Als Frau in einem überwiegend technischen Umfeld gehöre ich zu einer Minderheit, benachteiligt fühle ich persönlich mich deshalb nicht. Gelegentlich zwiespältig sind meine Gefühle wenn ein Wahlverfahren für “Quotenfrauen”, Frauenbeauftragte oder der “Tag der Frau” ausgerufen wird. Häufiger werde ich jedoch daran erinnert, dass ich mein persönliches Empfinden einer Kombination aus der Vorarbeit anderer verdanke und den glücklichen Umständen, unter denen ich lebe. Und ich muss gar nicht bis Afghanistan oder Afrika schauen, um Frauen zu sehen, denen es anders geht – der Blick zu unserem Schwestermagazin in den USA reicht.
In ihrem ROSE-Blog hat die Kollegin Rikki Kite eine Interview-Reihe mit Frauen gestartet, die im Open-Source-Umfeld aktiv sind, und das Thema interessiert auch andere wie die Gnome-Chefin Stormy Peters oder den Linux-Magazine-Autor Bruce Byfield. Wer nun denkt, dass so viel Interesse gar nicht nötig sei – die aggressiven Reaktionen, die diese Artikel teilweise hervorrufen, belegen das Gegenteil.
In US-amerikanischen Foren und auch bei den Beiträgen unseres englischsprachigen Schwestermagazins macht sich ein Ton breit, der über das normale Maß selbst bei heftigen Flame Wars gelegentlich weit hinaus geht. Beleidigungen, Beschimpfungen, bis hin zu Morddrohungen reicht das Spektrum einzelner Betonköpfe. Das Traurige: Weil sich die Aggressoren im Netz verstecken, ständig wechselnde IPs nutzen, und sich nicht so ohne weiteres von den Kommentaren ausschließen lassen, muss die Redaktion die Kommentarfunktion immer öfter abschalten. Die einzige Alternative – Beiträge manuell zu moderieren – greift nicht mehr, wenn der gleiche böswillige Schreiber scheinbar rund um die Uhr Zeit hat und die gleichen bösartigen Kommentare immer wieder hochstellt, ganz gleich, wie oft sie gelöscht werden. Die ansonsten spannenden und eigentlich notwendigen Diskussionsmöglichkeiten im Internet bekommen einen Zwangsmaulkorb.
Gerade die Anonymität des Internets scheint die Hemmschwellen mancher Zeitgenossen zu senken, und das Internet als Multiplikator ist wieder einmal Fluch und Segen zugleich. Ich wünsche mir, dass diese Diskussionen in der wahren Welt fortgesetzt werden statt eingeschüchtert zu verstummen.

