Zum nunmehr zweiten Mal veranstaltete die B1 Systems GmbH im Juni 2016 in Köln eine Open-Stack-Konferenz, vorwiegend für deutsche Anwender.
Open Stack – das steht oft für größere Projekte in größeren Firmen, denen auch ein entsprechendes Budget zur Verfügung steht. Ein Umstand, der auch auf das Publikum der zweiten Open Stack Days Ende Juni in Köln abfärbte: Der sonst auf IT-Konferenzen häufig zu beobachtende Admin-Bastler mit Rucksack und Fosdem-T-Shirt war in der Unterzahl, seine Chefs dominierten das Bild. Dresscode Business Casual, Langarm, bügelfrei, hellblau, mit eigenem Büro.
Die Vorträge jedoch waren keinesfalls überwiegend der Managerperspektive verhaftet, sondern boten oft durchaus handfeste Technik – allerdings mit der Einschränkung, dass in den allermeisten Fällen Hersteller oder Dienstleister über eigene Produkte oder Projekte sprachen. Die wirklich unabhängigen Stimmen waren selten. Dazu kam noch, dass sich jeder zweite Referent auf offener Bühne als Headhunter versuchte, was man immerhin als Indiz für die Aufbruchstimmung in der Open-Stack-Community deuten mag.
Die Stimmung einer Pionierzeit spiegelte sich auch in der Themenwahl wider: Erste Erfahrungen wurden bilanziert – etwa von VW, der Metro-Gruppe oder dem CERN – und es kamen Probleme zur Sprache, für die noch grundsätzliche Lösungen gesucht werden: Sicherheit in Open Stack, Rechteverwaltung in Open Stack oder die automatische Abrechnung des Ressourcenverbrauchs.
Einige Stichworte kamen mehrfach aufs Tapet, etwa Open Stack und Container. Diese Entwicklung hob schon Clemens Hardewig (Deutsche Telekom) in seiner Keynote hervor und Sebastian Schmidt (EMC) vertiefte es mit einem Referat über Stateful Container mit Open Stack und Docker. Ein anderes, mehrfach beackertes Feld ist Open Stack und Netzwerke. Darüber sprach etwa Tom Schwaller (VMware) unter dem Motto Scalable-Open-Stack-Netzwerke mit NSX in gemischten KVM/ESX-i-Umgebungen. Auch die Hersteller Arista oder Brocade referierten über Netzwerkthemen.
Ein modischer Begriff aus den Wortschmieden der Beratungsunternehmen, der mehrmals fiel, ist: Bimodale IT. Gemeint ist der Spagat zwischen klassischer hergebrachter, kostenoptimierter IT, auf die der Anwender nicht verzichten kann, und neuer agiler, hoch skalierbarer IT. Bei letzterer, unter die selbstredend auch Open Stack fällt, verortet man die Zukunft, auch wenn die meisten ihr Brot- und-Butter-Geschäft einstweilen noch mit ersterer bestreiten.
Gegen Ende der Veranstaltung verhalf Thore Bahr von Suse ungewollt noch zu einer Gelegenheit zum Schmunzeln. Sein Vortrag firmierte unter der Überschrift “Zuhause im Glück – Haustiere in Open Stack?!” und stellte auf die bekannte Analogie zu Pets und Cattle ab. Demnach sind pflegebedürftige Haustiere das Synonym für individuelle Rechner, wogegen die gleichartigen VMs einer in die Breite skalierenden Umgebung mit Herdentieren zu vergleichen seien.
So weit, so gut. Doch verhedderte sich der Referent dabei heillos in seiner eigenen Argumentation, verwechselte auf mehreren Folien die Begriffe und musste sein Publikum jedes Mal bitten, das Gegenteil von dem zu denken, was es las. Diese Demonstration von Kompetenz und Sorgfalt kontrastierte peinlich längere Passagen Suse-Werbung im selben Vortrag.






