Haben Sie etwa kein Navi?

Im aktuellen Linux-Magazin 02/09 ist ein Kurztest zu ERP-Programmen, betitelt “Buchhalters Leid”. Unter anderen geht es dabei auch darum, dass gesetzestreue Unternehmer ihre Rechnungen nur dann elektronisch, sprich: per E-Mail, versenden dürfen, wenn diese “qualifiziert verschlüsselt” werden (siehe Umsatzsteuergesetz http://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__14.html). Entsetzt sprach mich ein Kollege darauf an und befürchtete ob dieser Vorschrift gar das Ende zahlreicher deutscher Unternehmen.

Zugegeben, meine spontane Reaktion war erstmal Zustimmung. Selbst in den zu Paranoia tendierenden Open-Source-Kreisen werden E-Mails durchaus nicht nur verschlüsselt versandt, und dies dann von Buchhaltungsabteilungen pauschal zu fordern, noch dazu mit “qualifiziertem Schlüssel” – geht das nicht zu weit? Vor meinem geistigen Auge sah ich ob dieser technischen Herausforderung weite Teile der deutschen Wirtschaft verzweifeln. Sind nicht viele Mitarbeiter deutscher Unternehmen vermeintlich bereits durch den Umstieg von einer Windows-Version auf die nächste überfordert, von einem Wechsel zu Linux ganz zu schweigen. Und dann sowas! Zum Glück fiel mir ein, dass die Lage doch nicht so bedrohlich ist, wie sie auch mir auf Anhieb schien: Die altmodische Lösung, das Ausdrucken von Rechnungen und der Versand per Schneckenpost sind weiterhin möglich und erlaubt.

Ich ertappte mich in der elektronischen Falle: Dank der täglichen Arbeit mit Computer und Internet übersah ich einen Moment lang, dass es auch noch andere Wege der Kommunikation gibt. Die Segnungen der Elektronik verführen und durchdringen den Alltag mit rasender Geschwindigkeit. Als Freunde neulich auf dem Weg zu unserem Haus einen Passanten aus dem Autofenster nach dem Weg fragten, lautete die erstaunte Antwort: “Wieso fragen Sie? Haben Sie etwa kein Navi?”

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