Aus Linux-Magazin 08/2019

Notizen von der Open Source Data Center Conference 2019

Ein Thema zog sich in diesem Jahr durch viele Vorträge der OSDC: Automation. Ob bei der Administration, beim Entwickeln oder beim Ausrollen von Applikationen: Am besten soll alles von alleine laufen.

Dabei ist Automation, das machten die Wortmeldungen deutlich, ein zweischneidiges Schwert. Einerseits Segen dank Arbeitsersparnis, Kostensenkung, Geschwindigkeitsgewinn oder Schutz vor Fehlbedienung. Andererseits kann sie ein Fluch sein, nämlich dann, wenn der Admin durch sie die Fähigkeit einbüßt, die Prozesse notfalls manuell zu beherrschen, und wenn am Ende sogar das Wissen verloren geht, wie die Automation selbst funktioniert. Nach Murphys Law wird nämlich genau dann etwas eintreten, was die automatisierten Abläufe scheitern lässt.

Alle, die früher händisch erledigt haben, was jetzt Ansible, Puppet, Chef oder Saltstack tun, sind in Rente. Der Kollege, der den Automatisierer einst programmiert hatte, wurde abgeworben. Eine Dokumentation gibt es nicht. Viele wüssten, wie man das Frontend bedient, wenn es funktionieren würde, aber keiner, was es hinter den Kulissen dafür braucht.

Einzelkämpfer

Von etlichen Vorträgen zu diesem Themenkreis hoben sich besonders die beiden Referate von James Shubin (Abbildung 1) ab, der nicht nur eine originelle und vielversprechende Idee präsentierte, sondern zugleich als Entertainer überzeugte. Shubin hatte über sein Projekt namens Mgmt Config schon einmal 2017 sowohl auf einer OSDC als auch auf der OSMC gesprochen, damals noch als Red-Hat-Mitarbeiter. Der Linux-Konzern aus Raleigh setzte allerdings zu dieser Zeit bereits auf den Konkurrenten Ansible, und Shubin schafft mittlerweile auf eigene Rechnung.

Abbildung 1: James Shubin während seines Vortrags.

Abbildung 1: James Shubin während seines Vortrags.

Die Idee seines parallel arbeitenden, verteilten und Event-getriebenen Werkzeugs für das Konfigurationsmanagement ist bestechend. Zahlreiche kleine Demos konnten belegen, dass große Teile wohl auch schon funktionieren und einsetzbar wären. Eine Community ist im Entstehen. Solange allerdings die Finanzierung des Projekts ungeklärt ist und solange Shubin als One-Man-Show unterwegs ist, bleibt die Perspektive leider eher fraglich.

Eigenbau

Eine spezielle Form der Automation in der Containerwelt sind die so genannten Operators, mit deren Hilfe sich Kubernetes-Applikationen ausrollen und verwalten lassen. Allerdings braucht es für die Entwicklung eines solchen Operators relativ viel Zeit und Programmier-Know-how. Einfacher geht es mit Kudo (Kubernetes Universal Declarative Operator), einem Framework, das eine vereinfachte Operator-Entwicklung möglich machen soll. Matt Jarvis stellte das Tool in einem Vortrag vor.

Automationsstrategien wiederum hatte Martin Schurz im Blick, sein Titel – “Manual work is a bug!” – erwies sich dann eher als Versuch zu provozieren. Tatsächlich warb der Referent nämlich doch nicht für Automation um jeden Preis, sondern für kleine, überlegte Schritte oder die Übertragung vor allem der am häufigsten wiederkehrenden Aufgaben an den Computer.

Automation bei der Software-Entwicklung heißt häufig CI/CD. Auch dazu hatten sich Vortragende Gedanken gemacht, darunter Thierry de Pauw, der eine Vorgehensweise vorschlug, bei der man von Branches in der Versionsverwaltung für neue Funktionen absieht, denn das helfe zwar möglicherweise einem individuellen Programmierer, schade aber dem Team. Die Reintegration der separat entwickelten Features sei oft schwierig, das Feedback werde verzögert und auch Probleme im Zusammenspiel verschiedener Features würden zu spät erkannt.

Schließlich gab es auch wieder etliche anschauliche Praxisbeispiele, darunter etwa einen Einblick in das Management containerisierter Microservice-Apps bei Rewe digital, der zeigte: Es muss nicht immer Kubernetes sein.

Neben den Vorträgen gehört der Erfahrungsaustausch mit anderen Teilnehmern sicher zu den Pluspunkten einer solchen Konferenz. Dass es das Event-Team des Ausrichters Netways immer wieder schafft, mit guter Organisation und einem geselligen Abend in anregender Atmosphäre dafür gute Voraussetzungen zu schaffen, ist daher nicht unwichtig.

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