Schräg gegenüber der Redaktion, in Münchens größtem Einkaufszentrum PEP, kann man derzeit einen Blick in die Zukunft werfen. In die des Handels in diesem Fall. In den unteren Etagen verfügt ein Supermarkt schon länger über Selbstbedienungskassen, bei denen der Kunde seine Waren selber über den Scanner zieht und an einem Automaten bezahlt. Ein einziger ehemaliger Kassierer beaufsichtigt da knapp zwei Handvoll derartige Bezahlstationen, hilft hier die Brötchen ohne Barcode im Backwarenmenü zu finden oder bestätigt da das ausreichende Alter der Weinkäufer. Das Angebot wird so gut angenommen, dass sich inzwischen schon kleine Schlangen vor dieser SB-Kassenzone bilden. Früher oder später wird man sie ausweiten, die nächsten zehn Kassierer lassen sich gegen eine Aufsicht tauschen.
Eine Etage darüber geht man noch einen Schritt weiter. Dort testet ein Elektronikmarkt eine eigene Bezahl-App auch für höherwertige Waren, vorerst sind es Kopfhörer. Bei denen kann der Kunde mit seinem Handy sogar selbst die Diebstahlsicherung abschalten kann, sobald er bezahlt hat. Die vorherige Generation kannte in ihrer Kindheit noch keine Supermärkte, der nächsten wird man erklären müssen, das Kassierer zwischenzeitlich mal ein verbreiteter Beruf gewesen ist.
Betroffen ist aber nicht nur der Handel. Laut der Studie des Weltwirtschaftsforum (WEF) „Die Zukunft der Arbeitsplätze 2018“, sollen schon 2025 Computer und intelligente Maschinen 52 Prozent aller Arbeitsstunden bewältigen. Derzeit sind es erst weniger als ein Drittel. Zwar kommen nach Ansicht der Studie auch viele neue Jobs hinzu, nur passen die nicht zur Qualifikation derjenigen, die ihren Job verlieren. Gefragt sind etwa Datenanalysten, Wissenschaftler, Softwareentwickler oder Social-Media-Experten.
Doch das betrifft ja die IT nicht, die die treibende Kraft hinter all dem ist, oder? Da wäre ich nicht so sicher. Zur Zeit der Tante-Emma-Läden waren die Admins Exoten in weißen Kitteln. In der Supermarktära erfand man das Client-Server-Modell und die Admins vermehrten sich rasant, wurden vom bewunderten Magier zum gewöhnlichen Dienstleister. Anfangs konnten sie sich noch einen Abglanz der alten Aura bewahren, indem sie sich selbst fehlende Funktionen als Shellskript erschufen, blind ein Listing mit VI-Kommandos umpflügten oder mit dem Lötkolben in der Hardware herumstocherten. Aber das war bald verpönt als Bastelei, als Turnschuhadministration. Und heute, im Zeitalter der SB-Kasse, hat den gemeinen Admin zunehmend die Automation ersetzt oder der Cloud-Provider, der die gesamte Infrastruktur hostet. Die Anwendungen rollen sich heute selber aus und sie stocken sich auch selber auf, wenn es eng wird. Eine KI wacht über ihr Wohlbefinden und sie verschmerzen, wenn ein Player im Pulk vorübergehend ausfällt.
Der Straßenbahnschaffner, der Schriftsetzer, das Fräulein vom Amt sind unserem Admin nur ein kleines Stück vorausgegangen.
