Aus Linux-Magazin 03/2018

Scanner unter Linux

© georgerudy, 123RF

Viele Jahre ähnelte der Einsatz von Scannern zum Digitalisieren von Dokumenten unter Linux einem Software-technischen Minenfeld. Ob es noch immer gravierende Probleme mit der Software gibt, untersucht die aktuelle Bitparade anhand einer Scanner-Auswahl verschiedener Hersteller.

Wäre das papierlose Büro bereits Realität, bräuchte niemand mehr einen Scanner. Wer sich aber heute in Unternehmen umschaut, erkennt sehr schnell, dass die Leseratten weiterhin einen festen Platz im Büro-Universum verteidigen. Und nicht nur das: In Heimbüros und bei Privatanwendern stehen immer häufiger Multifunktionsdrucker mit integrierter Scan-Einheit.

Nach wie vor verkaufen die Elektromärkte dedizierte Flachbettscanner, aber auch Geräte für spezielle Anwendungen. Dazu gehören solche für mobile Einsätze, aber auch Dokumentenscanner, die automatisiert große Bestände digitalisieren. Wie dieser Gerätezoo mit Linux harmoniert, will diese Bitparade ergründen.

Standards

Als zu Beginn der 90er Jahre Scanner allmählich auch für kleinere Unternehmen erschwinglich wurden, entwickelte ein Konsortium aus verschiedenen Hardware- und Softwareherstellern die Twain-Spezifikation. Sie definiert eine einheitliche Schnittstelle zum Ansteuern von Scannern aus Anwendungen heraus. Wurde die Twain-Schnittstelle anfangs nur für Microsoft- und Apple-Betriebssysteme entwickelt, unterstützte Version 2.0 ab 2008 auch Linux [1].

Große Geräte

Viele Hersteller bieten große Standgeräte mit Scaneinheiten an, die teilweise auch mit Linux kooperieren. Diese Multifunktionsgeräte dienen unter Linux jedoch meist als reine Drucker für Arbeitsstationen im Intranet. Als Scanner für gewöhnliche Client-Systeme eignen sie sich nicht.

Da sich solche Businessgeräte vornehmlich an große Abteilungen oder Filialen richten, dienen die Scaneinheiten primär dazu, direkt am Gerät Dokumente zu digitalisieren und sie dann in den firmeninternen Workflow zu integrieren. Das geschieht meist über Touchscreens, häufig auch mit einer integrierten Tastatur und einer entsprechenden Menüführung. Die digitalisierten Dokumente lassen sich dann per E-Mail versenden oder direkt in eine Groupware-Lösung integrieren.

Zugleich arbeiteten bereits seit 1996 Linux-Entwickler an einer einheitlichen Schnittstelle für bildgebende Geräte namens Sane (Akronym für Scanner Access Now Easy, [2]), die sie unter der GPLv2 veröffentlichten. Sie gliedert sich in ein Front- und ein Backend, wobei sie beide strikt voneinander unterscheidet: Während das Backend die Schnittstelle zwischen Betriebssystem und der Scanner- oder Kamerahardware bildet, integrieren sich die Frontends in entsprechende Anwendungen und ermöglichen es, die Hardware anzusteuern, um ihre Fähigkeiten zu nutzen.

Dank dieses Konzepts kooperieren alle gängigen Frontends ohne aufwändige Anpassungen mit dem Sane-Backend. Daher gilt es mittlerweile als Quasi-Standard für Scanner unter Linux, grafische Applikationen wie Xsane [3], Xscanimage [4], Simple Scan [5] oder das KDE-Programm Skanlite [6] nutzen es.

Als kommerzielle Lösung gibt es unter Linux zudem Vuescan [7], an dem der Amerikaner Ed Hamrick seit 1999 arbeitet. Es nutzt eigene und Treiber von Scannerherstellern. Die Software unterstützt unter Linux mehr als 4500 Scannermodelle und ist in zwei Varianten zu haben. Beide bieten das gleiche GUI, unterscheiden sich aber in Funktionsumfang und Verkaufspreis [8].

Kauderwelsch: CIS oder CCD?

Im Fachjargon der technischen Spezifikationen von Scannern jeder Bauart stolpert der Interessent immer wieder über zwei Abkürzungen: CIS und CCD. Beide Begriffe bezeichnen verschiedene Konstruktionen der optischen Lese-Einheiten eines Scanners.

Die CCD-Technologie (Charge Coupled Device) verwendet als Lichtquelle eine Kaltlichtröhre, die das Licht auf ein Prisma leitet, das es in die Grundfarben Rot, Grün und Blau zerlegt. Der CCD-Sensor erfasst dann jede Farbe mit einer eigenen Sensorzeile und konvertiert sie mit lichtempfindlichen Kondensatoren und Wandlern in für Computer lesbare Zahlenwerte.

Bei CIS-Scaneinheiten (Compact Image Sensor) dienen dagegen rote, grüne und blaue Leuchtdioden als Lichtquelle, die das Licht mit einer einfachen Stablinse an den Sensor leiten, der es in Computer-lesbare Signale konvertiert. Die CIS-Scaneinheit ist aufgrund ihrer einfachen Konstruktion deutlich kleiner als eine CCD-Einheit und benötigt auch signifikant weniger Betriebsenergie, liefert jedoch aufgrund der simplen Konstruktion keine Tiefenschärfe. CIS-Scannern können daher keine dicken Vorlagen digitalisieren, zum Beispiel Bücher, weil die nicht flächig plan auf der Glasscheibe des Scanners liegen.

Neben den beiden Quasi-Standards bieten Hersteller von Scannern und Multifunktionsgeräten eigene Frontends an, die in aller Regel Sane als Backend nutzen. Sie bringen zum Teil eigene Module für Sane mit, um erst seit kurzer Zeit am Markt befindliche Hardware auch unter Linux einsatzfähig zu machen.

Probanden

Für die Tests hat sich das Linux-Magazin Geräte aus verschiedensten Anwendungsbereichen angesehen. Die Palette reicht von Multifunktionsgeräten mit Scaneinheit für kleine und mittlere Volumen über dedizierte Scanner für den Einsatz in kleinen Büros bis hin zu zwei äußerst kompakten Modellen für den mobilen Einsatz. Neben Sane und Vuescan berücksichtigt der Test – sofern vorhanden – auch Softwarelösungen der Hersteller. Nicht zum Testfeld gehören spezielle Dokumenten- und mobile Handscanner sowie Barcodescanner. Auch Geräte, die nur Fotos digitalisieren und sich eher an private Anwender richten, fehlen.

Brother DS-820W und DS-920DW

Der mobile Handscanner DS-820W [9] vom japanischen Hersteller Brother kostet rund 185 Euro und ist als Allround-Einzugsscanner mit CIS-Sensortechnologie für den mobilen Anwender konzipiert. Dank eines wechselbaren Lithium-Ionen-Akkus kommt er sogar ohne stationäre Energiequelle aus. Das Gerät kann mit Hilfe eines motorgetriebenen Einzugs einzelne Seiten bis zum DIN-A4-Format einlesen, aber auch Plastikkarten wie Ausweise, Führerscheine oder Kundenkarten digitalisieren.

Ähnlich flexibel agiert das Modell beim Speichern und Übertragen der Daten: Der Scanner redet wahlweise per WLAN oder per USB-Anschluss mit dem Hostrechner. Fehlt der Letztgenannte, gibt es obendrein einen Einschub für eine SD-Speicherkarte, um darauf die digitalisierten Daten abzulegen. So lässt sich der Scanner autark einsetzen.

Für das rund 450 Gramm leichte Gerät bietet Brother Debian- und RPM-Pakete mit Linux-Modulen zum Download an [10]. Sie stehen sowohl für 32- als auch für 64-Bit-Architekturen bereit.

Das fast baugleiche Modell DS-920DW [11] kostet etwa 190 Euro, also nur knapp 5 Euro mehr als das DS-820W. Von seinem kleinen Bruder unterscheidet es sich durch ein etwas größeres Gehäuse mit einer leicht veränderten Anordnung der Bedienelemente sowie die Möglichkeit, beidseitige Scans in einem Rutsch anzufertigen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Äußerlich fast identisch: Brother DS-820W (hinten) und DS-920DW (vorn).

Abbildung 1: Äußerlich fast identisch: Brother DS-820W (hinten) und DS-920DW (vorn).

Dafür steckt in dem kleinen Gerät eine zweite CIS-Scanzeile, die der Nutzer über das Tastenkreuz am Scanner ein- und ausschaltet. Deshalb wiegt der DS-920DW mit etwa 530 Gramm etwas mehr als der Simplex-Scanner.

Die Treibermodule sind für beide Scanner identisch. Größere Infrastrukturen, in denen beide Scanner arbeiten, benötigen also keine gesonderte Modulinstallation für jedes Modell. Die Installation des Treibermoduls klappt denkbar einfach. Der Anwender lädt zunächst ein entsprechendes Deb- oder RPM-Paket herunter. Dann verbindet er den Scanner über ein USB-Kabel mit dem Hostrechner, wechselt auf die Kommandozeile und installiert den Sane-Treiber mit Admin-Rechten über

rpm -ivh --nodeps Paketname

bei RPM-basierten Distributionen und bei Debian-basierten Distributionen über das Kommando:

dpkg -i --force-all Paketname

Ob dieser Schritt das Modul in das System integriert hat, prüft er am Ende, indem er »rpm -qa | grep -e dsseries« respektive »dpkg -l | grep Brother« eingibt.

Hürdenlauf

Im Praxistest zeigten sich jedoch teils gravierende Ungereimtheiten: Die Module ließen sich zwar unter allen Test-Distributionen problemlos installieren, zeigten aber zum Teil unüberwindbare Schwächen. So erkannte Rosa-Linux R8.1 keinen der beiden Scanner, obgleich das Modul korrekt ins System integriert zu sein schien. Der Einsatz der beiden Mobilscanner über die USB-Schnittstelle scheiterte daher unter dem russischen Mandriva-Derivat. Auch das Konvertieren der Deb-Pakete ins RPM-Format über das Programm »alien« brachte keinen Erfolg (Abbildung 2).

Abbildung 2: Brother hat seinen Treiber in der RPM-Version fehlerhaft verpackt, was die Installation stört.

Abbildung 2: Brother hat seinen Treiber in der RPM-Version fehlerhaft verpackt, was die Installation stört.

Anders sah es hingegen unter einem Ubuntu 16.04 LTS und dem auf Debian basierenden Q4 OS (Scorpion) in Version 2.4 aus: Bei ihnen funktionierten die Brother-Scanner auf Anhieb. Sie erzielten mit ganz unterschiedlichen Frontends nicht nur erfreulich gute Scanergebnisse, sondern überraschten auch positiv aufgrund ihrer sehr zügigen Arbeitsgeschwindigkeit.

Weil es sich als schwierig herausstellte, die mobilen Scanner von Brother unter Rosa-Linux zu integrieren, startete der Autor mit weiteren Distributionen beider Paketverwaltungsformate zusätzliche Tests. Dazu zählten Linux Mint 18.1, Mageia 6 und Open Suse Leap 42.2 sowie 42.3. Hinzu kam die neueste Variante von Rosa-Linux Desktop Fresh R10.

Hierbei zeigte sich, dass die Brother-Modelle problemlos mit allen Distributionen harmonieren, die das Deb-Paketformat nutzen, während die Treiberinstallation über das RPM-Paketformat bei keiner Distribution funktionierte.

Mit viel Aufwand gelang es schließlich, die Scanner unter Open Suse Leap 42.3 in Betrieb zu nehmen. Dazu ist es nötig, nach der Treiberinstallation die Datei »/etc/udev/rules.d/55-libsane.rules« mit einem Texteditor zu bearbeiten und am Ende die beiden Zeilen

# Brother
ATTR{idVendor}=="04f9", MODE="0644", GROUP="lp", ENV{libsane_matched}="yes"

zu ergänzen. Nach dem Neustart erkannte das System die Scanner auch ohne Rootrechte, Xsane und Skanlite konnten die Geräte normal verwenden.

Der mit Rootrechten ausgeführte Befehl »scanimage -L« verrät nach der Treiberinstallation, ob auch andere RPM-basierte Distributionen die Brother-Scanner erkennen. Zu bemängeln ist dabei die hoffnungslos veraltete Supportseite von Brother, die längst untergegangenen Distributionen wie Mandriva 2010 oder von Red Hat huldigt [12]. Auch das manuelle Anpassen der Udev-Regeln gilt als wenig zeitgemäß.

Auch Brothers Support Debian-basierter Distributionen gibt Anlass zur Kritik. Zwar funktionierten die bereitgestellten Treiber problemlos, doch führt die Dokumentation in die Irre. Die Supportseiten schlagen diverse Einstellungen vor, die bei aktuellen Varianten längst nicht mehr nötig sind. Eine Entrümpelung und Aktualisierung wäre hilfreich. Überwiegend betreffen die Hinweise nahezu zehn Jahre alte Distributionen, die nirgends mehr im Einsatz sind. Zugleich fehlen aktuellere Linux-Systeme, die ab 2012 auf den Markt kamen.

HP Color Laserjet Pro MFP M477fdw

Hewlett-Packard gehört zu den weltweit führenden Anbietern von dedizierten Scannern und Multifunktionsgeräten mit Scaneinheit. Faktisch deckt das Unternehmen das gesamte Anwendungsspektrum vom Privatanwender bis zum Großunternehmen ab. Dabei unterstützt HP neben einer Fülle anderer Betriebssysteme auch Linux als Plattform.

Mit der permanent auf dem neuesten Stand gehaltenen Anwendung Hplip (Akronym für Hewlett-Packard Linux Imaging and Printing, [13]) steht ein grafisches Frontend bereit, das aufbauend auf Sane und dem Cups-Druckserver auch Multifunktionsgeräte unter einer einheitlichen Oberfläche nutzbar macht. Hplip findet sich seit Jahren in den Software-Repositories faktisch aller führenden Linux-Distributionen und wächst ständig um Treibermodule für die neuesten Modelle von HP.

Der Test schickte zuerst ein aktuelles Multifunktionsgerät der Baureihe Color Laserjet Pro MFP M477fdw [14] für rund 400 Euro auf den Prüfstand. Hinter dem sperrigen Namen verbirgt sich ein leistungsfähiges Multifunktionsgerät mit Drucker, Scanner und Faxgerät, inklusive einer Kopierfunktion. Das Modell eignet sich für ein empfohlenes Druckvolumen von monatlich etwa 4000 Seiten, also für kleinere Abteilungen, Filialbüros und kleine Firmen. Wie bei Hewlett-Packard üblich, tauchen in den Systemvoraussetzungen unzählige Linux-Distributionen auf, zu denen das Modell kompatibel ist (Abbildung 3).

Abbildung 3: HPs Color Laserjet Pro MFP M477fdw unterstützt auch Vuescan.

Abbildung 3: HPs Color Laserjet Pro MFP M477fdw unterstützt auch Vuescan.

Um das erst seit wenigen Monaten erhältliche Gerät mit Hplip zu verwenden, braucht der Anwender die Software ab Version 3.15.11. Erst in ihr stecken die nötigen Module für das Sane-Backend. Insbesondere bei primär als Server-Betriebssystem genutzten älteren Linux-Derivaten wie Debian 8 oder Centos 6 empfiehlt es sich zudem, die angebotenen Updates einzuspielen, da in den Repositories noch ältere Versionen von Hplip stecken.

Ist der Treiber installiert, findet Hplip beim Start meist automatisch ein angeschlossenes und unterstütztes Gerät. Ist dies wider Erwarten nicht der Fall, bietet ein überlagerndes Fenster eine manuelle Konfiguration an.

Da inzwischen viele HP-Drucker und Multifunktionsgeräte über mehrere Anschlussmöglichkeiten verfügen, kann der Anwender Geräte einrichten, die über den USB-Bus, einen Ethernet-Anschluss, per Parallelport oder drahtlos per WLAN mit dem Hostrechner reden. Dazu startet er die Konfigurationsroutine in der grafischen Oberfläche über den Menüpunkt »Device | Setup Device«.

Hplip ermittelt das angeschlossene Gerät und der Admin richtet es in wenigen Schritten fertig ein. Danach erscheint links im Anwendungsfenster in einer schmalen vertikalen Spalte der konfigurierte Neuzugang. Rechts stoßen Anwender in fünf Reitern verschiedene Aktionen an und setzen Statusabfragen ab.

Im Idealfall soll die Installationsroutine den Cups-Druckertreiber für die Drucker- und Kopiereinheit, den zugehörigen Faxtreiber (sofern nötig) und das passende Scannermodul im Hintergrund installieren. Daher erscheinen im ersten Reiter »Actions« auch Einträge zum Drucken und Scannen und zur manuellen Kontrolle der Konfiguration.

Die Installation gelang beim MFP M477fdw zwar ohne Hindernisse, beim ersten Versuch, eine Vorlage einzuscannen, ließ sich der Scanner aber nicht initialisieren. Die Software verlangte nach einem bestimmten Scanner-Plugin, das ein Mausklick problemlos herunterlud (Abbildung 4). Danach erledigte die Scaneinheit ihre Arbeit ohne weitere Komplikationen, wobei die Treiber Sonderfunktionen wie das automatisierte Scannen mehrerer Seiten aus dem Vorlageneinzug sowie Duplex-Scans komplett unterstützten. Im Reiter »Status« zeigt Hplip zudem den Gerätestatus an. Treten beim Einlesen von Vorlagen Fehler auf, erscheinen die hier ebenso.

Abbildung 4: Fehlende Software bemängelt das HP-Werkzeug sofort, um sie dann nach einem Mausklick herunterzuladen.

Abbildung 4: Fehlende Software bemängelt das HP-Werkzeug sofort, um sie dann nach einem Mausklick herunterzuladen.

Digitalisiert der User umfangreiche Vorlagenstapel über den Einzelblatteinzug, kann es helfen, den Status aus der Ferne zu prüfen. So erfährt er ohne Fußmarsch, ob der Scanner einen Auftrag bearbeitet hat. Da das Statusfenster aber auch Meldungen der Druckeinheit ausgibt, gerät die Anzeige bei intensiver Nutzung durch mehrere Anwender etwas unübersichtlich (Abbildung 5).

Abbildung 5: Hplip bietet auch eine Statusabfrage an, um etwa größere Druckaufträge vom Arbeitsplatz aus im Auge zu behalten.

Abbildung 5: Hplip bietet auch eine Statusabfrage an, um etwa größere Druckaufträge vom Arbeitsplatz aus im Auge zu behalten.

Das M477fdw ist zugleich eines der wenigen HP-Geräte, das zusätzlich zu Hplip auch die Scan-Software Vuescan unterstützt. Deren GUI bietet wesentlich detailliertere Dialoge, um angeschlossene Drucker und Scanner einzurichten. Über die Hplip-Funktionen hinaus gestattet sie Bildmodifikationen wie das Drehen der gescannten Vorlage oder Filter- und Farbanpassungen. Bei anspruchsvollen Aufgaben ergibt der Einsatz der kommerziellen Software durchaus Sinn (Abbildung 6).

Abbildung 6: Vuescan nutzt das Leistungsspektrum des M477fdw voll aus, der Einsatz der kommerziellen Software ergibt daher in einigen Fällen Sinn.

Abbildung 6: Vuescan nutzt das Leistungsspektrum des M477fdw voll aus, der Einsatz der kommerziellen Software ergibt daher in einigen Fällen Sinn.

Im Test bestach der MFP M477fdw auch aufgrund seiner hohen optischen Auflösung von 1200 dpi mit einer scharfen und detailgetreuen Wiedergabe der Vorlagen. Auf das Vorlagenglas gelegte Bücher digitalisiert der CIS-Scanner allerdings mit unzureichender Tiefenschärfe, wobei sich die Konstruktion des Dokumenteneinzuges nicht für voluminöse Vorlagen wie dicke Bücher eignet.

HP Scanjet G3110

Eines der getesteten HP-Modelle ohne Hplip-Support ist der Flachbettscanner Scanjet G3110. Er kostet rund 75 Euro, es gibt ihn inzwischen aber nur noch in Restbeständen. Sane-Module fehlen für diesen Scanner mit USB-Anschluss, dafür unterstützt Vuescan ihn sowie weitere Stand-alone-Scanner.

Die Software verwendet die Twain-Konformität des Scanners. Ein manuelles Einrichten ist nicht vorgesehen. Sie erkennt den Scanner nach dem Einschalten automatisch. Nutzt der Vuescan-Anwender aber mehrere Scanner parallel, muss er das richtige Gerät im Auswahlfeld »Quelle« im Programmfenster aussuchen.

Da der Scanjet G3110 auch über eine Durchlichteinheit zum Digitalisieren von Negativen oder Dias verfügt und sich auf anderen Betriebssystemen mit einigen Drucktasten steuern lässt, die sich auf dem Gehäuse befinden, interessiert hier vor allem, inwiefern Vuescan diese Sonderfunktionen verfügbar macht (Abbildung 7).

Abbildung 7: Der Scanjet G3110 ist ein Flachbettscanner konventioneller Bauart mit Durchlichteinheit.

Abbildung 7: Der Scanjet G3110 ist ein Flachbettscanner konventioneller Bauart mit Durchlichteinheit.

Tatsächlich ließ sich der Scanjet G3110 problemlos mit Vuescan nutzen, zeigte jedoch kleine Schwächen: So arbeitet das Gerät beim Einlesen sehr gemächlich und die Funktionstasten auf dem Gerätedeckel arbeiten nicht mit Linux zusammen. Tadellos klappte dagegen der Scanvorgang selbst: Die eingelesenen Inhalte sind unabhängig vom Speicherformat selbst bei sehr schlechten Vorlagen detailreich, scharf und farbecht. Das dürfte auch aus dem Einsatz eines CCD-Scanelementes resultieren.

Vuescan steuert auch den Durchlichtaufsatz ohne Murren korrekt an: So muss der Anwender lediglich in der Software im Reiter »Quelle« im Auswahlfeld »Modus« die Voreinstellung »Flachbett« auf »Transparenz« umstellen. Das schaltet die Lichtquelle der Scanleiste ab und aktiviert den im Gehäusedeckel des Geräts befindlichen Durchlichtaufsatz.

Abbildung 8: Der Scanjet G3110 kommt auch mit dicken Vorlagen klar.

Abbildung 8: Der Scanjet G3110 kommt auch mit dicken Vorlagen klar.

Positiv sticht auch die zeitgesteuerte Abschaltautomatik der Lichtquelle hervor: Liest der Scanner längere Zeit keine Vorlagen ein, schaltet die Software die gerade aktive Lichtquelle ab, damit das Gerät nicht unnötig Energie verschwendet. Da der Scanjet G3110 zudem zuverlässig aus dem Stand-by-Modus aufwacht, lässt sich dem Gerät insgesamt eine sehr gute Unterstützung unter Linux attestieren (Abbildung 8).

Samsung Multi-Xpress X4300LX und K4350LX

Der südkoreanische Mischkonzern Samsung hat sich in den letzten Jahren bei Multifunktionsgeräten einen guten Ruf erworben. Die Palette der angebotenen Modelle reicht von kleinen Systemen für Heimnetze oder kleine Büros bis hin zu großen Standgeräten, auf die mehrere Hundert Mitarbeiter zugreifen (siehe Kasten “Samsung und HP”).

Samsung und HP

Wie die Fachmedien im Herbst 2016 meldeten, hat Hewlett-Packard zum 1. November 2016 die Druckersparte von Samsung übernommen. Dieser Neuigkeit voraus ging bereits eine jahrelange enge Zusammenarbeit der Unternehmen. Hewlett-Packard bezog dabei unter anderem die Druckwerke vieler seiner größeren Multifunktionssysteme von Samsung.

Die Übernahme bedeutet nicht, dass Geräte der Marke Samsung kurzfristig vom Markt verschwinden. Neugeräte mit dem Samsung-Logo soll es auch weiterhin geben, wobei HP mittelfristig die beiden Produktlinien zusammenführen will. Verbrauchsmaterialien und Ersatzteile stehen jedoch auch wie bisher für mindestens fünf Jahre nach Produktionsende einer Baureihe bereit.

Zu den meisten Geräten über alle Leistungsklassen hinweg liefert Samsung bereits seit Jahren passende Linux-Treibermodule mit. Für Workstations, die kleinere Systeme einbinden wollen, bot Samsung zeitweise zusätzlich ein grafisches Frontend an.

Für den Scannertest durfte das Linux-Magazin zwei brandneue große Multifunktionsgeräte von Samsung für Arbeitsgruppen oder Filialen mit mehreren Hundert Mitarbeitern unter die Lupe nehmen: Neben einem System des Typs Multi-Xpress X4300LX für rund 3300 Euro [15] stand ein nahezu baugleiches Gerät des Typs Multi-Xpress K4350LX [16] zur Kompatibilitätsprüfung bereit (etwa 4200 Euro).

Die Geräte unterscheiden sich primär durch verschiedene Druckeinheiten: Der X4300LX hat einen Farblaserdrucker an Bord (Abbildung 9), der speziell für Behörden und öffentliche Einrichtungen konzipierte K4350LX einen Monochrom-Laserdrucker. Ansonsten liefern beide Modelle recht beeindruckende Leistungsdaten: Die Scaneinheiten mit Duplex-Scanzeilen lesen bis zu 120 Seiten pro Minute ein, und zwar bei einer nativen Auflösung von maximal 600 mal 600 dpi. Ein Duplex-Dokumenteneinzug ist serienmäßig vorhanden.

Abbildung 9: Der Samsung Multi-Xpress X4300LX ist für große Infrastrukturen konzipiert.

Abbildung 9: Der Samsung Multi-Xpress X4300LX ist für große Infrastrukturen konzipiert.

Zahlreiche Zubehör-Optionen unterstreichen den professionellen Anspruch der Geräte: Neben einem Unterschrank bringen sie einen automatischen Sorter inklusive Hefter mit. Eine Einheit für das automatisierte Abrechnen von Kopien unterstützt Kreditkartenzahlung, zusätzlich lassen sich weitere Papierzuführungen ergänzen.

Die Zentraleinheit selbst besteht aus einem einzelnen Controller mit einer Zweikern-CPU mit 1 GHz Taktfrequenz, der 2GByte Arbeitsspeicher zur Seite stehen sowie eine 320 GByte umfassende Festplatte für Dokumente und Daten.

Mit ihrer Firmware fallen die Samsung-Geräte jedoch aus dem Rahmen: So setzt Samsung hier auf offene Standards und nutzt eine angepasste und den Sicherheitsbedürfnissen professioneller Anwender entsprechende Android-Version. Dadurch lassen sich die Multifunktionsgeräte über das eingebaute 10,1 Zoll große Touch-Display wie ein herkömmlicher Tablet-PC bedienen. Dank zusätzlich installierbarer Apps sind sie zudem flexibel einsetzbar.

Am Gerät eingescannte Dokumente versenden Nutzer bei vorhandenem Internetzugang mit Hilfe eines Einmal-Passworts und AES-verschlüsselt in die ganze Welt. Das gelingt über eine Peer-to-Peer-Verbindung Geräte-unabhängig, wobei sich die Dokumente wahlweise an einen anderen Rechner, ein Smartphone oder einen Tablet-PC schicken lassen.

Umgekehrt senden externe Geräte bei Bedarf Dokumente an das Multifunktionsgerät, die sich in den Workflow vor Ort einbinden lassen. Für diesen Zweck hat Samsung eigene Programme entwickelt sowie kostenlos erhältliche Add-ons für alle gängigen Webbrowser, so auch für Firefox und Chromium.

Die beiden Testgeräte fielen in dieser Leistungsklasse auch bei der Linux-Unterstützung deutlich aus dem Rahmen: Samsung stellt für die neueren Modelle einen Unified Linux Driver in Gestalt zweier Deb-Pakete (für 32-Bit- und 64-Bit-Architekturen) und eines Tar.gz-Archivs bereit [17]. In dem knapp 15 MByte großen Paket stecken gleichermaßen Module für Drucker und Scaneinheiten.

In das System integriert der Anwender die Systeme, indem er sie in Cups einbindet. Dazu führt er mit Admin-Rechten das Setup-Skript »./install.sh« aus. Sane erkennt die Scaneinheiten anschließend automatisch, wodurch sie jedes Frontend ansteuern kann.

Im Test zeigten die Treibermodule keinerlei Schwächen: Sie erlaubten es, einzelne Scans zu absolvieren und den automatischen Einzelblatteinzug sowie die Duplexeinheit zu nutzen. Vor allem beim Scannen umfangreicher Vorlagen mit vielen Seiten entfaltete der Einzelblatteinzug sein Potenzial: Hier musste der Tester unter Ubuntu 16.04 LTS und Simple Scan auf die Software warten, die nicht mit dem Arbeitstempo des Einzelblatteinzugs mitkam.

Die Scanergebnisse erwiesen sich auch ohne vorherige Kalibrierung des Scanners als farbecht und detailgetreu. Eine von Samsung entwickelte CCDM-MMT-Sensortechnik mit erweiterter Farbwiedergabe und exzellenter Tiefenschärfe erlaubt es zudem, auch schlechte Vorlagen problemlos zu digitalisieren.

Vuescan adressiert zwar vor allem viele kleinere Samsung-Modelle, aber auch einige Business-Geräte. Der Multi-Xpress X4300LX gehört dazu, was aber nicht für die USB-Schnittstelle gilt. An Einzelplatzsysteme lassen sich die Profigeräte mit Vuescan daher nicht direkt anschließen. Wer das Multifunktionsgerät mit Vuescan nutzen möchte, muss es deshalb in ein Netzwerk integrieren [18].

Fazit

Zweifellos ist die Situation bei der Treiberverfügbarkeit für Scanner und Multifunktionsgeräte unter Linux heute deutlich besser als früher. Sane hat sich mittlerweile als Backend zur Ansteuerung der Geräte etabliert. Aus diesem Grund integrieren sich die meisten Frontends, aber auch vom Hersteller entwickelte Treiber in das zugehörige Ökosystem.

Auf Anwender warten trotzdem noch einige Stolpersteine. Vor dem geplanten Kauf eines Multifunktionsgeräts oder Scanners empfehlen sich insbesondere bei Großgeräten ein Funktionstest und die sorgfältige Lektüre der technischen Spezifikationen. Vielfach unterstützen diese zwar Linux, aber nur in bestimmten Anwendungsszenarien. So kann es durchaus vorkommen, dass Scanner nur in Groupware-Lösungen unter dem freien Betriebssystem laufen oder sie nur Support für bestimmte Schnittstellen wie Ethernet liefern.

Nach wie vor gilt auch, dass brandneue Geräte am Markt in der Regel noch einige Wochen Reifezeit benötigen. Erst dann lässt sich davon ausgehen, dass die verfügbaren Linux-Treiber alle im Alltag benötigten Funktionen abdecken.

Gleichwohl ist es erfreulich, dass alle vom Linux-Magazin kontaktierten Hersteller ihren Linux-Support der Realität angepasst haben: Auf Schwächen in ihren Treibern hingewiesen, versicherten sie, diese zügig zu beheben.

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