Durch einige Medien, Blogs und Foren geistert seit rund einem Monat erneut das Gerücht, dass Adobe einen Linux-Port der Creative Suite vorbereite. Es gibt aber kaum Anlass das anzunehmen, solange es nur ein paar Forenposts eines Support-Mitarbeiters gibt.
Der Vorfall ist, dass der Adobe-Mitarbeiter Carey Burgess im Support-Forum von Adobe bei Getsatisfaction.com in einem bereits ein Jahr altem Thread betreff “Creative Suite für Linux” zu Feature-Requests via Webformular eingeladen und zudem versprochen hat, die Nachfrage an das Engineering-Team weiterzuleiten.
Das Feature-Request-Formular “http://www.adobe.com/go/wish”, das zu der URL “https://www.adobe.com/cfusion/mmform/index.cfm?name=wishform” umleitet, steht grundsätzlich jedem Anwender für quasi jedes Produkt offen, wie mir eine Adobe-Sprecherin bestätigte. Beides ist also kein Special Treat für die Linux-Interessierten. Beides ist zudem ein bloßer Textbaustein, der sich auch in anderen Forenthreads findet.
Nun hat der Support-Mitarbeiter vor einer Woche einen weiteren Post hinterlassen, der der eigentlich Aufreger ist: Die seiner Aufforderung gefolgten Anfragen nach der Creative Suite für Linux seien so überwältigend gewesen, dass man von weiteren Anfragen absehen möge. “Die Anfrage ist jetzt ganz sicher auf dem Radar unserer Entwickler”, heißt es aus der Tastatur dieses einen, qua definitionem um Zufriedenstellung des Kunden bemühten Support-Mitarbeiters. Das zieht nun ernsthaft fragende, zuweilen auch jubelnde Meldungen und Diskussionen durch das Netz.
Überwältigende Anfragen: Was heißt das denn? Das erwähnte Support-Forum hat derzeit rund 500 Threads. Auf den ersten Blick handeln nur 12 davon von Linux, wenn man die Suche bemüht. Das sind ungefähr 2,5 Prozent oder ein Verhältnis von 42:1. Nur einmal angenommen, ein ähnliches Verhältnis von Linux-Anfragen und anderen Anfragen träfe auf die Feature-Requests zu, die Adobe normalerweise durch das genannte Webfomular erhält. Dann würde eine plötzliche, relativ massive Erhöhung der Linux-bezogenen Requests natürlich “überwältigend” wirken.
Wieviele es tatsächlich waren, ist leider nicht so leicht aus Adobe herauszubekommen. Man braucht jedoch diese Zahl, um zumindest vermuten zu können, dass Adobe sich nun ernsthaft mit einem Port beschäftigt – wirtschaftliche Erwägungen dabei mal noch ganz außen vor gelassen.
Derzeit beobachtet Adobe einfach weiter den Linux-Markt. Hier gibt es nicht wirklich etwas Neues zu berichten.

