Man fühlt sich an Hase und Igel erinnert: Wo man in diesen Tagen
hinschaut, verkünden die Schlagzeilen, sie sei längst angekommen,
die Krise. Bei den Autobauern, bei den Zulieferen, im Einzelhandel,
an der Börse. Im Paznauntal, in Swasiland und drüben in den Staaten.
Nun also auch in der IT.
Wenn es dafür eines Beweises bedurfte, dann liegt der nun auf
dem Tisch: Die Hadsch der Novellianer fällt 2009 aus!
Nur wer sie je erlebt hat, wird ermessen, was das bedeutet. Es
begann gewöhnlich schon auf dem Chicagoer Flughafen, wo sich
vor dem Abflug-Gate Richtung Salt Lake Grüppchen trafen, die man
ob der Kostümierung mit auffällig bedruckten T-Shirts und
Freundschaftsbändchen für Fussballfans hätte halten können. Bei
näherem Hinsehen verriet sie aber dann der offenbar obligatorische
Laptop als IT-Junkees und das T-Shirt erwies sich als Rangabzeichen.
“Brainshare 1997” prangte auf der Brust des Wortführers, der als
alter Kämpe und Veteran die unverhohlene Bewunderung der Gemeinde
erfuhr. Wessen Novell-Reisetasche aus dem letzten Jahr stammte und
so offenbarte, dass der zugehörige Brainshare-Fahrer erst wenige
Mensuren gefochten hatte, der trat bescheiden einen Schritt
zurück.
Sicherlich ist es der Distanzierungsdrang des Journalisten, der ihm
die volle Empathie verwehrt, wenn unter ausgeklügelter Lichtregie
der Keynote-Speaker auf der 100-Meter-Bühne den dramaturgischen
Spannungsbogen bis zur Grenze des Erträglichen dehnt. Fanfarenklänge.
Verstohlen greift man im dunklen Saal nach der Hand des Nachbarn, des
Bruders. Der Tonmeister mischt einen Cathedral-Hall bei: “Give a very warm
welcome to Mr. …”
Das alles wird es 2009 nicht geben. Die Krise ist da. Doch gilt
es die Contenance zu wahren. Schon in wenigen Jahren wird es auf dem
Chicagoer Flughafen keine wirksamere Rhetorik geben, als wenn man wie
beiläufig einflicht: “Dann war ich 2008 da, 2009 war ja keine …”. Wie?
Keine Brainshare? Ungläubig staunt mich das vorlaute Greenhorn an. Ich
lächle sanft und wissend zurück.

