Die Open Source Monitoring Conference hatte Ende November 2017 weniger Spektakuläres und Originelles zu bieten als frühere Ausgaben, gefiel aber auch mit vielen soliden Informationen.
Legt man das Gartner’sche Modell des Hypecycle zugrunde, dann muss sich Monitoring wohl inzwischen auf dem sanft ausschwingenden Endstück der bekannten Kurve befinden, dem “Plateau of Productivity”, wo die Technologien wie selbstverständlich genutzt werden, ohne dass viel Überraschendes hinzukommt. Das schlägt natürlich auf Konferenzen wie die Open Source Monitoring Conference in Nürnberg durch, die dem Thema über die Jahrzehnte die Treue hielt. Heute steht einer konstanten Anzahl Vortragsslots eine geringer werdende Zahl von Themen mit hohem Neuigkeitswert gegenüber.
Und das wiederum beschert dem Besucher dann Vorträge wie den von Marianne Spillner vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Die Darlegung war eine bloße Aneinanderreihung von Allgemeinplätzen, Selbstverständlichkeiten und Plattitüden. Es hagelte Ratschläge der Güteklasse: Schreibt eine Doku, das ist wichtig! Ein Vortrag, den man sich gut als Werk einer KI vorstellen konnte, die man zuvor mit 3000 Einführungstexten à la “Monitoring für Dummies” trainiert hat. Die entstehende Kompilation ist nicht direkt falsch, aber in etwa so mitreißend wie das Schäfchenzählen vorm Einschlafen.
Lichte Momente
Die Fairness gebietet zu unterstreichen, dass es auch zahlreiche Gegenbeispiele gab: Interessante Referate, die sich um Neues, Überraschendes, Originelles zumindest bemühten. Dazu zählte ein Vortrag von James Shubin über ein Projekt zum Konfigurationsmanagement, das der Red-Hat-Mitarbeiter in seiner Freizeit weiterentwickelt. Shubin hatte sein Tool bereits auf der Schwesterkonferenz OSDC in diesem Jahr vorgestellt, konzentrierte sich nun aber auf andere Aspekte seiner verteilten und parallel arbeitenden Konfigurationsverwaltung.
Recht interessant war auch der Vortrag von Anthony Goddard, VP Operations der in diesem Jahr gegründeten Firma Sensu Inc., über “Monitoring Challenges in a World of Automation”. Deutlich wurde dabei zum Beispiel, dass es nicht nur eine Herausforderung darstellt, in einer dynamisch skalierenden Umgebung neue Systeme ohne Zutun eines Admin in das Monitoring zu integrieren, sondern dass es ebenso wichtig ist, sie vollautomatisch aus der Überwachung zu entfernen, wenn man sie in Perioden geringerer Last wieder abschaltet.
Das Referat über die Neuerungen bei Icinga geriet wie immer zum Highlight, das Bernd Erk humorvoll präsentierte. Jedoch hatte auch er zwar viele Verbesserungen in Einzelheiten zu melden, aber nichts wirklich Spektakuläres. Auch Jochen Lillichs Vortrag über das schon erwähnte Sensu war informativ und gelungen – wenn man davon absieht, dass er ihn 2014 ganz ähnlich am selben Ort schon einmal gehalten hat.
Unter etlichen Erfahrungsberichten aus der Praxis stach der Vortrag von Tobias Kempf und Michael Kraus heraus, weil die Dimensionen außergewöhnlich sind: Es ging um die Einführung eines Monitoring bei einem der größten Handelsunternehmen der Welt mit über 11400 Filialen in 25 Ländern (Lidl und Kaufland), das jetzt 37000 Hosts und 161000 überwachte Services umfasst und in nächster Zeit auf 355000 Hosts und 1500000 Services anwachsen soll. Es versteht sich von selbst, dass da ausgeklügelte Mechanismen alle neu hinzukommenden Geräte automatisch integrieren und konfigurieren müssen.
Auch in diesem Jahr stand auf der Habenseite der Konferenz wieder eine ausgezeichnete Organisation – einschließlich der Gelegenheit zum ausgiebigen Erfahrungsaustausch in gemütlicher Runde am Abend des ersten Konferenztages.






