Im Frühjahr 2016 hatte Frank Karlitschek mit sechs Mitstreitern bei dem Filesharing-Projekt Owncloud die Brocken hingeworfen. Kurz darauf präsentierte er mit Nextcloud einen Fork und konkurriert seitdem mit seinem ehemaligen Projekt.
Ruft in einer Proprietäre-Software-Firma einer der Gründer: Das wird hier nix mehr, ich schmeiß` hin! – dann kriegt er seinen Firmenanteil ausbezahlt, Ende der Geschichte. Beim früheren KDE-Entwickler Frank Karlitschek (Abbildung 1), der 2010 das Projekt Owncloud gegründet hatte und mit anderen ein Jahr später die Owncloud Incorporation, lief die Geschichte anders.
In einer Art Abschiedsbrief [1] ließ der als Technikchef tätige Karlitschek im April 2016 wissen, dass ihn moralische Bedenken hinsichtlich der Zukunft von Owncloud quälen. Er sah wohl bei Markus Rex und Holger Dyroff (Abbildung 2) – beide Suse-Urgesteine und dann Owncloud-Mit-Chefs – und anderen die Absicht, schnelles Geld einem langfristigen Wachstum vorzuziehen. Auch frage er sich, wem die Owncloud-Community und die Firma eigentlich gehören.

Abbildung 2: Holger Dyroff ist Mitgründer der Firma Owncloud und heute COO und Managing Director. Quelle: Owncloud
Dass Qwncloud in der Hauptsache freie Software war, ermöglichte Karlitschek nun etwas, was im proprietären Modell nicht vorgesehen ist: Er nahm ganz legal den Quellcode mit, warb wichtiges Owncloud-Personal ab und gründete mit Nextcloud eine Konkurrenzfirma. Und er schloss eine Kooperation mit der Stuttgarter Struktur AG, die mit Spreed.me eine passende Videokonferenzlösung anbietet. Niels Mache, CEO der Struktur AG, wurde ebenfalls Nextcloud-Gründer und als Managing Director tätig. In der Szene ist er auch als Grundsteinleger von Red Hat Deutschland bekannt.
Bittere Pille
Die Stimmung bei Owncloud nebst angegliederten Projekten nach dem Abzug von sieben Mitarbeitern war nicht die beste. Das US-Geschäft musste das Unternehmen aufgeben, in einer Mitteilung [2] hieß es damals: “Leider hat die Ankündigung für Owncloud Inc. mit dem Sitz in Lexington, MA, Konsequenzen. Unser Hauptkreditgeber in den USA hat unsere Kreditlinie gestrichen. Nach amerikanischem Recht sind wir damit gezwungen die Owncloud Inc. mit sofortiger Wirkung zu schließen und acht Mitarbeiter der Owncloud Inc. zu entlassen.”
Beide Läden brummen
Owncloud hat sich von dieser Misere inzwischen erholt. Das Geschäft mit Subskriptionsverträgen brummt und die Gewinne sprudeln wieder [3].
Auch der Konkurrent konnte jüngst einen Coup landen. Der IT-Dienstleister der deutschen Bundesverwaltung (ITZ Bund) entschied sich beim Datenaustausch von 300 000 Nutzern für Nextcloud. Die Karlitschek-Truppe hatte sich für die Ausschreibung mit dem Unternehmen Computacenter zusammengetan [4].
Am Ende haben das Zerwürfnis und der Projekt-Fork nicht zum Untergang der wichtigsten Dropbox-Linux-Alternative(n) geführt, sondern den technischen Wettbewerb zum Nutzen der Anwender in Gang gesetzt – Open Source sei Dank.
Infos
- Blogbeitrag Frank Karlitschek: http://karlitschek.de/2016/04/big-changes-i-am-leaving-owncloud-inc-today/
- Stellungnahme Owncloud: https://owncloud.com/de/owncloud-stellungnahme-zur-gruendung-von-nextcloud-durch-frank-karlitschek/
- Meldung Owncloud: https://owncloud.com/de/owncloud-verzeichnet-rekordergebnis-2017/
- ITZ und Nextcloud: https://nextcloud.com/blog/german-federal-administration-relies-on-nextcloud-as-a-secure-file-exchange-solution/







