Totes Kapital

Der Fall, der Ende letzter Woche durch die Meldzungen geisterte, ist pure Tragikomik: Der Gründer der kanadischen Kryptobörse QuadrigaCX, Gerald Cotton, soll im Alter von nur 30 Jahren überraschend in Indien verstorben sein. Dummerweise war er der Einzige, der das Passwort kannte, das den Zugriff auf die digitale Brieftasche der Börse ermöglicht. Nun kann niemand mehr die 190 Millionen US-Dollar auszahlen, die die Börse ihren Kunden schuldet. Die sind nun totes Kapital im Wortsinn.

Die Witwe soll zwar einen Laptop ihres Gatten besitzen, aber nicht das entscheidende Passwort, das sich weder knacken noch erraten lässt. Zwar ist nicht zweifelsfrei sicher, ob die Story wirklich wasserfest ist: Angeblich soll man in Indien nur den Tod eines Kanadiers bestätigt haben, und Zweifler geben zu bedenken, dass das nicht Cotton gewesen sein muss. Auch hatte die Börse wohl schon länger Ärger wegen unkorrekter Zahlungen. Aber Zweierlei lässt sich auf jeden Fall aus dem Vorfall lernen: Erstens: Ein gutes Passwort ist sicher, selbst für fast 200 Millionen Dollar lässt es sich nicht knacken. Zweitens: Neben dem hohen Kursrisiko namentlich bei Bitcoin, lauern da noch ganz andere Gefahren. Ein überängstlicher Manager, der sich nicht traut, sein Passwort irgendwo schriftlich zu hinterlegen, reicht für einen Totalverlust.

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