Ein halbes Jahr nach dem überraschend durch Eric Migicovsky angekündigten Pebble-Revival und der Open-Source-Veröffentlichung von PebbleOS durch Google ist viel passiert. Die wichtigste Nachricht vorweg: Die Markenrechte für Pebble liegen wieder bei Migicovsky.
“Ehrlich gesagt, hatte ich nicht erwartet, dass das so einfach funktionieren würde”, schreibt Eric Migicovsky in seinem Juli-Update [1]. Die Rückgewinnung der Markenrechte für Pebble markiert einen symbolischen Meilenstein im Comeback der Smartwatch-Marke. Was als Core 2 Duo und Core Time 2 geplant war, heißt ab sofort Pebble 2 Duo und Pebble Time 2. Während das Unternehmen weiterhin unter dem Namen Core Devices firmiert, dürfen die neuen Uhren nun offiziell den Namen Pebble tragen.
Die Umbenennung verwundert kaum – “die Leute hätten diese neuen Uhren sowieso Pebbles genannt”, gibt Migicovsky zu. Mit der Rückgewinnung der Markenrechte können zudem auch Drittentwickler den Namen Pebble für ihre Software- und Hardware-Projekte verwenden. Das ist ein wichtiger Schritt für das geplante Open-Source-Ökosystem.
Der holprige Weg zur Massenproduktion
Die Entwicklung der Pebble 2 Duo verlief nicht ohne Herausforderungen. Ursprünglich für Juli 2025 angesetzt, verschob sich der Produktionsstart auf Ende August. Der Grund: Das Team entschied sich, die Wasserdichtigkeit der Uhr zu verbessern. “Wasserdichtigkeit ist heute schwieriger als vor zehn Jahren, weil wir einen Lautsprecher eingebaut haben”, erklärt Migicovsky.
Das ursprüngliche Ziel lag in einer IPX8-Zertifizierung (spritzwassergeschützt, getestet bis zu einem Meter Tiefe). Nachdem das Ziel erreicht war, testete das Team Verbesserungen, die eine Wasserdichtigkeit von 5, 10, 15 oder sogar 20 m ermöglichen könnten. Jeder Test dauerte zwischen fünf und sieben Tage, da der genutzte Kleber Zeit zum Aushärten benötigt.
Ein weiteres Last-Minute-Problem betraf den neu integrierten Lautsprecher. Bei der Wiedergabe traten störende Klickgeräusche auf, die zunächst auf einen Hardwaredefekt hindeuteten – eine beängstigende Vorstellung so kurz vor der Massenproduktion. Nach tagelanger Fehlersuche stellte sich heraus, dass es sich um ein Softwareproblem handelte. Mittlerweile funktionieren sowohl Lautsprecher als auch das Mikrofon einwandfrei. Ein Alpha-Tester reichte sogar bereits einen Pull Request für PebbleOS ein, der die Mikrofon-Unterstützung implementiert.

Abbildung 1: Der Alpha-Test der Pebble 2 Duo ist abgeschlossen. Aus der Community konnte das Entwicklerteam bereits wertvolles Feedback sammeln. Quelle: Josh Cohenzadeh / https://x.com/jshchnz/status/1945156513535848581
Chip-Entscheidung: Blick hinter die Kulissen
In seinem ausführlichen Blogpost “How To Build A Smartwatch: Picking A Chip” [2] vom Mai 2025 und einem passenden Video bei YouTube [3] gewährt Migicovsky tiefe Einblicke in den Entwicklungsprozess. Die Wahl des richtigen Mikrocontrollers sei eine der schwierigsten Entscheidungen beim Design einer Smartwatch, berichtet er.
Für die Pebble 2 Duo fiel die Wahl auf den bewährten Nordic nRF52840. “Es ist ein älterer Chip, aber wir waren sehr vertraut damit und wussten, dass wir PebbleOS relativ schnell darauf zum Laufen bringen könnten”, sagt Migicovsky. Ursprünglich plante das Team, Nordics proprietären SoftDevice BLE-Stack zu verwenden, wechselte aber dank der Arbeit von Liam, einem ehemaligen Pebble-Kollegen und jetzigen Rebble-Mitwirkenden, zum Open-Source-BLE-Stack nimBLE.
Für die Pebble Time 2 fiel die Entscheidung komplexer aus. Der nRF52840 genügte den Anforderungen nicht. Das größere Farbdisplay benötigt mehr RAM und Rechenleistung. Nordics Roadmap bot keine passende Lösung: Der neue nRF54L15 verfügt lediglich über 256 KByte RAM, während die 54H-Serie mit 1 MByte RAM den Preis auf 4 bis 5 USD verdoppelt hätte.
Ein unerwarteter Partner: SiFli
Die Lösung stellte sich quasi von selbst ein. “Ich bekam zufällig eine E-Mail vom CEO eines kleineren Bluetooth-Chip-Unternehmens namens SiFli”, erzählt Migicovsky. Einige E-Mails später herrschte Klarheit: SiFli-CEO Jingming Wang zeigte sich außerordentlich interessiert daran, seine Chips in einer Open-Source-Smartwatch zu sehen.
SiFli-Chips sind speziell für Smartwatches entwickelt und treiben bereits Millionen von Uhren von Marken wie Redmi, Oppo und Noise an. Der ausgewählte SF32LB52J glänzt mit beeindruckenden Spezifikationen: über 512 KByte SRAM, 16 MByte PSRAM, ein dedizierter MIP-Controller für das Display (wodurch ein separater FPGA entfällt) und ein extrem niedriger Stromverbrauch von etwa 50 mA bei aktiver Bluetooth-Verbindung. Der Preis: unter 2 USD. “Das Beste daran ist, dass ihr SDK Open Source auf GitHub verfügbar ist und sie angeboten haben, uns bei der Portierung von PebbleOS auf ihre Chips zu helfen”, schwärmt Migicovsky.
Im begleitenden Podcast-Interview beschreibt Wang, der CEO von SiFli, die Entstehung seines Unternehmens. Nach 15 Jahren in der Halbleiterindustrie, unter anderem bei Marvell, gründete er SiFli – mit dem Ziel, die Smartphone-Erfahrung auf andere Geräte zu übertragen.
“Wir haben noch kein neues Gadget gesehen, das mit Smartphones in Volumen und Marktwert vergleichbar ist”, erklärt Wang. “Die Menschen wollen ihre eigenen Entscheidungen treffen. Ich habe noch nicht meine Lieblings-Smartwatch gefunden.” Seine Vision: eine extrem stromsparende, idealerweise solarbetriebene Uhr mit großem Display und schlankem Design.
Die Entscheidung, das SDK als Open Source zu veröffentlichen, war strategisch. “Für Geräte mit größerem Volumen kann man viel Forschung und Entwicklung investieren. Aber für die vielfältigen IoT-Geräte mit geringeren Stückzahlen braucht man die Open-Source-Community”, meint Wang.
Softwarefortschritte: von Beta zu Massenmarkt
Die Softwareentwicklung schreitet mit großen Schritten voran. Über 100 Pebble 2 Duo wurden bereits an Alpha-Tester verschickt, deren Feedback in die Weiterentwicklung einfließt. Das dreiköpfige Softwareteam arbeitet intensiv an der neuen mobilen Companion-App, die nicht nur mit den neuen Uhren, sondern auch mit alten Pebble-Modellen (außer der Original-Pebble/Steel) kompatibel sein wird.
“Das Sideloading der 10 Jahre alten Pebble-App wird nicht mehr nötig sein”, verspricht Migicovsky. Die neue App basiert auf der Open-Source-Bibliothek libpebble3 und wird sowohl im Google Play Store als auch im iOS App Store verfügbar sein. Momentan befindet sie sich in der geschlossenen Beta-Phase auf TestFlight und soll in zwei bis drei Wochen in eine offene Beta [4] übergehen.
Die Akkulaufzeit ist zwar noch nicht optimiert, aber Hardwaretests bestätigen, dass die mindestens versprochenen 30 Tage durchaus zu erreichen sind. Ebenfalls bis dato nicht implementiert sind Gesundheitsfunktionen (Schritt-/Schlaftracking), die Speaker-API sowie Kompass und Barometer.
Ein besonderer Erfolg besteht in der drastischen Vereinfachung der SDK-Installation. Dank der Arbeit des Praktikanten Griffin wurde das Pebble-Tool auf Python 3 aktualisiert und eine Visual-Studio-Code-Erweiterung entwickelt. Das Installieren und Erstellen einer ersten App erfordert lediglich wenige Schritte (Listing 1). Das senkt die Einstiegshürde für neue Entwickler erheblich und soll die Pebble-App-Entwicklung beschleunigen.
Listing 1
SDK
$ uv tool install pebble-tool $ pebble new-project my1stapp $ cd my1stapp && pebble build $ pebble install --emulator aplite
Darüber hinaus führte Migicovsky “super unwissenschaftliche” Bluetooth-Reichweitentests durch. Im Freien (Abbildung 2) erreichte er etwa 43 m, bevor die Verbindung zwischen seinem Pixel 9 Pro und der Pebble 2 Duo abriss. In bebauten Gebieten war die Reichweite aufgrund von Reflexionen sogar etwas größer, während sie in Innenräumen erwartungsgemäß deutlich kürzer ausfiel.

Abbildung 2: Die Bluetooth-Reichweite im Freien ohne Bebauung liegt bei etwa 43 m. Gibt es Gebäude, fällt sie durch Reflexionen noch ein wenig besser aus. Quelle: Eric Migicovsky
Pebble Time 2: der nächste Meilenstein
Im Gegensatz zum Schwestermodell befindet sich die Pebble Time 2 in der Engineering Verification Test Phase (EVT). Das erste vollständig montierte Exemplar sollte Ende Juli bei Migicovsky eintreffen. Dank der Zusammenarbeit mit SiFli läuft PebbleOS bereits auf der Uhr. “Wir haben einige Verbesserungen am Design vorgenommen – es ist etwas schlanker geworden”, verrät Migicovsky. Ein ausführliches Update mit Bildern kündigte man für “sehr, sehr bald” an.
Zölle und Versand
Für US-Bestellungen fallen momentan etwa 10 USD an Zollgebühren pro Pebble 2 Duo an. Internationale Bestellungen unterliegen nicht den US-Zöllen, da der Versand direkt aus Hongkong erfolgt und Sie zahlen die jeweilige Mehrwertsteuer Ihres Landes bei der Bestellbestätigung. Das Unternehmen versendet mit vorausbezahlten Zöllen und Steuern, sodass bei der Lieferung keine zusätzlichen Gebühren fällig werden.
Bestätigungs-E-Mails für Vorbestellungen wurden noch nicht verschickt. Sobald die letzten Aufgaben vor der Massenproduktion abgeschlossen sind, erhalten Kunden eine E-Mail zur Adressbestätigung und Zahlung ausstehender Gebühren. Dabei können Sie auch Zusatzprodukte wie das Firmware Development Kit (Abbildung 3) bestellen. Dahinter verbirgt sich eine Platine für PebbleOS experimentierfreudige Embedded-Entwickler.

Abbildung 3: Als Add-on können Embedded-Entwickler zusätzlich ein Firmware Development Kit beziehen. Quelle: Eric Migicovsky
Fazit und Ausblick: konkrete Formen
Mit der Rückgewinnung der Markenrechte, fortschreitender Hardwareentwicklung und einem wachsenden Open-Source-Ökosystem nimmt das Pebble-Revival konkrete Formen an. Die Verzögerungen mögen Vorbesteller frustrieren, beweisen aber auch Migicovskys Anspruch an Qualität.
“Warum trage ich eine Smartwatch? Weil es Spaß macht. Jedes Mal, wenn ich auf meine Pebble schaue, bringt sie mich zum Lächeln. Genau dieses Gefühl wollen wir langfristig bewahren”, fasste Migicovsky bereits in seinem ersten Post zusammen. Ein halbes Jahr später scheint dieses Ziel in greifbare Nähe gerückt zu sein. Totgesagte leben eben länger – besonders wenn eine leidenschaftliche Community und visionäre Entwickler dahinterstehen. (csi)
Infos
- July Pebble Update: https://ericmigi.com/blog/july-pebble-update
- How To Build A Smartwatch: Picking A Chip: https://ericmigi.com/blog/how-to-build-a-smartwatch-picking-a-chip
- How To Build A Smartwatch: Picking A Chip (Video): https://www.youtube.com/watch?v=umQ39BhcyMM
- Core 2 Duo – Beta Test Singup: https://ericmigi.com/blog/core-2-duo-alphabeta-test-signup






