise der Maintainer misstraue, mehr weil ich denke, dass so ein Upgrade in Details nur schwer gelingen kann, da ich gerne an der einen oder anderen Schraube drehe. Und so etwas ist eben nicht wirklich vorgesehen.

Dabei ärgert mich besonders, dass es sehr schwierig ist, Einstellungen des Desktops, bei mir also KDE, aus einer laufenden Konfiguration zu extrahieren. Nein, einfach die “.kde*”-Unterverzeichnisse zu kopieren, kommt für mich nicht in Frage. Da sind viel zu viele Daten (etwa meine ganzen Kontact-Mailboxen), diverse Caches (wohl hauptsächlich vom Konqueror) und, am schlimmsten, Defaulteinstellungen der damaligen KDE-Installation, die heute vielleicht anders lauten. Ich will aber ein KDE, wie es die KDE-Entwickler in der aktuellen Version vorgegeben haben, plus die Einstellungen, die ich willentlich getan habe. Leider gibt’s das noch nicht.

Dennoch kann es ja nicht schaden, mal den Versuch zu wagen, dachte ich mir und klickte etwas bange auf den Upgrade-Knopf: Kein Speicher frei. Der Updater verlangte erst einmal zwei Gigabyte freien Platz auf meiner Systempartition, die nicht mehr da waren. Von den 7,5 GByte der Partition belegten vor einem Jahr gut 3,0 GByte die Initialinstallation der Version 8.04 LTS, gut das Gleiche kam offenbar im Laufe des vergangenen Jahres durch nachinstallierte Software dazu. Nachdem ich einige der etwas esoterischeren Sprachen unseres letztjährigen Sprachenwettbewerbs wieder deinstalliert hatte, ging es los. Nach gut eineinhalb Stunden, in denen es nur noch acht Minuten dauern sollte, dauerte es dann wirklich nur noch acht Minuten. Nach einem Neustart waren in Grub die meisten der diversen akkumulierten alten Kernel entfernt und 9.04 bootete problemlos. Das Kubuntu-Logo ist jetzt kleiner: Ist das gewollt oder fehlt da eine Option für den Framebuffer, um die Anzeige bildschirmfüllend zu skalieren?

Nach normal langer Bootzeit (vermutlich muss ich mal einige der aktivierten Skripte entsorgen, die auf “/etc/init.d” zeigen und die sich über die Monate angesammelt haben) war vor einem schwarzen Bildschirm Schluss: Zum Glück gab es noch etwas weiße Schrift und einen übriggebliebener Logeintrag dazu: “kdm4 not startet: It’s not your default”. Hm, ich dachte, das wäre einer der Haupteffekte eines Upgrades?!

Wie dem auch sei, ein Login auf der virtuellen Konsole und ein “startx” brachten mich jedoch wieder in vertrautes Terrain. Anfangs war alles furchtbar langsam, denn Kubuntu hatte das volle Programm an Eyecandy aktiviert. 3D-Blätterfunktionen, soft abgetunte Fensterränder und ambiente Schlagschatten in Loungestil sind zwar hübsch anzusehen, aber vielleicht nicht kompatibel mit meinem 945er-Onboard-Chipsatz meines Lenovo Thinkpad X60s. Vermutlich liegt das allerdings auch eher daran, dass ich mich nie um irgendwelche Chipset-Spezial-X-Server kümmere außer denen, die eine Distribution mitbringt: 90 Prozent meiner Zeit lese ich E-Mail, arbeite mit meinem Editor und surfe im Web. Dazu brauche ich kein OpenGL, rede ich mir bislang ein.

Irgendwann zeigte Kunbuntu ein Pop-Up an und mutmaßte, dass die ganze Desktop-Aufhübschung wohl zu langsam für meinen Rechner sei. Beglückt von so viel Selbsterkenntnis wollte ich gerne mehr erfahren, doch — Schwupps! — war das Fenster schon wieder auf und davon. In der Zwischenzeit habe ich einzelne 3D-Effekte im Kontrollzentrum wieder deaktiviert, aber so flott wie vorher ist der Desktop noch nicht wieder.

Darüber hinaus hat das Upgrade gut geklappt, gerade bei Einstellungen, die ich für problematisch hielt. Kontact kennt weiterhin meine Postfächer und vor allem meine diversen individuellen Shortcuts, die mich den MUA weitgehend mauslos bedienen lassen. Ansonsten komme ich bei ein paar Dutzend Mails pro Tag nicht voran. Ein paar neue Ansichten in Kmail sind ungewohnt, aber ich wollte ja etwas Neues.

Der Networkmanager ist jetzt wohl ein Plasmoid, wenn ich das richtig verstanden habe. Er kennt neuerdings auch “Broadband Wireless”-Geräte. So richtig einfach war die Einrichtung jedoch nicht. Bei der Schwesterdistribution Ubuntu eines Kollegen hat der dortige Gnome-Networkmanager nach der Auswahl meines Providers meinen HSDPA-fähigen USB-Stick richtig konfiguriert und unmittelbar danach das Internet angefunkt. Hier werde ich aus einem Papierstapel nun wieder Angaben zu APN, Username und Passwort, obwohl ich mich entsinne, dass das alles Defaults sind, da sich der UMTS-Stick ohnehin über die SIM-Karte authentifiziert.

Alles in allem hat das Upgrade leidlich geklappt, dennoch werde ich wohl zusätzlich nochmal einen Neuanfang wagen und alternativ die komplette Distribution von CD installieren. Dann gibt’s vielleicht noch einen zweiten Erfahrungsbericht.

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