Aus Linux-Magazin 06/2019

Notizen von den Frühjahrsfachgesprächen der GUUG

Abbildung 1: An die Anfänge mit Kommandozeilen-Unix erinnerte eine Diskussionsrunde beim GUUG FFG. (© twinsterphoto, 123RF)

Die Informatik-Fakultät des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) war im April 2019 Gastgeber der traditionellen Frühjahrsfachgespräche der German Unix User Group (GUUG).

Wer von einer Konferenz erwartet, dass sie ihm nur die neuesten Informationen bieten möge, Dinge, die am besten noch nicht publiziert, jedenfalls noch nicht in aller Munde sind, Zukunftsthemen – wer das erwartete, den müssen die diesjährigen Frühjahrsfachgespräche der German Unix Users Group (GUUG) Mitte April in Karlsruhe ernüchtert haben. Geboten war überwiegend klassische Hausmannskost. Gediegen, durchaus schmackhaft, aber keine Nouvelle Cuisine, sondern das Rezept von Oma.

Darauf stimmte schon die einleitende Paneldiskussion ein: Eine Runde gestandener Koryphäen (Harald König, Volker A. Brandt, Martin Schulte) und ein Teilnehmer zur Senkung des Altersschnitts (Ingo Ebel), dessen Aufgabe es war, die Bezeichnung Altherrenrunde zu entkräften, erinnerte sich mit verklärten Lächeln an ihren ersten Unix-Kontakt Anfang der 80er Jahre (Abbildung 1).

Über Emacs vs. Vi wolle man nicht streiten, so Nils Magnus, der Moderator, der aber ein Ersatzthema fand, dem sich die Runde mit vergleichbarer Abgeklärtheit stellen konnte: Braucht man GUIs oder ist die Kommandozeile das Alleinseeligmachende? Eine immergrüne Frage jagte die nächste, ein Hauch von Zeitlosigkeit umwehte die Diskutanten.

Obgleich nicht immer Bleeding Edge, boten viele Vorträge doch Nützliches. Dabei war es dem Publikum übrigens herzlich egal, dass etliche dieser Themen nur eine lose Verbindung zu Unix haben. Das Referat von Debian-Entwickler Thomas Lange über FAI.me – ein Tool für das Erzeugen individueller Installationsmedien und VM-Images für Clouds – gehörte in diese Kategorie oder Christian Rosts Einführung in die Kubernetes-Installation mit Kubeadm. Oder Ingo Ebels Selbsterfahrungsbericht über die Installation einer Heimautomatisierungslösung. All das war ordentlich und solide.

Ebenfalls mehrfach vertreten waren die Berichte über Projekte, die man im anerkennendsten und liebenswürdigsten Sinn als Bastelei bezeichnen könnte. Manche davon originell bis hin zur leichten Verschrobenheit.

In einem solchen Vortrag demonstrierte Harald König, wie sich ein Sed-Skript optimieren lässt, das Zigtausende Zeilen Output eines Logik-Analyzers aufhübscht, indem es Hexcodes durch mehr oder weniger sprechende Registernamen und Ähnliches ersetzt. Durch Zerlegen in Teilaufgaben und Parallelisierung oder durch Einsparen unnötiger Berechnungen ließ sich die Laufzeit um Größenordnungen senken. Offenbar gibt es tatsächlich doch noch Nischen, in denen derlei Kommandozeilen-Magie einen handfesten praktischen Wert hat.

Thomas Hofmann sprach über ein Forschungsprojekt zur Latenzoptimierung, das es 60 Musikern eines klassischen Orchesters ermöglicht, via Audio- und Video-Live-Streaming quasi von zu Hause aus zusammenzuspielen.

Bastelei steckt schließlich auch in Volker A. Brandts Bemühen, Smart OS – den eigentlich als reinen Hypervisor gedachten Nachfahren des Open-Solaris-Nachfahren Illumos – als normales Betriebssystem zu verwenden, das in seinem Fall einem ISCSI-Server als Unterbau diente. Dass Smart OS keinen Desktop, ja zumindest bei der Installation noch nicht einmal eine deutsche Tastatur kennt, gehörte da noch zu den harmloseren Stolperstellen.

Fazit

In familiärer Atmosphäre und nicht zu großer Runde diskutierten die Frühjahrsfachgespräche der GUUG auch in diesem Jahr wieder IT-Probleme mit mehr oder weniger Unix-Bezug. Viele Beiträge vermittelten Nützliches – Überraschendes war seltener darunter.

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