Aus Linux-Magazin 01/2019

Erster Open Stack Summit in Deutschland

Zum Open Stack Summit kamen rund 2700 internationale Besucher nach Berlin. Die Open Stack Foundation vollzog dort einen strategischen Richtungswechsel hin zur Open Infrastructure.

Mit dem ersten Open Stack Summit in Deutschland [1] fand Mitte November zugleich der letzte Open Stack Summit statt. Die Open Stack Foundation hat sich einen stärkeren Fokus auf die Infrastruktur rund um Open Stack verordnet. Die halbjährlichen Treffen zu den neuesten Open-Stack-Versionen heißen beginnend mit dem Kongress im Frühjahr “Open Infrastructure Summit”.

Jonathan Bryce, Executive Director, begründete den Namenswechsel damit, dass Open Stack zwar weiterhin die Kernkomponente sei, die zugehörige Infrastruktur aber eine entscheidende Rolle spiele. “Unser Job ist die Unterstützung der Community”, ergänzt Chief Operating Officer Mark Collier.

Gastfreundschaft

Die offene Infrastruktur als neues Kernthema schlägt sich auch in der Benennung von vier Pilotprojekten nieder, die unter den Fittichen der Open Stack Foundation stehen: Airship, Starling-X, Zuul und Kata Containers. Bei einer Sitzung in Berlin haben die Leitungsgremien grünes Licht dafür gegeben, dass die Foundation weitere Projekte außerhalb von Open Stack hosten darf.

Der Verwaltungsrat der Foundation hat im Zuge dieser Ausrichtung neue Anwendungsfälle für Open Stack und offene Infrastrukturen festgelegt. Dazu zählen Continuous Integration und Delivery (CI/CD), Container-Infrastruktur, Edge-Computing, Rechenzentren und künstliche Intelligenz.

Für die vier neuen Projekte folgt auf die Pilotphase die Confirmed-Phase. Projekte die diese Ausbaustufe erreicht haben, seien für langfristige Investments und Planungen bereit, erläuterte Mark Collier (Abbildung 1). Bislang sei nur Open Stack selbst im Confirmed-Status. Als Lizenz für die Projekte hat sich die Foundation traditionell auf die Apache License festgelegt und will prinzipiell immer eine von der Open Source Initiative abgesegnete Lizenz verwenden.

Abbildung 1: Mark Collier und Jonathan Bryce plädieren für Open Infrastructure.

Abbildung 1: Mark Collier und Jonathan Bryce plädieren für Open Infrastructure.

Airship soll als Release 1.0 im zweiten Quartal 2019 erscheinen, der Summit im April in Denver gilt als Vorstellungstermin. In Berlin hat das Projekt einen Release Candidate vorgestellt. Airship ist eine Plattform fürs Lifecycle-Management.

Positives Echo

In der Branche stößt die Hinwendung zur Infrastruktur auf ein positives Echo. Einige der Branchengrößen sitzen auch in den Leitungsgremien der Foundation und haben selbst dafür gestimmt, dass der Summit umbenannt wird und neue Projekte gehostet werden.

Alan Clark von Suse besitzt als Chairman des Open-Stack-Verwaltungsrats Mitspracherecht. Im Gespräch mit dem Linux-Magazin bezeichnete er den strategischen Schritt zur Open Infrastructure als eine logische Entwicklung. Es sei sinnvoll, mit der Infrastruktur die Zusammenarbeit der Projekte zu fördern. Die Cloud entwickle sich weiter und wachse, schon deshalb sei der Blick auf die Infrastruktur wichtig.

Auch Nick Barcet, Director für das Product Management von Open Stack bei Red Hat, begrüßt den Schritt. In der Außenwirkung gelte Open Stack bei manchen Analysten als eine Art Virtualisierungsplattform. Dieser Eindruck könne mit der Umbenennung hoffentlich korrigiert werden. “Es geht um die komplette Infrastruktur, nicht nur um virtuelle Maschinen”, sagte Barcet dem Linux-Magazin.

Zur künftigen Entwicklung nach der Übernahme durch IBM schwiegen die Red-Hat-Teilnehmer beim Open Stack Summit beharrlich. Es werde kein Statement zur Übernahme geben, hieß es bereits bei der Terminvereinbarung.

Nick Barcet bekräftigte aber das Engagement von Red Hat für Open Stack als Platin-Mitglied und einer der größten Beitragenden. Das verwundert nicht, zum Summit brachte Red Hat die neue Version 14 seiner Open-Stack-Plattform mit, die auf der Rocky-Release basiert. Die neue Version 14 [2] verzahnt sich noch enger mit dem hauseigenen Open Shift, das der Anbieter als umfassendste Kubernetes-Plattform bezeichnet.

Automotive

Das Heimspiel in Berlin nutzten auch die beiden deutschen Automobilhersteller BMW und Volkswagen zu einem Gastspiel. Für die Sparte Volkswagen Financial Services berichtete Tilman Schulz (Abbildung 2) bei der Keynote über den Einsatz von Open Stack bei VW. Es seien dort in der internen Cloudlösung rund 500 Projekte am Laufen. VW betreibt 9000 Open-Stack-Cores über drei Standorte verteilt. Die Private Cloud auf Open-Stack-Basis sei sicher, biete einfache Automatisierungsmöglichkeiten und Kosteneinsparungen gegenüber einer Public Cloud, so Schulz.

Abbildung 2: Tilman Schulz berichtet über die Private Cloud von Volkswagen.

Abbildung 2: Tilman Schulz berichtet über die Private Cloud von Volkswagen.

BMW setzt bei seiner Open-Stack-Lösung im Zuge der Entwicklungsarbeiten auf Zuul. Tobias Henkel, Software-Entwickler bei BMW, erläuterte den Aufbau eines großen CI-Systems mit Zuul. Bei den Entwicklern waren dabei laut Henkel auch Widerstände abzubauen, etwa gegen das ungewohnte Ansible. Als größtes Plus von Zuul sieht Henkel das Gating an, das ein Einführen von defektem Code verhindere.

Telekom Cloud

Andreas Falkner, Vice President Open Telekom Cloud bei T-Systems, zog beim Summit ein positives Fazit für seinen Geschäftsbereich. Die Kapazität der Cloud habe sich innerhalb eines Jahres verdreifacht, und man blicke auf eine vierstellige Kundenzahl, so Falkner. Zu den Aktivitäten für die neue Ausrichtung auf Infrastruktur zählte Cloudarchitekt Nils Magnus die Beteiligung der OTC bei den Projekten Zuul und Kata Containers.

Die November-Release der Open Telekom Cloud (OTC) bringt neue Features mit. Ein Health Dashboard zählt dazu. Es zeigt dem Kunden den Zustand seiner Dienste. Zu den Neuerungen beim Image-Angebot für die Cloud zählt Suse Linux Enterprise 15.

Auch bei der Telekom-Cloud überwiegen, wie auch bei Microsofts Cloudangebot Azure, bei den Kunden die Linux-Systeme mit rund 80 Prozent deutlich, war in Berlin zu vernehmen.

Train folgt auf Stein

Mark Collier hat auch den Codenamen der auf Open Stack Stein folgenden Version bekannt gegeben: Open Stack Train erscheint im Herbst 2019. Die beginnend mit der Release von Stein im April in Denver in Open Infrastructure Summit umbenannte Konferenz macht im Herbst 2019 erstmals in China Station. Zum Codenamen inspirierte die Verantwortlichen beim Meeting ein Zug, der den Teilnehmern den Schlaf raubte.

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