Transparenz beweist Mut

Der Strategiewechsel von Nokia hin zu Windows Phone hinterlässt bei den Qt-Leuten Unsicherheit. Bei manchem Beobachter lässt die Uninformiertheit der Qt-Mitarbeiter hinsichtlich der eigenen Zukunft vielleicht ebenfalls Unbehagen zurück. Mit Recht: Wer bleibt schon gern im Ungewissen, wenn Investitionsfragen anstehen, sei es hinsichtlich unternehmerischer oder persönlicher Ressourcen. Manche ärgern sich vielleicht sogar über die aufgeregte Zukunftsdebatte und denken: “Warum haben sie nicht geschwiegen? Das wäre besser, als Zweifel zu säen und Unruhe zu stiften.”

Kommunikationsverweigerung hinterließe jedoch einen noch schlechteren Eindruck.

Unternehmensleitungen wollen natürlich möglichst gar keinen schlechten Eindruck hinterlassen. Im Falle Nokia wäre es nun möglich, dass das Management den Sprechern vor oder hinter den Kulissen eins auf den Mund gibt. Die Führenden hätten dann in einem recht: Die Qtler kommunizieren – ob bewusst oder unbewusst – die eigene Unsicherheit nach außen. Das ist prinzipiell nicht besonders wünschenswert. Es entsteht der Eindruck, die Nokia-Leitung habe den eigenen Laden nicht im Griff.

In einem anderen Punkt hätten die Chefs jedoch Unrecht. Die Mitarbeiter waren anscheinend nicht ausreichend informiert. Was hätten sie tun sollen? Schweigen? Das erzählen, was sie selbst wissen? Versprechen, um Aufklärung nachzufragen?

Die erste Option ist die schlechteste Wahl, wenn den Mitarbeitern – im Falle von Qt – die Community mit Wut, Sorge und Nachfragen zusetzt. Die zweite Option hatten sie gewählt. Sie ist in der Tat der dritten vorzuziehen: Die dritte Option fiele viel negativer auf das Unternehmen zurück als die zweite. Denn wer in aller Öffentlichkeit Rechenschaft fordert, stellt sich auf die Seite der Öffentlichkeit und sprengt den internen Zusammenhalt. Das wäre illoyal.

Für ein Unternehmen wäre das schlimmer – und zwar sowohl in der Außen- als auch in der Innenwirkung – als wenn die Mitarbeiter in Zeiten des Umbruchs auch nach außen zugeben (dürfen), dass sie im Moment nicht so recht Bescheid wissen und nur auf das verweisen können, was die Oberen an verschiedenen Orten sagten.

Nehmen wir also mal an, Nokias Qt-Mitarbeiter dürfen tatsächlich relativ frei ihre Einschätzung kommunizieren. Dazu gehört dann auch das Eingeständnis, dass sie es nicht mit Sicherheit wissen. Das ist für die Qt-Community nicht besonders toll. Aber so wirkt es wenigstens transparent.

Wäre es also besser, wenn die Qt-Mitarbeiter ihre Unsicherheit durch Schweigen für sich behalten hätten? Ich finde nein. Denn die zwei wesentlichen Alternativen, die mir einfallen, sind ungünstiger.

Am besten für Nokia wäre natürlich, jeder wäre ausreichend informiert gewesen. Das geht bei strategischen Entscheidungen von börsennotierten Konzernen leider nicht immer. Aber: Dann sollte ein Unternehmen auch zu den verunsicherten Mitarbeitern stehen – es ist ja nun mal, wie es ist.

Transparenz als Unternehmenskultur beweist Mut, weil man seine Schwächen nicht versteckt, sondern sich ihnen stellt. Wer das überlebt, erstarkt.

Nach oben