Das Ende des Routerzwangs - es könnte so einfach sein

Es will einfach nicht in meinen Kopf hinein. Wer entscheidet denn bei den Providern, dass Kunden immer häufiger nur noch mit Blackboxen als Router beglückt werden?
In den letzten Wochen hat ein fehlerhaftes Firmware-Update nicht nur eine ganze Flotte von Modems zum regelmäßigen Absturz gebracht, sodass manche Kunden sie alle paar Stunden neu starten mussten, nein, zudem scheint bei einem anderen Modell eine altbekannte Sicherheitslücke im WLAN wieder aufzuleben, mit unangenehmen Folgen für den oft unwissenden Anschlussinhaber.
Warum passiert sowas? Warum kocht jeder Provider sein eigenes Süppchen und drückt seinen Kunden Geräte aufs Auge, die die vielleicht gar nicht wollen? Und wenn die Anbieter dann doch mal einigermaßen bekannte Hardware einsetzen, dann ist diese meist soweit kastriert, dass wesentliche Funktionen wie beispielsweise Telefonie über Drittanbieter schlicht gesperrt werden.
Es gäbe so schöne Lösungen, die sowohl den Interessen des Kunden als auch denen der Anbieter gerecht würden. Eine schreibt hoffentlich der Gesetzgeber bald fest, nämlich die Pflicht zur Herausgabe der Zugangsdaten an den Kunden, damit dieser seine eigenen Geräte am Netzabschluss nutzen kann. Einige Kabelanbieter sträuben sich da mit dem Argument, das Kabelnetz sei ein “shared medium” und Störungen über den Rückkanal beeinträchtigen auch andere Kunden. Das ist zwar an sich richtig, aber zum einen können Rückkanalstörungen auch durch andere Fehler produziert werden, und zum anderen könnte man nur entsprechend zugelassene Geräte freischalten, denn auch davon gäbe es eine ganze Menge, vom einfachen Modem bis hin zum Router-Flaggschiff, die Provider haben sie über die Jahre hin ja alle selbst verbaut.
Mir kommt da aber noch eine ganz andere Idee in den Sinn, die sich schon so manches mal als der beste Weg erwiesen hat: freie Software.
OpenWRT als ein Vertreter dieser Gattung wäre beispielsweise eine Lösung, die den Providern vermutlich massiv Kosten spart, und zudem freier Software etwas Gutes tun würde – und es sind letzlich doch die Verdienste ebendieser freien Software und zugrundeliegender offener Standards, weshalb die Provider heute überhaupt so etwas wie das Internet vermarkten können. Warum also nicht auch beim Router auf eine freie Lösung setzen? Der fehlt es zwar oft an Unterstützung für integrierte DSL- und Kabelmodems, was ein ein separates, vorgeschaltetes Modem erfordert, aber für dieses Problem Abhilfe zu schaffen, indem offene Treiber für die Chipsätze entwickelt werden, das wäre doch mal eine schöne Idee, wie Unternehmen und die Open-Source-Community zum beiderseitigen Vorteil zusammenarbeiten könnten.
Mir fallen schon spontan etliche Gründe ein, warum ein solches Projekt einen großen Nutzen für Endanwender, Internetanbieter und nicht zuletzt die gesamte Open-Source-Community bereithalten würde. Der Anwender erhält einen Router mit vielen Funktionen, die oft über das hinausgehen, was die heutige Hardware beherrscht. Die Profis können direkt selbst Hand anlegen und das System nach Belieben erweitern oder dank der offenen Schnittstellen auch durch eigene Hardware ersetzen. Und die Internetanbieter würden zu einem geringen Preis nicht nur eine professionelle Lösung bereitstellen, sondern auch der Open-Source-Community etwas Gutes tun, was sicher auch dem eigenen Ruf ganz zuträglich wäre.
Eine solche Idee müsste den etablierten Routerherstellern gar nicht gefährlich werden – schon heute gibt es einen gesunden Wettbewerb zwischen verschiedenen Plattformen, alle mit ihren Vor- und Nachteilen. Und letztlich sorgen Pilotprojekte mit freien Lösungen dazu, dass auch andere Anbieter Ansporn erhalten, entsprechende Produkte anzubieten. Die eingangs erwähnte Herausgabe der Zugangsdaten würde ihnen ebenfalls in die Hand spielen.
Leider bin ich keiner der Entscheider, der ein solches Projekt auf den Weg bringen könnte. Ich fürchte ja vielmehr, es wird künftig noch schwieriger – denn jetzt fangen auch die TV-Anbieter an, ihre Kunden mit Zwangshardware zu beglücken, obwohl es auch hier bessere Lösungen gäbe, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt…

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