Aus Linux-Magazin 12/2021

Werkzeuge im Kurztest

Mping 1.5

Ping über Multicast senden

Quelle: https://github.com/troglobit/mping

Lizenz: MIT

Alternativen: Ping

Um die Erreichbarkeit von entfernten Rechnern zu prüfen, greifen die meisten Anwender auf das bewährte Ping-Kommando zurück. Es verschickt über das ICMP-Protokoll ein 56 Byte großes Datenpaket ans Ziel und nutzt die Zeitspanne zwischen dem Versenden und der Antwort zum Ermitteln der Übertragungsgeschwindigkeit. Wer Multicast-Verbindungen analysieren möchte, braucht ein Tool wie Mping, das UDP zur Übertragung der Datenpakete verwendet.

Genau wie Ping verschickt Mping 56 Byte große Pakete. Während bei Ping der implementierte IP-Stack des Ziels auf die ICMP-Anfrage antwortet, muss bei Mping ein Dienst auf dem Zielsystem laufen, der auf eingehende Verbindungen wartet. Dazu starten Sie Mping über dem Parameter »-s« im Server-Modus. In der Voreinstellung empfängt das Tool eingehende Pakete auf Port 4321; »-p« definiert einen alternativen Port. Auf Rechnern mit mehreren Netzwerk-Interfaces geben Sie über »-i« eine Schnittstelle an.

Damit der Test nicht endlos läuft, können Sie über »-c« die Anzahl der maximal verschickten Pakete bestimmen. Mping versendet die Päckchen mit einer TTL (Gültigkeitsdauer) von 1, es ist aber kein Problem, über »-t« einen höheren Wert zu bestimmen. Mping wartet 5 Sekunden auf die Antwort der Gegenseite, bevor das Tool mit einem Timeout abbricht. Um den Wert an die eigene Netzwerkverbindung anzupassen, setzen Sie ihn über »-W«. Praktisch: Der Schalter »-d« bietet eine Debugging-Option.

  Mping ist ein praktisches Werkzeug zum Testen der Übertragungsgeschwindigkeit über UDP, muss allerdings auf beiden Seiten aktiv sein und eignet sich damit nicht für eine Ad-hoc-Prüfung entfernter Systeme.

Micro 2.0.10

Schlanker Texteditor mit Spalten und Tabs

Quelle: https://github.com/zyedidia/micro

Lizenz: MIT

Alternativen: Nano, Joe

Suchen Sie einen ressourcenschonenden Texteditor, sollten Sie Micro eine Chance geben. Das in Go geschriebene Werkzeug ist flink und doch funktional. Ältere Versionen bringen alle gängigen Distributionen mit. Die aktuelle Ausgabe finden Sie in Form fertiger Pakete auf Github. Hier steht zudem ein ausführliches Handbuch bereit, das auch auf das Syntax-Highlighting in verschiedenen Terminalapplikationen eingeht. Eine einfache Online-Hilfe zeigt »micro -h«; der Schalter »-options« offenbart alle verfügbaren Parameter.

Nach dem Start präsentiert sich der Editor schlicht und übersichtlich: In der Voreinstellung blendet Micro die Zeilennummern ein, in der Fußzeile stehen Informationen über Dateinamen und Zeichenkodierung sowie ein paar wichtige Tastaturkürzel. Micro enthält eine integrierte Befehlszeile, die Sie über [Strg]+[E] erreichen. Sie bietet Zugriff auf Funktionen, zu denen es keinen Shortcut gibt. Mit dem Befehl »help commands« erhalten Sie eine Übersicht über alle Funktionen.

Obwohl Micro schlank und kompakt ist, kann sich der Funktionsumfang sehen lassen. So lässt sich beispielsweise das Fenster unterteilen, und Sie können in einem Terminal mehrere Dateien auf Reitern öffnen. Der Texteditor enthält Syntax-Highlighting für über 100 Formate sowie eine einfache Autovervollständigung. Die Konfiguration speichern Sie in der JSON-Datei »$HOME/.config/micro«. Micro unterstützt außerdem das Aufzeichnen von Makros und das Erstellen eigener Erweiterungen in Lua.

  Micro kann sich sehen lassen. Die aktuelle Version enthält neben Fehlerkorrekturen ein verbessertes Syntax-Highlighting und eine Shellcheck-Unterstützung.

Lwan 0.4

Leistungsstarker, skalierbarer Webserver

Quelle: https://github.com/lpereira/lwan

Lizenz: GPLv2

Alternativen: Lighttpd, Nginx

Abseits der populären Webserver tauchen immer wieder Exemplare auf, die mit besonderen Eigenschaften punkten möchten. Das in C implementierte Tool Lwan wirbt mit Geschwindigkeit und Skalierbarkeit. Fertige Pakete gibt es nicht, zum Kompilieren benötigen Sie Cmake und die Zlib. Die Github-Seite listet weitere optionale Abhängigkeiten auf. Beim Übersetzen besteht außerdem die Möglichkeit, die Speicherzuweisung zu bestimmen (Cmake-Option »-DUSE_ALTERNATIVE_MALLOC«). Das Quellarchiv liefert außerdem eine Testsuite und Benchmark-Skripte mit.

Seine Konfiguration erwartet Lwan in der Datei »lwan.conf« im aktuellen Verzeichnis. Ein Beispiel liefern die Entwickler mit und bieten zudem Erklärungen auf der Github-Seite an. Beim Start analysiert Lwan das System und ermittelt unter anderem die Zahl der CPU-Kerne, um die maximale Anzahl von offenen Datei-Deskriptoren anzupassen. Auch für »rewrite«- und »redirect«-Einstellungen ist »lwan.conf« der richtige Ort.

Liegt die Konfigurationsdatei nicht im aktuellen Verzeichnis, geben Sie den Ort der Datei über »-c« an. Eine Übersicht aller in Lwan integrierten Module liefert »-m«. Geben Sie kein Dokumentenverzeichnis an, zeigt Lwan den Inhalt des aktuellen Ordners an. In der Voreinstellung lauscht der Webserver auf allen Schnittstellen an Port 8080. Soll er nur an einem bestimmten Interface oder Port auf eingehende Verbindungen warten, definieren Sie diese hinter »-l«. Da Lwan keine verschlüsselte Kommunikation beherrscht, eignet sich der Server primär für den lokalen Einsatz.

  Lwan ist ein noch junges Projekt. Es lohnt sich aber, den Webserver im Auge zu behalten.

Shellcheck 0.7.2

Syntaxprüfung für Shell-Skripte

Quelle: https://github.com/koalaman/shellcheck

Lizenz: GPLv3

Alternativen: Mega-Linter, Codacy

Wer seine Shell-Skripte analysieren und verbessern möchte, findet in Shellcheck einen bereitwilligen Helfer. Das in Haskell programmierte Tool spürt beispielsweise fehlerhaftes Quoting, falsche Test-Statements, typische Anfängerfehler und mehr auf. Manche Distributionen bringen ältere Shellcheck-Versionen mit; das aktuelle Release finden Sie als fertiges Paket für Linux und MacOS auf Github.

Um ein Shell-Skript zu prüfen, geben Sie es beim Aufruf an. Shellcheck untersucht es und schreibt das Ergebnis in die Standardausgabe. Neben offensichtlichen Fehlern zeigt es auch problematischen Code an, prüft den Stil und gibt informative Hinweise. Mit »-S« schränken Sie den Bericht ein. Shellcheck beschränkt sich dann etwa auf Fehler oder Warnungen vor unsauberem Code. Am Ende des Berichts verweist Shellcheck auf sein Wiki, das alle Meldungen ausführlich und mit Beispielen erläutert.

Der Parameter »-s« kann die Prüfung auf bestimmte Shell-Dialekte begrenzen. Einige beliebte Shells wie Zsh oder Fish stehen jedoch nicht zur Auswahl. Neben den Standardtests kennt Shellcheck auch eine Reihe optionaler Prüfungen, die »-o« aktiviert. Eine Übersicht gibt »–list-optional«. Mit »-f« wechseln Sie das Ausgabeformat des Tools. Shellcheck unterstützt außer JSON noch GCC, Diff und Checkstyle; Letzteres eignet sich für die Integration in HTML-Dateien.

  Shellcheck hilft zuverlässig dabei, Fehler zu finden oder die Qualität des eigenen Codes zu verbessern. Die Github-Seite verlinkt auch eine Online-Version des Tools.

xxHash 0.8.0

Schnelles Hash-Tool

Quelle: https://github.com/Cyan4973/xxHash

Lizenz: BSD

Alternativen: SHA, MD5

Anders als bei den populären Hash-Funktionen SHA und MD5 geht es bei xxHash nicht um Kryptografie. Das in C implementierte Tool setzt stattdessen auf Geschwindigkeit und eine gute Streuung der Hashes. Dass dabei möglichst keine Wertekollisionen auftreten, versteht sich von selbst. Manche Distributionen enthalten eine ältere Ausgabe von xxHash; auf Github stehen die Quellen der aktuellen Version bereit, die auch eine Manpage enthalten. Daneben findet sich auf der Github-Seite eine ausführliche Dokumentation.

Nach der Installation finden Sie auf der Platte neben dem Tool »xxhsum« die drei symbolischen Links »xxh128sum«, »xxh64sum« und »xxh32sum«, die den Einsatz des gewünschten Algorithmus erleichtern. Alternativ definieren Sie ihn hinter »-H«. Außerdem geben Sie beim Aufruf eine Datei an, deren Prüfsumme das Tool dann in die Standardausgabe schreibt. Geben Sie mehrere Dateien an, stehen die Ergebnisse hinter den Dateinamen in eigenen Zeilen.

Alternativ leiten Sie die Ausgabe in eine Datei um, die Sie dann später mit »-c« zur Prüfung heranziehen. So ermittelt xxHash, ob eine Datei verändert wurde. Der Schalter »–tag« erzeugt BSD-konforme Ausgaben. Dabei stehen in jeder Zeile der verwendete Algorithmus, die geprüfte Datei und der Hash-Wert. Außerdem enthält das Tool einen eigenen Benchmark, um die Geschwindigkeit der Verarbeitung auf der aktuellen Hardware zu ermitteln.

  xxHash punktet vor allem mit seiner Geschwindigkeit. Die Github-Seite enthält dazu eine Tabelle, die das Tool mit anderen Hash-Verfahren vergleicht. (Uwe**Vollbracht/hej)

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