Aus Linux-Magazin 01/2017

Open Stack Summit Barcelona 2016

© Kendall Waters (OpenStackFoundation)

Mit rund 5200 Teilnehmern aus 70 Ländern belegte der Open Stack Summit 2016 in Barcelona, dass die freie Cloudtechnologie weiterhin ein Publikumsmagnet ist.

Das Centre de Convenciones Internazional de Barcelona (CCIB) beherbergte Ende Oktober eine Woche lang den Open Stack Summit [1], der im halbjährlichen Rhythmus den jeweils neuen Releases des Cloudstacks folgt. Die Newton-Release galt damit als offizieller Anlass zur Zusammenkunft, zu der die Open Stack Foundation geladen hatte.

Elefantentreffen

Gefolgt waren diesem Ruf Branchengrößen wie IBM, Rackspace, Deutsche Telekom, Mirantis, Intel, Suse, Red Hat, HP Enterprise, Huawei und noch einige mehr. Die Veranstalter zählten insgesamt 936 Firmen, die durch Repräsentanten in Spanien vertreten waren, und Besucher aus insgesamt 69 Ländern. Zu den am besten vertretenen Nationen zählten die USA, gefolgt von Deutschland, Großbritannien und Spanien.

Die Foundation hat zudem vier neue Mitglieder gewonnen, die den Status “Gold Member” einnehmen, sagte Mark Collier, Chief Operating Officer bei der Foundation. Darunter auch die Telkos Deutsche Telekom und China Mobile.

Mark Collier hob die vier Eckpfeiler der Open-Stack-Philosophie hervor: Open Source, Open Development, Open Community, Open Design. An Newton hätten 2000 Entwickler aus 50 Ländern beigetragen. Und die Firmen sind auf der Suche nach weiteren Experten, an nahezu jedem Stand im Ausstellerbereich war der Hinweis “We’re hiring” zu sehen .

Erfolgsrezept

Die Zusammenarbeit von Konkurrenten und der Community an einer gemeinsamen Sache sei der Schlüssel zum Erfolg von Open Stack, sagte der Executive Director der Open-Stack-Stiftung, Jonathan Bryce, in seiner Keynote in Barcelona. Es gelte nun die eventuell noch vorhandene kulturellen Barrieren bei Firmen zu überwinden, um erfolgreiche, angepasste Lösungen für andere Anwender verfügbar zu machen.

Nächste Stufe

Für Bryce liegt die nächste Stufe der Cloudtechnologie (Abbildung 1) bereits eine Ebene höher: Multi-Cloud sei die kommende Herausforderung. In einer Live-Demonstration während der Keynote war der spontane Zusammenschluss mehrerer in Europa verteilter Open-Stack-Clouds zu sehen. Die Open-Stack-eigene CI-Infrastruktur, die sich über diverse Cloudanbieter erstreckt, musste dafür im Live-Betrieb herhalten. Das Infrastruktur-Team ist selbst einer der größten Open-Stack-Anwender. Das Netz arbeitet 2000 Jobs pro Stunde ab.

Abbildung 1: Jonathan Bryce sieht Multi-Clouds als nächste Stufe.

Abbildung 1: Jonathan Bryce sieht Multi-Clouds als nächste Stufe.

Am Rande der Konferenz war von Teilnehmern bereits die Einschätzung zu hören, dass die Zahl der Projekte, die der Marketplace und das Ökosystem rund um die Kerntechnologie inzwischen beherbergen, ein überschaubares und für Anbieter gegebenenfalls auch supportbares Maß langsam überschreite.

Fokussierung

Die Open Stack Foundation zeigte sich deshalb bemüht, auf die Core-Technologie zu verweisen und auch auf die zum Kern zählende Software. Deren Zahl, so Jonathan Bryce, sei mit den sechs Kernprojekten und 13 Subprojekten nicht überbordend.

Jörn Kellermann von T-Systems, das die auf Open-Stack-basierte Open Telekom Cloud anbietet, zeigte sich bei einer der Keynotes der Konferenz begeistert von der Arbeit der Community. Er plädierte aber auch an die Entwickler – für einen Telekom-Manager nicht ganz überraschend – auf Carrier-Grade-Qualität zu achten, Interoperabilität zu wahren und Fragmentierung zu vermeiden. Die Deutsche Telekom selbst, so Kellermann, investiere in die Standardisierung der Technologie und gäbe so ihren Teil an die Community zurück.

Versionskontrolle

Dass sich die Open-Stack-Softwarewelt alle halbe Jahre dreht und eine neue Version erscheint, sorgt unter der Open-Stack-Kundschaft (Abbildung 2) anscheinend immer wieder für Sorgen wegen der Interoperabilität der Versionen. Diese Zweifel haben Don Rippert von IBM auf die Idee gebracht, eine Interoperabilitäts-Challenge (Abbildung 3) zu starten.

Abbildung 2: Der Ausstellerbereich in Barcelona war gut besucht.

Abbildung 2: Der Ausstellerbereich in Barcelona war gut besucht.

16 Teilnehmer aus dem Mitgliederpool von Open Stack traten mit ihren Lösungen an, um zu zeigen, dass die für diese Challenge gestellte Aufgabe über die verschiedenen Systeme zu den gleichen Ergebnissen führt. Es galt dabei, ein gemeinsames Toolset, Docker Swarm und eine LAMP-Stack-App auf dem jeweiligen Service zu installieren. Alle Teilnehmer erfüllten die Aufgabe.

Abbildung 3: Challenge: 16 Teilnehmer aus dem Open-Stack-Umfeld traten zum Interoperabilitätstest an.

Abbildung 3: Challenge: 16 Teilnehmer aus dem Open-Stack-Umfeld traten zum Interoperabilitätstest an.

Im Gespräch mit dem Linux-Magazin sagte Jonathan Bryce, dass die Teilnehmer verschiedene Open-Stack-Versionen einsetzten, der Ubuntu-Teilnehmer etwa Newton, andere Mitaka und Liberty. Der Executive Director der Open Stack Foundation sah damit die Interoperabilität belegt. Zudem bleibe das API-Set von Open Stack ein Jahr lang gleich und werde ausgiebig getestet, betonte er. Mit Referenzarchitekturen versuche die Foundation auch, den Schritt in die Open-Stack-Umgebung zu vereinfachen.

Infos
  1. Open Stack: http://www.openstack.org
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