Mitte Dezember hatte das Debian-Projekt bekannt gegeben, mit der kommenden Debian-Version 6.0, Codename “Squeeze”, einen nach den Debian-Richtlinien für Freie Software vollständig freien Linux-Kernel liefern werde. Das bedeutet, dass der Debian-Kernel ab Squeeze keine unfreie Firmware mehr enthält. Alexander Reichle-Schmehl vom Debian-Pressetam hat der Redaktion ein paar Details beschrieben:
“Wir haben aus dem Linux- (und auch aus dem FreeBSD-)Kernel eben jene Firmware-Dateien herausoperiert, die beim Laden des Treibers an das entsprechende Gerät geschickt werden, um dort dann aktiv zu werden. Obwohl es sich hierbei eigentlich um Programme handelt, liegt leider selten der Quellcode vor, mit all den negativen Konsequenzen für Freiheit und Support. (Wusstest du beispielsweise, dass es einige Wissenschaftler schon geschafft haben, die Firmware einer Netzwerk-Karte so zu manipulieren, dass sie von einer anderen Maschine aus den gesamten Netzwerk-Verkehr mitlesen konnte? Details müsste ich raus suchen, aber ein nettes Beispiel, dass die Problematik etwas besser verdeutlicht. Ganz nett hat es vor kurzem auch ein Fedora-Entwickler kommentiert.)
Diese Firmware-Dateien haben wir aus den Kernel entfernt und in den non-free-Zweig verschoben: Wer sie nicht will, bekommt sie also nicht aufgezwungen, aber wer sie braucht, für den sind die immer noch verfügbar. Zumindest unter Linux müssen also die Firmware-Dateien nicht in den Treiber hinein kompiliert, sondern können auch erst zur Laufzeit nachgeladen werden.
Leider war dies bei unseren letzten beiden Releases noch nicht vollständig möglich, da teilweise die Firmware-Dateien nicht dynamisch nachgeladen werden konnten, sondern in den Treiber einkompiliert sein mussten. Wir mussten also in den sauren Apfel beißen, und mit einem nicht vollständig freiem Kernel releasen.
Durch die Arbeit unseres Kernel-Teams und enger Zusammenarbeit mit diversen Linux-Entwicklern ist es aber nun so weit, dass wir tatsächlich mit Debian 6.0 “Squeeze” alle nicht-freien Firmwares aus dem Kernel auslagern konnten.
Unsererseits musste dann nur noch der Debian-Installer angepasst werden, um bei Bedarf ebenfalls nicht-freie Firmware Dateien einzubinden.”
Update: Alexander Reichle-Schmehl hat in seinem eigenen Blog zu einigen “Mythen” Stellung nenommen, die den freien Debian-Kernel betreffen.
Tolimars Blog: Myths and Facts about Firmwares and their non-removal from Debian

