Auf der Susecon 2017 in Prag positionierte sich Suse mit neuen Produkten, die wie eine Kampfansage an Red Hat mit Open Shift klingen – auch wenn die Verantwortlichen das wohl nie sagen würden.
Dank geschickter Übernahmen und einer Konsolidierung rund um die Containerorchestrierung Kubernetes greift Suse mit seiner Produktpalette inzwischen den Konkurrenten Red Hat direkt an. Während Red Hat früh in neue Technologien wie Docker investierte und seit mehreren Jahren mit Open Shift ein Cloud-Container-Angebot pflegt, schien Suse die IT-Trends Cloud- und Containertechnologie lange zu verschlafen. Nun macht das Unternehmen offenbar Boden gut.
Eigener Containerhafen
Im Rahmen der Susecon, die Ende September in Prag stattfand und zugleich das 25-jährige Firmenjubiläum markierte, hat Suse die Version 2 seiner Container-as-a-Service-Plattform (CaaS) vorgestellt, nur drei Monate nach Version 1. Die unterstützt jetzt den Kubernetes-Paketmanager Helm, mit dem Admins containerisierte Anwendungen identisch bauen und pflegen. Version 2 soll zugleich besser mit den Clouds von Amazon, Google und Microsoft harmonieren.
CaaS ist keine spezielle Technik, vielmehr verbindet der Ansatz verschiedene Initiativen. Dazu gehören Suses Mini-Linux namens Micro OS, die Container-Runtime Docker und die Orchestrierung Kubernetes. Die Grundlage bildet das Community-Projekt Kubic. Suse hat sein Micro OS, das auf SLES basiert, für die Container aktualisiert und Kubernetes auf Version 1.7 gehievt.
Laut Andreas Jaeger, Produktmanager und langjähriger Suse-Angestellter, soll CaaS künftig möglichst nah am Veröffentlichungszyklus von Kubernetes wandeln, da die Technik derzeit noch rapide fortschreite. In diese Kerbe haute auch Michael Miller, der bei Suse unter anderem das Marketing leitet. Noch würden die meisten Unternehmen mit der Technik experimentieren und sich auf deren produktiven Einsatz vorbereiten. CaaS will Suse laut Miller “gemeinsam mit unseren Kunden” weiterentwickeln.
Ebenfalls neu ist, dass sich Suse inzwischen sehr stark in die Upstream-Entwicklung von Projekten wie Kubernetes einbringt. Die Firma kooperiere hier mit einer breiten Community, zu der auch konkurrierende Unternehmen zählen. Das schütze nicht zuletzt Suse-Kunden vor einem Vendor-Lock-in und sei ein wichtiger Teil der Firmenphilosophie: Open Source soll keine reine In-House-Technologie mehr sein, für die es nur einen einzigen Dienstleister gibt.
Dieser Wandel im Ressourceneinsatz manifestiert sich auch im Umgang mit Kubernetes und der PaaS-Lösung Cloud Foundry. Unter dem Begriff Cloud Application Platform (CAP) will Suse eine eigene Distribution mit Cloud Foundry anbieten. Für CAP hat das Team um Ralf Flaxa, dem Engineering-Chef von Suse, die einzelnen Bestandteile von Cloud Foundry mehr oder weniger aufgespalten und containerisiert, sodass Cloud Foundry im Prinzip nur als Sammlung von Anwendungen auf Suses CaaS läuft. CAP soll noch vor Ende 2017 kommerziell verfügbar sein.
Geld von Muttern
Dass Suse Red Hat so schnell Konkurrenz im Cloudgeschäft machen kann, dürfte auch an Micro Focus liegen, zu dem Suse seit etwa drei Jahren gehört. Die Mutter steht finanziell gut da und übernahm zum Beispiel im Herbst 2016 einen Teil der Softwaresparte von HP Enterprise für 8,8 Milliarden US-Dollar. Teile davon – Cloud Foundry und Open Stack – sind bei Suse gelandet und dienen der Firma nun als Cloudbusiness-Fundament.
Laut CEO Nils Brauckmann habe Suse im vergangenen Jahr zudem rund 300 Mitarbeiter eingestellt und im Frühjahr die Marke von mehr als tausend Angestellten überschritten. All das weist auf einen deutlichen und auch aggressiven Wachstumskurs hin, der Suse auch für die kommenden 25 Jahre absichern könnte.






