Es ist Sommer - auch für Geeks!

Vor einigen Wochen haben mich Kollegen der englischen Presse zum Podcast
eingeladen. Im Herzen Münchens saßen wir in einem kleinen Café,
ausgerüstet mit Notebooks, Mikrofonen, Tablets und Handys, und haben
eine gute dreiviertel Stunde Material aufgenommen. In der Sendung wurde
die ein oder andere Neuigkeit aus dem Open-Source-Bereich besprochen,
nette Anekdoten aus der Linux-Welt geteilt, und Diskussionen über
Window-Manager und Lieblings-Editoren geführt. Eine typische
Geek-Sendung halt, die mir viel Spaß gemacht hat.

Eine der Fragen kam unerwartet, war aber irgendwie erfrischend: “Was
hast du in der letzten Zeit Spannendes gesehen, das du mit unseren
Hörern teilen willst?” Vieles hätte es da gegeben – eine neue Version
von OpenWRT, die Vorbereitung auf unsere jährliche
LibreOffice-Conference, die neuesten Gerüchte aus der Android-Ecke –
doch mir fiel in dem Moment vor allem eine Begebenheit ein, die nur am
Rande mit Open Source zu tun hat. Meine Antwort war:

Es ist Sommer!

Nein, ich spiele dabei nicht auf das WM-Sommermärchen an, das uns vier
Wochen in seinen Bann gezogen hat. Klar, nach dem Besuch bei meinen
brasilianischen Kollegen und Freunden im letzten Sommer war das
Anschauen natürlich Pflicht, etwas Fernweh hatte ich sicherlich auch,
aber ich wollte mit der Antwort auf etwas ganz anderes hinaus.
Wenige Wochen vorher hatten wir vom LibreOffice-Projekt aus ein
Community-Wochenende veranstaltet – eine alljährliche Tradition, um sich
in vertrauter Runde zu treffen, über die Dinge zu reden, die im Projekt
passiert sind, neue Pläne zu schmieden, und natürlich auch, um die
Kollegen wieder zu sehen. Im Vorjahr hatten wir wettertechnisch eher
Pech, aber dieses Mal hatte Petrus ein Einsehen mit uns, und wir haben
uns eines der bis dato heißesten Wochenenden des Jahres ausgesucht.
Anstatt wie sonst also im Seminarraum zu sitzen, haben wir das
Arbeitswochenende kurzerhand nach draußen verlegt, was einen positiven
Nebeneffekt hatte: so gut wie niemand saß vor seinem Notebook oder
Tablet, keine E-Mails haben abgelenkt, kein IRC dazwischengefunkt. Wer
mich kennt weiß, dass nur 10 Minuten Notebook-Nutzung in zwei Tagen für
mich eine wirklich ungewohnte Sache ist, selbst am Wochenende

.
Die Agenda war dabei durchaus voll, und es gab einige strittige Themen
zu besprechen, die im Vorfeld immer wieder für Demotivation und Frust
gesorgt haben. Ich bin daher auch mit eher gemischten Gefühlen ins
Wochenende gefahren – aber siehe da, es ist warm, die Sonne scheint,
niemand hängt vor einem Computer, und auf einmal reden alle miteinander,
sind positiv eingestellt, und die Gespräche sind unglaublich konstruktiv
und produktiv. Am Ende des Wochenendes sind alle mit neuen Ideen und
viel Motivation nach Hause gefahren, waren zahlreiche konkrete Ideen
fürs Projekt bereits umgesetzt, und alle waren sich einig, das zu
wiederholen.

Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr wünsche ich mir, dass es mehr
Veranstaltungen dieser Art gibt. Einige Projekte machen das schon ganz
erfolgreich – die einen segeln im Urlaub gemeinsam übers Meer, die
anderen machen Hackatons an einem zentralen Ort, und in den Münchener
Open-Source-Treffen kam jüngst der Vorschlag auf, ob wir nicht mal ein
Grillen an der Isar oder ein Hüttenwochenende veranstalten sollen.
Gut, es muss ja nicht immer gleich Segeln sein – das ist letztlich auch
eine Zeit- und Geldfrage, und nicht jeder will seinen Jahresurlaub so
verbringen. Gutes Wetter für andere Ideen ist in der näheren Umgebung
auch nur wenige Wochen im Jahr. Die Quintessenz für mich ist aber, auch
mal neue Veranstaltungskonzepte und ungewöhnliche Veranstaltungsorte
auszuprobieren, um gerade bei schwierigen Themen voranzukommen, ganz
unabhängig von der Jahreszeit. Vielleicht mal ein dediziertes
Arbeitswochenende ganz ohne Internet? Momentan schwer vorstellbar, aber
vielleicht eine Überlegung wert.

Jetzt ist es aber erstmal an der Zeit, wirklich die verbleibenden
Sonnenwochen des Jahres zu nutzen – ganz egal ob im Urlaub, im
Biergarten, oder auf einem der Open-Source-Events. Euch allen viel Spaß
dabei – ich werde die Zeit auf jeden Fall auch nutzen, um über die ein
oder andere Veranstaltungsidee nachzudenken…

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