Aus Linux-Magazin 08/2018

Open Stack Summit in Vancouver

Der Open Stack Summit hat im Mai in Vancouver Station gemacht. Zu den bestimmenden Themen gehörte weniger die neue Queens-Release, sondern Edge Computing und die Container-Welt. Die Open Stack Foundation begrüßte zudem mit Zuul ein weiteres eigenständiges Projekt unter ihrem Dach.

Der treibende Motor hinter der Open-Stack-Software in ihren verschiedenen Einsatzgebieten ist die Entwicklergemeinschaft. Die Open Stack Foundation als Gralshüterin der Plattform warb auch beim Open Stack Summit [1] in Vancouver dafür, dass die Communities sich untereinander austauschen, um Synergien für die Integration neuer und bestehender Technologien auszuschöpfen.

Open Source allein genüge nicht, sagte Mark Collier, Chief Operating Officer der Foundation, es gehe auch darum, die Software zu integrieren. Die Cloud sei eine differenzierte Sache, so Collier, es gäbe diverse Architekturen und Workloads, die man beackern müsse.

Herausforderungen

Jonathan Bryce (CEO) und Collier hoben die Herausforderungen hervor. Neue Optionen zum Lifecycle-Management und Fast-Forward-Upgrades, die ein Offline-Update für alle Upgrade-Prozesse der Komponenten von der bestehenden bis zur gewünschten Version vornehmen, sollen die Anforderungen der Industrie erfüllen. Im Gespräch mit dem Linux-Magazin beschrieb Mark Collier die halbjährlichen Release-Zyklen als nicht unabänderlich. Mit den Fast-Forward-Optionen und Long-Term-Support biete Open Stack aber Optionen für Unternehmen, die nicht jede Release mitnehmen können.

Die Protagonisten der Open Stack Foundation (Abbildung 1) konnten auf den wachsenden Erfolg hinweisen: Auf rund 10 Millionen Cores laufe die Open-Stack-Installation. Die Stiftung war beileibe nicht die einzige, die an die Community appellierte. Denn neben den etablierten Bereichen wächst Open Stack auch in die Randgebiete weiter hinein, oder besser gesagt in Richtung Edge, was im Technologie-Sprech die Randpunkte darstellt, repräsentiert etwa durch Geräte aus dem Internet der Dinge (IoT) oder den einsamen Mobilfunkmasten in der Prärie. Edge Computing war in Vancouver dann auch Thema vieler Vorträge.

Edge-Projekt Akraino

Mit dem von den beiden maßgeblich daran beteiligten Firmen AT&T und Intel vorgestellten Projekt Akraino [2] soll ein Edge Stack entstehen, der verschiedene freie Infrastrukturprojekte vereint, darunter Open Stack, Qemu und Ceph. Intel steuert dafür Code seiner Wind River Titanium Cloud bei und sein Network Edge Virtualization Software Development Kit (Intel NEV SDK). AT&T liefert Code aus seinem Repertoire für Edge-Computing-Anwendungen, die in VMs oder Containern laufen.

Das Projekt ist bei der Linux Foundation angesiedelt und hat es sich zum Ziel gesetzt, aus seinen Open-Source-Bestandteilen eine Edge-Plattform, Edge-Anwendungen und ein Ökosystem aus APIs zu bauen. Prämissen für die Edge-Plattform sind niedrigere Latenzen und schnellere Verarbeitung der Daten vor Ort. Die Einsatzgebiete sind mit autonomen Geräten wie etwa Drohnen, der virtuellen Realität, dem industriellen IoT und der Infrastruktur für NFV beschrieben. Als Herausforderungen gelten Skalierbarkeit, einfacher Betrieb, geringe Kosten und die Abdeckung vieler Nutzungsszenarien.

Kata Containers

Das Open-Source-Projekt Kata Containers [3] hat beim Open Stack Summit in Vancouver die Version 1.0 seiner Software veröffentlicht. Kata Containers soll die Vorteile von Containern und virtuellen Maschinen kombinieren und Anwendungen plattformunabhängig mit mehr Sicherheit und ohne die Performance-Einbußen einer reinen VM-Lösung isolieren können.

Kata Containers ist eine leichtgewichtige virtuelle Maschine, die für jeden Container einen Micro-Kernel mitbringt. Die Sicherheitsbedenken eines gemeinsamen Kernels sollen damit ausgeräumt sein.

Das Projekt kombiniert dazu die Intel-Technologie Clear Containers und die Run-V-Technologie von Hyper.sh. Nach der initialen Veröffentlichung des Codes der beiden Komponenten haben ARM, Dell/EMC und Red Hat finanzielle Unterstützung für das Projekt angekündigt. Intel zählt ebenfalls weiter zu den Investoren und auch Mirantis, Google, Suse, Core OS, Netapp und Huawei sind Unterstützer. Das Projekt startete Ende 2017 als erstes unabhängiges Projekt unter den Fittichen der Open Stack Foundation und gilt mit der Veröffentlichung der Version 1.0 als produktionsreif.

Foundation nimmt Zuul auf

Für Zuul haben die Entwickler pünktlich zum Open Stack Summit in Vancouver die neue Version 3 vorgestellt. Es gibt auch Neuigkeiten in der Projektstruktur. Zuul wird ein eigenständiges Projekt unter dem Dach der Foundation. Damit ist Zuul neben Kata Containers und Open Stack selbst das dritte Projekt, dass die Foundation betreut.

Zuul [4] dient als Plattform für Continuous Integration und Continuous Delivery (CI/CD). Ursprünglich war Zuul ein Teil des Testing-Programms für Open Stack CI. Als die Plattform populärer wurde und immer mehr Nutzer anzog, darunter BMW, Go Daddy, Openlab und Wikimedia, fiel die Entscheidung, sie als eigenes Projekt auszulagern.

Mark Collier gab zu Protokoll, dass die Open Stack Foundation keine Konkurrenz zu anderen Stiftungen wie etwa der Linux Foundation darstellen wolle. Die Foundation mache keine Vorgaben, wohin ein Projekt gehen solle oder werbe darum, so Collier. Es sei andersrum gewesen, die beteiligten Entwickler seien auf die Foundation zugekommen.

Werbung in eigener Sache

Der Summit lebte von teils hochkarätigen Vorträgen und konstruktiven Talks. Nur vereinzelt schallte die Werbetrommel durch das Vancouver Convention Center. Canonical-Chef Mark Shuttleworth präsentierte sich als eine dieser Ausnahmen. In seinem Vortrag ließ er kein gutes Haar an der Konkurrenz aus den Häusern Red Hat und VMware. Er präsentierte Folien mit schlichten, aber unbelegten Botschaften, in denen er etwa behauptete, dass man mit Ubuntu einen Gewinnvorteil von 80 Prozent gegenüber der Red-Hat-Lösung erzielen könne.

Während andere Keynote-Speaker das Publikum in der Regel für weitere Informationen an den Stand im Marketplace des Summit einladen, präsentierte Shuttleworth ein spezielles Summit-Angebot. Mit seinem Vortrag war er später in aller Munde, so weit hat das Marketing also funktioniert.

Positive Stimmen waren allerdings nicht zu hören. Red Hat, das war am Rande des Summit zu vernehmen, erwägt sogar seine Rechtsabteilung einzuschalten. Für ein börsennotiertes Unternehmen scheint die Verteidigung gegen solche ohne belastbare Zahlen geführten Angriffe fast schon obligat.

Berlin ruft

Rund 2600 Teilnehmer kamen zum Summit im Congress Center (Abbildung 2) nach Kanada, für Open-Stack-Verhältnisse eher wenig. Dass der Startschuss des Summit auf den Pfingstmontag fiel und damit zumindest in Deutschland in die Pfingstferien, dürfte seinen Teil beigetragen haben. Die europäischen Interessenten könnte auch die Aussicht auf den nahenden Summit im November in Berlin von einer Reise nach Kanada abgehalten haben.

Abbildung 2: Das Convention Center in Vancouver bot dem Open Stack Summit auch Ausblick auf Meer und Berge.

Abbildung 2: Das Convention Center in Vancouver bot dem Open Stack Summit auch Ausblick auf Meer und Berge.

Der Open Stack Summit in Berlin (13. bis 15. November 2018, [5]) jedenfalls laufe schon jetzt sehr gut an, sagte Mark Collier gegenüber dem Linux-Magazin. Schon vor dem Start des Vancouver-Summit seien Sponsoren-Pakete bereits ausverkauft gewesen. Der deutsche Markt sei für Open Stack sehr wichtig, sagte Collier. Überhaupt sei die Community in der EU sehr aktiv.

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