Es gibt Wissenschaftler, die behaupten, die ersten Bauern haben sich ins Knie geschossen. Denn ihre Sesshaftwerdung im Zuge der neolithischen Revolution brachte ihnen neue Abhängigkeiten von Wetter und Boden sowie mehr Arbeit auf dem Feld und im Stall und gar keine handfesten Vorteile. Tatsache aber ist, die Wandlung der Wildbeuter in Bauern erlaubte erstmals eine Produktivitätssteigerung, damit Überschussproduktion, damit Arbeitsteilung, damit Handel. Und seit der Zeit des Codex Hammurapi, einer babylonischen Gesetzessammlung aus dem 18. Jahthundert vor Christus, ist auch klar, dass dem Produzenten ein faires Entgeld für sein Produkt zusteht und dessen bloße Wegnahme Diebstahl ist, der unter Strafe stehen muss.
Im Prinzip gilt das immer noch und zwar nicht nur für Korn und Eier, sondern inzwischen auch für immaterielle Güter. Denn auch Nachrichten zum Beispiel müssen recherchiert, formuliert und veröffentlicht werden und die spezialisierten Jetztmenschen, die sich darum kümmern, brauchen ein Einkommen, um sich Korn und Eier kaufen zu können. Im Prinzip ist es das, was der Burda-Vorstand Philipp Welte, zugleich Vize-Chef des Zeitschriftenverlegerverbandes VDZ, sagt: “Journalistische Inhalte [müssen] auch im Internet marktwirtschaftlich finanzierbar bleiben.”
Sie müssen aber nicht nur marktwirtschaftlich finanzierbar bleiben, weil sonst niemand mehr Nachrichten und Reportagen, Berichte und Interviews produzieren kann, sondern weil daran die Existenz einer unabhängigen, freien Presse hängt, die Existenz eines Eckpfeilers der Demokratie, einer Staatsform, die seit den urkommunistischen Jungssteinzeitlern noch niemand durch etwas Besseres ersetzt hat.
Dafür hat das europäische Parlament nun mit der Reform des Urheberrechts gestimmt. Und jeder, der diesen Schritt als “Partikularinteressen einiger weniger Fortschrittsverweigerer” diffamiert, wie der Vorsitzender des Startup-Verbandes, Florian Nöll, weil er ihm die kostenlose Ausbeutung fremder Arbeit erschwert, sollte es noch einmal mit Nachdenken versuchen. Wer aus kurzsichtigen Beweggründen der freien Presse die Lebensgrundlage entziehen will, der schießt sich ziemlich sicher ins Knie.

Fakt ist doch, dass die Verlage mehr von den Suchmaschinen profitieren (weil dadurch Traffic auf die Seiten geleitet wird, was die Views und damit die Werbeeinnahmen erhöht), als die Suchmaschinen von den Textschnippseln (welche bei den Tageszeitungen eh meist direkt von der DPA) kopiert sind. Was würden die Suchmaschinen verlieren, wenn sie die Verlage einfach nicht mehr in den Suchindex aufnehmen würden? Nichts! Die User würden trotzdem weiterhin die Suchmaschinen benutzen (weil es keine Alternative gibt), und dort für sprudelnde Werbeeinnahmen sorgen. Umgekehrt würde der Traffic auf den Verlagswebseiten extrem stark zurückgehen, weil diese nur noch von ihren Stammlesern besucht… Mehr »
Herzlichen Dank für Ihre Meinung, die ich sehr respektiere, aber nicht teile. Gerne gehe ich auf ihre Argumente ein: – Da ist die unzutreffende Behauptung, Zeitungen kopierten ja eh nur die Agenturen. Besuchen Sie die Internetpräsenz einer überregionalen Tageszeitung, sagen wir, weil ich in Bayern lebe, die der Süddeutschen Zeitung. Auf der Startseite findet sich unter den gut platzierten Beiträgen nicht in einem einzigen Fall schlicht kopiertes DPA-Material, dafür ausschließlich namentlich gekennzeichnete Beiträge von SZ-Redakteuren und Korrespondenten. Aber selbst wenn Agenturmeldungen darunter wären: Es sind die Tageszeitungen (und weitere Medien), die die Agenturen bezahlen. Warum sollten sich fremde Marktteilnehmer umsonst… Mehr »
Ausgerechnet vom Linux-Magazin … wo 90% der Inhalte von irgendwoher kopiert sind, von HackerNews, anderen Newssites oder PR-Meldungen. Und die Aquisitionsrate von Google liegt dabei erfahrungsgemäß über 80%. Dafür haben wir jetzt Uploadfilter. Pfui sag ich da nur.
Im Linux-Magazin selbst ist kein einziger Beitrag irgendwoher kopiert und auch auf den Nachrichtenseiten und in den Online-Nachrichten, die keine IT-Redaktion, erst recht nicht in unserer Größe, völlig autark gestalten kann, verwenden wir nicht einfach Cut & Paste, sondern vergleichen verschiedene Quellen, fragen gelegentlich nach, wählen aus, formulieren eigenständig um und so weiter. Wenn das Magazin ein weltumspannendes Korrespondentennetz finanzieren wollte, um sich wirklich niemals auf Dritte beziehen zu müssen, wäre das Heft unbezahlbar teuer. Wir setzen deshalb an dieser Stelle nicht auf utopische, kompromisslose Autarkie und bieten dafür nach meiner Überzeugung einen nützlichen und bezahlbaren Service. Wer sich darüber… Mehr »
So wie etwa “Neue Infrastrukturlösung von Dell”. Ganz eigenständig an einer Pressemeldung entlang formuliert? Hut ab.
Was bitte wäre daran zu kritisieren? Es ist der legitime Zweck einer solchen Pressemeldung, die Öffentlichkeit über ein neues Produkt zu informieren. Wir prüfen, ob das Produkt für unsere Zielgruppe , interessant und nützlich ist. Wenn wir das bejahen, Streichen wir das meist enthaltene Eigenlob, kürzen auf das Wesentliche, formulieren gegebenenfalls nach unseren Vorstellungen neu – das alles haben wir auch in diesem Fall getan – und veröffentlichen die Information. Details zu einem neuen Produkt kann nur der Hersteller kennen – wo also sollten sie sonst herkommen? Dass eine Nachricht hin und wieder auf einer Pressemeldung fußt, ist normale, übliche,… Mehr »
Ehrlich gesagt wundere ich mich ein bisschen, dass Sie sich hier soweit aus dem Fenster lehnen und immer noch an Ihrer Qualitätsjournalismusfantasie festhalten. Schon der erste Satz ist 1:1 aus der Pressemeldung kopiert: “Dell EMC bringt mit der Dell EMC PowerEdge MX eine neue, modulare IT-Infrastrukturlösung auf den Mark, die ein breites Spektrum herkömmlicher und neuartiger Workloads abdeckt.”, siehe https://www.openpr.de/news/1018110/Dell-EMC-PowerEdge-MX-treibt-mit-agiler-modularer-Infrastruktur-die-IT-Transformation-voran.html
Den Rest der Meldung noch zu vergleichen, schenke ich mir mal, da habe ich wirklich besseres zu tun.
Sie können offenbar nicht lesen, sonst hätten Sie ja bemerkt, dass wir aus den ersten beiden Sätzen der Pressemeldung einen Satz gemacht und dabei z.B. den Superlativ “hochleistungsfähig” gestrichen haben. Es kommt aber gar nicht darauf an, wie viele Worte wir gestrichen oder umformuliert haben: Dell bringt ein neues Produkt auf den Markt, dass für unsere Leser interessant sein kann. Zu diesem Zeitpunkt hat nur der Hersteller Informationen darüber. Also greifen wir diese Informationen auf und berichten darüber. Diese Praxis steht in keinerlei Widerspruch zu gutem Journalismus, sondern ist im Gegenteil das allgemein übliche Verfahren, zu dem es keine vernünftige… Mehr »
Es kann sich ja jeder nun anhand der Pressemeldung und Ihrer News ein Bild machen und eine Meinung bilden, wie groß nun die “Schöpfungshöhe” ihrer Leistung ist…
So oder so ändert das nichts daran, dass diese Webseite ein Vehikel ist, um Google zu füttern und damit möglichst viele Leser anzuziehen. Geschätzt sind das 70 bis 80 Prozent. Angesichts dieser Tatsache und Ihrer Leistung gibt es da nun wirklich keinen Grund ein Loblied auf das Leistungsschutzrecht anzustimmen.
Seien Sie froh, wenn jemand auf Ihre Website verlinkt, um dann in den Genuss von (nicht fehlerfrei) umgeschriebenen Pressemeldungen zu kommen.
Von “Schöpfungshöhe” beim Verarbeiten einer Pressemeldung habe ich nie geredet und ich habe auch nie behauptet, dass das eine große Kunst ist. Aber das Linux-Magazin hat es nun fast ein Vierteljahrhundert geschafft, Leser zu finden, die unsere Arbeit gerne honorieren. Dabei produzieren wir Monat für Monat knapp 100 Seiten originären Inhalt, Beiträge die von kompetenten Autoren exklusiv für uns geschrieben werden, die wir sorgfältig auswählen, bearbeiten, layouten, veröffentlichen. Daneben übernehmen wir im Einzelfall für eine kleine Nachricht auch mal eine unverdächtige Formulierung aus einer Pressemeldung – na und? Ihre Schätzung des Anteils von Lesern, die über Google auf unsere Webseite… Mehr »
Es redet ja auch keine vom “Linux-Magazin” sondern von dieser Website, für die so gerne eine Linksteuer einfordern. Deren Berechtigung konnten sie bisher aber nicht belegen. Es sagt ja auch keiner, dass Sie umsonst arbeiten sollen und schließlich platzieren Sie auf Ihrer Website auch bezahlte Anzeigen. Aber warum sollte Google Ihnen Geld bezahlen, wenn es Ihnen Leser verschafft. Was ist denn mit dem von mir vorgebrachten Argument, dass Sie genau zu diesem Zweck SEO betreiben, wie alle anderen Verlage. Ist das etwa nicht richtig? Und wenn es richtig ist, warum betreiben Verlage dann Suchmaschinenoptimierung, wenn das angeblich nur Google zugute… Mehr »
Vorab: Das wird meine letzte Antwort sein, mehr wird langweilig. Ich rede vom Linux-Magazin, weil man diese Webseite nicht davon trennen kann: Hier präsentieren wir alle Magazin-Inhalte, teils zum Verkauf, teils frei. Hier kann hier jeder jeden Artikel lesen, den wir seit über 15 jahren veröffentlicht haben, die allermeisten umsonst. Die Nachrichten sind dafür da, häufig wiederkehrenden Nutzern immer etwas Neues zu bieten, sie stellen aber nur einen Bruchteil des Inhalts dar. SEO betreiben wir kaum. Wenn man z.B. bereits das Verschlagworten der Artikel dazu zählt, dann machen wir rudimentäres SEO, sonst nicht. Das heißt nicht, das wir uns gegen… Mehr »
Was der Vorredner sagt, ist vollkommen richtig und schon deshalb evident, wenn man sich vor Augen führt, welcher Aufwand in Redaktionen und anderen “Content-Agenturen” für “Suchmaschinenoptimierung” (SEO) getrieben wird.
Ich kann ich immer noch nicht erkennen, warum Google für das verwenden von kleinen Textschnipseln eine Gebühr entrichten sollte. Durch diese kann ein Benutzer doch erst erkennen, ob die Seite hinter dem Link für ihn interessante und relevante Informationen enthält. Gäbe es diese Textschnipsel nicht, würden die meisten wohl erst gar nicht auf den Link klicken. So sehr ich das Linux-Magazin mag (ich bin treuer Leser seit nun mehr als zehn Jahren), hoffe ich doch, dass Google alle Verlage einfach aus dem Index entfernt. Dann werden wir ja innerhalb kürzester Zeit sehen, ob die von ihnen angeführte Studie ihr Geld… Mehr »
Hallo Armin, also erstens soll man kleine Textmengen ja zitieren dürfen, wobei im Moment leider unklar ist, was ein Schnipsel wäre, der noch als Zitat durchgeht. Zweitens soll man jede beliebige Menge Text verwenden dürfen – dann aber gegen eine Lizenzgebühr. Drittens: wer eine Dienstleistung anbieten will, muss dafür meist eigene Mittel einsetzen. Warum sollte man es ausgerechnet dem milliardenschweren Unternehmen Google erlauben, anderer Leute Leistungen kostenlos zu verwenden? Weil Ihnen die Suche nützlich ist? Dann müssten Sie auch sagen: Taxifahrer sollen kostenlos tanken, denn ohne Benzin können Sie mich ja gar nicht fahren… Viertens: Wenn Google Verlage aus seinem… Mehr »
Typischerweise sind die auf der Google-Ergebnisseite zitierten Texte etwa ein bis zwei Sätze lang. Wenn das erlaubt sein soll, warum dann der ganze Wirbel. Ganz offensichtlich ist es ja so, wie der Vorredner sagt, dass diese Textausschnitte dem Benutzer dabei helfen, ein Suchergebnis zu beurteilen, und nicht etwa dafür, dass Google damit Geld verdient. Und Ihre ganzen hinkenden Vergleiche mit Taxifahren und Würsten helfen da auch nicht weiter.
Selbstverständlich verdient Google damit Geld. Die Information, wonach Leute suchen, lässt sich leicht in Geld verwandeln. Zum Beispiel über personalisierte Werbung. Wenn Ihnen die Vergleiche nicht helfen, tut mir das leid – ich finde sie nichtsdestotrotz einigermaßen treffend.