Aus Linux-Magazin 09/2016

Office-Pakete im Test

© stockfotoart, 123RF

Im Büro spielen die Interoperabilität und die Kooperationsfähigkeit einiger Anwendungsprogramme eine gewichtige Rolle. Die Bitparade nimmt sich vier große Office-Suiten für Linux zur Brust und prüft, wie gut diese mit Fremdformaten zurechtkommen.

Office-Suiten gehören zu den am häufigsten genutzten Programmen überhaupt. Daher packt jede Desktop-Linux-Distribution sie beim Installieren mit auf die Festplatte. Doch während sich die Funktionen der freien Textverarbeitungen, Präsentationsprogramme und Tabellenkalkulationen jenseits der Microsoft-Welt kaum unterscheiden, wollen die integrierten Programme durch Zusatznutzen und eigene Bedienkonzepte beim Anwender punkten.

Zwei Schlüsselfragen dabei lauten, wie kompatibel sie zu den Microsoft-Formaten sind und ob industrielle Anbieter Support für sie leisten. Sie entscheiden wesentlich über den Erfolg oder Misserfolg eines Office-Produkts mit.

In der Bitparade treten Libre Office 5.0.6 [1], Apache Open Office 4.1.2 [2], Softmaker Office Professional 2016 [3] und WPS Office 10.1.0.5672 [4] an, um ihre Praxistauglichkeit in historisch gewachsenen Umgebungen mit ursprünglich anderen Office-Suiten unter Beweis zu stellen (Tabelle 1). Neben der Interoperabilität untersucht der Artikel zudem Oberflächliches: Die besten Konvertierungsfilter für fremde Dateiformate nutzen wenig, wenn das Office-Programm kaum zu bedienen ist und daher Anwender die Software nur zögerlich einsetzen.

Tabelle 1

Office-Lösungen im Vergleich

Merkmale

Open Office

Libre Office

Softmaker Office

WPS Office

Lizenz

LGPL

Mozilla Public License

proprietär

proprietär

Versionsnummer

4.1.2

5.0.6

Professional 2016

10.1.0.5672

Textverarbeitung

ja

ja

ja

ja

Tabellenkalkulation

ja

ja

ja

ja

Präsentationen

ja

ja

ja

ja

Datenbank

ja

ja

nein

nein

Zeichenprogramm

ja

ja

nein

nein

Formeleditor

ja

ja

nein

nein

Rechtschreibprüfung

ja

ja

ja

ja

Zusatzlexika

nein

nein

ja

nein

Eigene Makrosprache

ja

ja

ja

ja

Vorlagenverwaltung

ja

ja

ja

ja

PDF-Export

ja

ja

ja

ja

Epub-Export

nein

nein

ja

nein

MS-Office-Import

ja

ja

ja

ja

ODF-Format-Import

ja

ja

ja

nein

MS-Office-Export

ja

ja

ja

ja

ODF-Format-Export

ja

ja

ja

nein

Preis

kostenlos

kostenlos

60 Euro (Standard)

kostenlos (Linux), 77 Euro (Professional)

Auch das Kommentieren von Texten ist in vielen Unternehmen an der Tagesordnung, es sollte intuitiv und paketübergreifend klappen. Der Artikel berücksichtigt zudem, wie weit die Oberflächen der Office-Suiten gängigen Standards entsprechen und wie schnell Durchschnittsnutzer damit zurechtkommen.

Last but not least betrachtet der Test, wie gut sich die Testkandidaten in bestehende Unternehmensinfrastrukturen einfügen. Dabei steht und fällt der Nutzen einer Büroanwendung mit den Schnittstellen, die Drittanbieter für das Office-Programm bereitstellen, damit es Teil einer integrierten Lösung werden kann.

Formatchaos

Auf den nach Marktanteilen führenden Betriebssystemen Windows und OS X hat sich Microsoft Office als Standard fest etabliert. Die Redmonder haben im Laufe der Jahre nicht nur viele neue Office-Versionen, sondern auch modifizierte Dateiformate eingeführt: Office-Dokument ist nicht gleich Office-Dokument. Fehlt die Abwärtskompatibilität, können User neue MS-Office-Dokumente nicht mehr auf älteren Versionen öffnen.

Die alternativen Bürosuiten müssen eine Vielzahl von MS-Office-Formaten unterstützen, um universell von Nutzen zu sein. Neue Konvertierungsfilter zu entwickeln ist für die Programmierer dabei alles andere als trivial: Vom so genannten Office-Open-XML-Format (OOXML) gibt es drei unterschiedliche, zueinander inkompatible Standards, und die Formatspezifikationen umfassen mehr als 6000 Seiten [5].

Ein weiteres Problem ergibt sich aus den verschiedenen Skript- und Makrosprachen für die in Dokumente eingebetteten Makros: Während Microsoft auf seinen VBA-Dialekt setzt (Visual Basic for Applications), nutzen Libre Office und Open Office zwar ebenfalls Basic-Code, verwenden jedoch eine andere Methodik und unterschiedliche Objekte. Auch die anderen Probanden stellen eigene Basic-Dialekte als Makro- und Skriptsprache bereit, sodass es bei Dokumenten mit Makros in einem MS-Format in aller Regel nicht ohne Reibereien abgeht.

Apache Open Office

Zuerst steigt Apache Open Office (AOO, [2]) in den Ring. Die Bürosuite zählt mit ihren Ursprüngen im Jahr 2000 zu den ältesten alternativen Office-Paketen größeren Umfangs. Die ersten Versionen basierten gar auf dem Quellcode von Star Office, das die Hamburger Firma Star Division seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelte.

Open Office steuerte 1999 mit dem Verkauf der Firma an Sun Microsystems und 2009 an Oracle auf eine wechselvolle Geschichte zu. In den letzten Jahren hat der einstige Shooting Star unter den Bürosuiten massiv an Präsenz auf dem Markt verloren. Zugleich schrumpfte die Entwickler-Community signifikant, nachdem der neue Eigentümer Oracle durch restriktive Lizenzbedingungen im Jahr 2010 viele freie – und zugleich sehr engagierte – Programmierer massiv vor den Kopf stieß. Sie wanderten in Scharen zu der neu gegründeten Document Foundation ab und arbeiteten an dem aus Open Office abgeleiteten Büropaket Libre Office weiter.

Obwohl Oracle im Jahr 2012 die Open-Office-Rechte an die Apache Software Foundation [6] übergab, gelang es nicht, den Aderlass an qualifizierten Mitarbeitern wettzumachen, weshalb neue Releases von Open Office nur zögerlich erscheinen. Die aktuelle Version 4.1.2 ist seit Ende Oktober 2015 zu haben [7]. Für Linux gibt es Apache Open Office als vorkompiliertes Tar.gz-Archiv für 32- und 64-Bit-Architekturen [8]. Das nur rund 170 MByte große Archiv enthält je nach Plattform RPM- oder Deb-Pakete (32 und 64 Bit), zielt also auf die großen Linux-Paketverwaltungssysteme ab und liegt in vielen Sprachen vor.

Im Test fiel jedoch die 64-Bit-RPM-Variante unter Rosa Linux Desktop Fresh R7 durch: Hier ließ sich das Paket zwar installieren, jedoch nicht starten. Da der Autor keine aussagekräftigen Log-Einträge für die Ursache des Fauxpas fand, ließ er AOO auf dem russischen Mandriva-Abkömmling außen vor.

Nach der erfolgreichen Installation findet der User in seiner Menüstruktur im Unterordner »Büroprogramme« einige neue Einträge: Open Office legt für jedes einzelne Modul einen eigenen Starter an und noch einen für den Auswahlbildschirm, über dessen Oberfläche er die einzelnen Applikationen per Mausklick auswählt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Open Office bietet beim Start einen Auswahlbildschirm.

Abbildung 1: Open Office bietet beim Start einen Auswahlbildschirm.

Als ausgewachsenes Büropaket liefert Open Office zusätzlich zu den drei Standardanwendungen Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationsprogramm auch eine Datenbank und einen integrierten Formeleditor für mathematisch-naturwissenschaftliche Formeln mit. Außerdem ist mit Draw ein Vektor-basiertes Zeichenprogramm integriert. Die einzelnen Komponenten der Bürosuite verknüpfen dabei Daten untereinander und tauschen sie aus, externe Konvertierungen sind nicht nötig.

Oberfläche

Apache Open Office bringt eine zeitgemäße Oberfläche ohne Schnörkel und Gimmicks mit. Da IBM den Quellcode seiner im Jahr 2012 eingestellten Office-Suite Lotus Symphony zwei Jahre später an das Apache-Projekt übergab, hat das freie Büropaket von deren innovativem Bedienkonzept profitiert: Als eines der ersten großen Büropakete erhielt Open Office eine am rechten Bildschirmrand befindliche, ein- und ausklappbare Sidebar, die moderne Breitbild-Displays platzmäßig wesentlich besser ausnutzt als ältere Büro-Applikationen [9]. Die Sidebar stellt kontextsensitiv Formatierungen, Vorlagen oder Grafiken bereit und erspart dem Anwender den Umweg über die herkömmliche Menüleiste. Er kann die oben im Programmfenster horizontal angeordnete Symbolleiste auf Wunsch individuell anpassen, kann selten oder nie benötigte Funktionen entfernen und häufig genutzte in die Leiste integrieren (Abbildung 2). Das klappt übrigens auch bei den Mitbewerbern.

Abbildung 2: Die Oberfläche von Apache Open Office 4.1.2 nutzt den zur Verfügung stehenden Platz auf dem Monitor dank der Sidebar optimal aus.

Abbildung 2: Die Oberfläche von Apache Open Office 4.1.2 nutzt den zur Verfügung stehenden Platz auf dem Monitor dank der Sidebar optimal aus.

Dateiformate

Apache Open Office nutzt als Standard-Dateiformat das 2006 in Version 1.0 normierte Open Document Format (ODF). Zudem bringen die Komponenten der Bürosuite eine stattliche Anzahl an Konvertierungsfiltern mit: So importiert und exportiert die Textverarbeitung Writer neben einfachen Textformaten auch alle gängigen Microsoft-Word-Formate.

Im Praxistest musste Open Office hier jedoch erheblich zurückstecken: Die Beispieldokumente im älteren Microsoft-Word-Format (Endung ».doc« ) importierte die Textverarbeitung zwar, aber aufgrund der integrierten Bilder und Grafiken blieb das Ergebnis unbefriedigend und änderte sich das gesamte Layout der jeweiligen Dokumente.

Einen weiteren Schwachpunkt bildet die Fontverwaltung von Open Office. Sind bestimmte Schriften nicht installiert, ersetzt die Bürosuite sie durch ähnliche, was aufgrund unterschiedlicher Laufweiten ebenfalls zu verschobenen Absätzen und fehlerhaften Zeilenumbrüchen führen kann. Es empfiehlt sich, vor dem Einlesen von Dokumenten die passenden Schriftarten – soweit diese bekannt sind – systemweit zu installieren.

Auch Tabellen bringen die freie Bürosuite beim Import von Fremdformaten aus dem Tritt: Veränderte Schriftgrößen sorgen nach dem Einlesen einer Tabelle mitunter dafür, dass Open Office Spalten und Zeilen überschreibt oder verrückt, was die gesamte Tabelle unleserlich macht. Dieses Manko gleicht der User aus, indem er die Bereiche markiert und die Schrift verkleinert.

Mit komplexen Dokumenten in dem 2007 eingeführten Office-Open-XML-Format von Microsoft (mit der Extension ».docx« ) tat sich Open Office im Test ebenfalls schwer. Beim Einlesen eines Arbeitsblatts für die Grundschule unterschlug es Bilder, Grafiken und Raster komplett, das Dokument wurde praktisch unbrauchbar (Abbildung 3).

Abbildung 3: Glatt durchgefallen: Komplexe DOCX-Dokumente überfordern Open Office.

Abbildung 3: Glatt durchgefallen: Komplexe DOCX-Dokumente überfordern Open Office.

Anwender des alten Star Office, die noch Dokumente in Formaten mit den Endungen ».sdc« , ».sdd« und ».sdw« nutzen, können diese bereits seit Apache Open Office 4.0 nicht mehr lesen und schreiben. Abhilfe schafft hier das Installieren einer portablen Version der Bürosuite [10], die diese Formate noch importiert und exportiert. Ein User kann die portable neben die aktuelle Version auf dem lokalen Massenspeicher installieren. Er sollte aber beachten, dass die Tar.gz-Archive der portablen Variante unter Linux nicht für alle Hardware-Architekturen bereitstehen und gelegentlich auch nicht für beide große Paketverwaltungen. Das lässt sich aber aus den Paketnamen ersehen.

Kollaborativ

Fremddokumente mit integrierten Kommentaren mehrerer Bearbeiter liest Apache Open Office dagegen problemlos ein. Es stellt die Kommentare am rechten Bildschirmrand mit einem Verweis, dem Namen des Kommentators und verschiedenen Farbgebungen für die Kommentare sehr übersichtlich dar. Über ein kleines Auswahlmenü bearbeitet der User auf Wunsch jeden Kommentar.

Schnittstellen

Aufgrund seiner plattformübergreifenden Verfügbarkeit und seines Bekanntheitsgrades unterstützen viele spezielle Branchenlösungen Open Office über angepasste Schnittstellen. So integriert sich die freie Bürosuite problemlos in den ERP-Boliden von SAP, da dieser eine Schnittstelle zu dem hauseigenen Datenbank-Backend Max DB bereitstellt [11]. Auch die Datev als führender Dienstleister für Steuerberater und Buchhaltungsabteilungen in Unternehmen bietet Schnittstellen zu Open Office an, wobei mehrere Module der betriebswirtschaftlichen Software aus Nürnberg das Büropaket unterstützen.

Der deutsche Anbieter Actiware bietet mit dem Awas-Actiware Active Server eine Integrationslösung an, dank der unterschiedliche Branchenpakete mit Open Office kooperieren. Dessen Modul »Office Integration« kooperiert herstellerunabhängig mit nahezu jeder Unternehmenslösung und gewährleistet damit den Datentransfer zwischen betriebswirtschaftlicher Software und Büropaket.

Libre Office

Die Document Foundation pflegt das im Jahr 2010 von Open Office abgespaltete Produkt Libre Office [1] und entwickelt es weiter. Die Bürosuite ist aktuell in nahezu allen größeren Linux-Distributionen der Standard und plattformübergreifend verfügbar. Obwohl die ursprüngliche Codebasis von Open und Libre Office fast identisch ist, haben sich beide Büropakete aufgrund lizenzrechtlicher Probleme im Laufe der Jahre immer weiter voneinander entfernt.

Für den Anwender ist dies kein Problem: Da beide Suiten das Open-Document-Format als Standard nutzen, ist es sogar möglich, in heterogenen Umgebungen ohne Abstriche mit beiden Büropaketen simultan zu arbeiten. Allerdings entwickelt sich Libre Office inzwischen weit agiler als Open Office, auch die Community unterstützt es besser.

Oberfläche

Libre Office 5.0.6 bietet eine funktional ähnliche Oberfläche wie Open Office, die nur im Erscheinungsbild anders wirkt. Sie übernimmt die Open-Office-Sidebar in modifizierter Form.

Anders als bei Open Office, bei dem der User stets alle Komponenten installiert, spielen die Linux-Distributionen teilweise nur einzelne Komponenten ein, primär die Textverarbeitung Writer, die Tabellenkalkulation Calc sowie das Präsentationsprogramm Impress. In den Software-Repositories vieler Linux-Distributionen finden sich außerdem Erweiterungen, die den Funktionsumfang des Office-Programms erhöhen und die der Nutzer bei Open Office inzwischen manuell nachinstallieren muss (Abbildung 4).

Abbildung 4: Libre und Open Office ähneln sich auch in der Bedienung sehr.

Abbildung 4: Libre und Open Office ähneln sich auch in der Bedienung sehr.

Aufgrund der großen Ähnlichkeit zu Open Office besteht für Umsteiger auf Libre Office kaum Einarbeitungsbedarf – selbst die Programm-Module der Suite heißen wie in Open Office. Auffallend ist aber, dass Libre Office im direkten Vergleich ein deutlich flüssigeres Arbeiten ermöglicht: Nicht nur starten die einzelnen Module schneller, es öffnet auch große Dateien spürbar fixer.

Formatsache

Im Test mit aufwändig gestalteten Arbeitsblättern im Microsoft-Word-Format konnte Libre Office weder bei der älteren noch der aktuellen Formatvariante komplett überzeugen: Wie auch schon Open Office stellt es Schriften teilweise fehlerhaft dar, zeigt Platzhalter versetzt im Dokument an und gibt den Tabellensatz an einigen Stellen nicht korrekt wieder. Immerhin zeigen die Konvertierungsfilter von Libre Office überhaupt Grafiken im Dokument an (Abbildung 5). Während es auch einfach gestaltete Dokumente noch einwandfrei importiert, muss der User allerdings bei komplexer aufgebauten Layouts zeitraubend manuell nachbearbeiten.

Abbildung 5: Libre Office kommt mit DOCX-Dokumenten besser zurecht, aber auch nicht wirklich gut.

Abbildung 5: Libre Office kommt mit DOCX-Dokumenten besser zurecht, aber auch nicht wirklich gut.

Im direkten Vergleich mit dem Konkurrenzprodukt von der Apache Software Foundation punktet Libre Office mit einer deutlich größeren Anzahl von Import- und Exportfiltern. Diese lesen problemlos auch einige betagtere Formate ein. Zusätzlich ist ein ausgereifter und in Büros unverzichtbarer Exportfilter für das weit verbreitete PDF-Format integriert.

Kommentare

Bei der für kollaboratives Arbeiten an Dokumenten wichtigen Kommentarfunktion fällt Libre Office im Vergleich zu Apache Open Office allerdings spürbar ab. Es hebt Anmerkungen abhängig von der kommentierenden Person farblich hervor und verweist auch korrekt auf die entsprechenden Textstellen im Originaltext. Aber anschließend verschluckt sich die populäre Bürosuite stellenweise an vorhandenen Kommentaren und zeigt diese nicht an. Das Problem tritt vor allem bei Seitenumbrüchen auf. Zudem wechselt Libre Office innerhalb der Kommentare ohne Anlass gelegentlich die Schriftart, was Leser verwirren dürfte. Diese Fehler schmälern den Nutzen des Büropakets bei Tätigkeiten im Team erheblich.

Schnittstellen

Aufgrund des standardisierten Open-Document-Formats, das auch Libre Office verwendet, funktionieren die von Drittentwicklern ursprünglich für Open Office geschriebenen Schnittstellen auch in Libre Office weitgehend. Daher lässt sich die Bürosuite in den meisten Fällen an ERP-Lösungen im Unternehmen problemlos anbinden.

Softmaker Office

Als dritter Kandidat tritt im Test des Linux-Magazins Softmaker Office Professional 2016 [3] der gleichnamigen Nürnberger Softwareschmiede an. Das proprietäre Office-Paket in Version 757.0510 ist in einer Standard- und einer Professional-Variante für mehrere Plattformen erhältlich [12]. Neben dem Office-Paket bietet das Unternehmen auch verschiedene Font-Pakete an.

Die Ursprünge von Softmaker Office liegen im Jahr 1987, damit gehört es zu den Dinosauriern unter den Büropaketen. Die Suite enthält Applikationen für die drei wichtigsten Anwendungsbereiche: die Textverarbeitung Textmaker, die Tabellenkalkulation Planmaker und das Präsentationsprogramm Presentations. Die in früheren Jahren angebotene Datenbank Datamaker ist nicht mehr an Bord. Eine Linux-Variante des Pakets gibt es seit 2003, sie hat seitdem mehrere Produktzyklen durchlaufen.

Die Bürosuite ist als 30-Tage-Testversion in einem rund 325 MByte großen Binärpaket für Systeme mit Deb- oder RPM-Paketverwaltung erhältlich. Hinzu kommt eine Variante mit einem Shell-Installer. Die Testversion kann der User nach dem Kauf durch die Eingabe einer Lizenznummer dauerhaft installieren.

Oberfläche

Softmaker Office orientiert sich in seiner Oberflächengestaltung an den gängigen Standards, wobei es ebenfalls eine Sidebar mitbringt, um Breitbild-Monitore besser auszunutzen.

Im Vergleich mit den beiden freien Office-Lösungen fällt das rasante Arbeitstempo auf, mit dem das Nürnberger Büropaket zu Werke geht: So starten die einzelnen Module nicht nur schneller als bei den freien Mitbewerbern, die Suite scrollt in langen Dokumenten auch flüssiger und absolviert selbst Suchläufe in großen Texten oder umfangreichen Tabellen in kürzester Zeit.

Sprachsupport

Das Erscheinungsbild des Pakets passt der User individuell an, es bietet standardmäßig alle nötigen Funktionen für den täglichen Einsatz. Einige Alleinstellungsmerkmale offenbart die unauffällige Bürosuite erst beim Durchsehen der Menüs: In der Professional-Variante bringt Softmaker Office neben einem optisch angepassten Zusatzmodul verschiedener Duden-Wörterbücher auch mehrere Lexika aus dem Hause Langenscheidt mit (Abbildung 6).

Abbildung 6: Softmaker Office tanzt durch integrierte Nachschlagewerke aus der Reihe.

Abbildung 6: Softmaker Office tanzt durch integrierte Nachschlagewerke aus der Reihe.

Konkret steht dem User ohne Zusatzinstallation ein deutsches Fremdwörter- und ein deutschsprachiges Universalwörterbuch zur Wahl, aber auch englische, französische, spanische und italienische Übersetzungshilfen. Die intuitive Oberfläche der Nachschlagewerke erfordert keine Einarbeitung. Für Schreibkorrekturen nutzt Softmaker Office die auch in Open und Libre Office eingesetzten freien Hunspell-Orthografie-Prüfungen.

Die Nürnberger Office-Suite verwendet als Standarddateiformat eine hauseigene Variante, importiert und exportiert jedoch auch die gängigen Formate aus der Microsoft-Welt. Einfache Textdateien erzeugt Softmaker Office ebenso wie ODF-Dokumente, sodass es Daten auch mit Libre Office und Open Office austauschen kann. Das Paket exportiert bestehende Dokumente zudem ins PDF- und – zum Einsatz auf E-Book-Readern – ins freie Epub-Format.

Besonders beim Bearbeiten komplexer älterer MS-Office-Dokumente punktet Softmaker Office im Test. Manuelle Eingriffe waren weder bei anspruchsvollen Layouts noch bei umfangreichen Tabellen erforderlich. Nicht vorhandene Fonts ersetzte es durch stimmigere Alternativen als die Konkurrenz.

Es stolperte jedoch beim korrekten Einlesen von Dokumenten im OOXML-Format. Grafiken, Tabellen und spezielle Absatzformatierungen wurden zwar weitgehend korrekt importiert, Platzhalter aber nicht vollständig übernommen. Auch vordefinierte Symbole stellten die Konvertierungsfilter vor Probleme. Dennoch hielt sich die manuelle Nachbearbeitung in Grenzen – so zog die Bürosuite an Libre und Open Office vorbei (Abbildung 7).

Abbildung 7: Bei komplexen DOCX-Dokumenten zeigt auch Softmaker Office noch Optimierungsbedarf.

Abbildung 7: Bei komplexen DOCX-Dokumenten zeigt auch Softmaker Office noch Optimierungsbedarf.

Teamwork

Die Konvertierungsfilter von Softmaker Office übernehmen aus anderen Dateiformaten auch Kommentare in Dokumente. Die Darstellungsform erweist sich aber als gewöhnungsbedürftig: Wie bei den anderen Probanden stellt es die Kommentare rechts vom eigentlichen Text mit farbig hervorgehobenem Verweis dar, allerdings verschwinden sie hinter der Seitenleiste. Erst wenn der Nutzer die Sidebar einklappt, was in Softmaker Office über »Ansicht | Seitenleiste | Ausblenden« geschieht, zeigt die Software Kommentare ohne horizontales Scrollen an.

Abbildung 8: Die Kommentarfunktion in Softmaker-Office ist ohne Frage brauchbar, jedoch etwas umständlicher zu handhaben als bei Apaches Open Office.

Abbildung 8: Die Kommentarfunktion in Softmaker-Office ist ohne Frage brauchbar, jedoch etwas umständlicher zu handhaben als bei Apaches Open Office.

Vorhandene Kommentare bearbeiten User – wie bei den anderen Office-Suiten – über ein Kontextmenü, das nach einem Rechtsklick in den Kommentar erscheint, wobei Softmaker Office über weniger kontextsensitive Aktionen verfügt. Dafür bietet es eine Reihe von Formatieroptionen an, die jedoch in Anmerkungen wenig helfen (Abbildung 8).

Schnittstellen

Sofern industrielle oder kommerzielle Anwendungen Schnittstellen zu Microsoft-Office-Formaten und zu Open und Libre Office bieten, lassen sich diese auch mit Softmaker Office verwenden. Bringen die von Drittanbietern bereitgestellten Vorlagen jedoch Makros oder Skripte mit, muss Softmaker Office in der Regel passen, selbst wenn sie in einem unterstützten Dateiformat vorliegen. Grund sind bestehende Inkompatibilitäten zwischen den einzelnen Basic-Dialekten. De facto unterstützt Softmaker Branchenlösungen daher nur eingeschränkt.

WPS Office

In Europa weitgehend unbekannt ist das aus China stammende WPS Office [4] der Firma Kingsoft, das es auch als Linux-Anwendung gibt. Die Linux-Variante des plattformübergreifend entwickelten Büropakets befindet sich offiziell seit mehreren Jahren im Alphastatus, die Entwickler pflegen sie jedoch permanent und entwickeln sie weiter.

Sie konzentrieren sich bereits seit mehreren Releases auf die Fehlerbereinigung und implementieren keine neuen Funktionen mehr, sodass die Suite inzwischen außerordentlich stabil und zuverlässig arbeitet. Die aktuell erhältliche Alphaversion 21 konzentriert sich primär auf vervollständigte Lokalisierungen des Softwarepakets.

Das chinesische Office-Paket für Linux gibt es für die gängigen Intel-32- und -64-Bit-Architekturen, als Pakete für Deb- und RPM-Managementsysteme [13]. Zusätzlich bieten die Macher eine portable Variante an, die als Tar.xz-Archiv auf nahezu jedem Linux-System läuft. Während die vorkompilierten Deb- und RPM-Pakete jeweils rund 78 MByte umfassen, bringt die portable Variante gut 150 MByte auf die Wage.

WPS Office umfasst wie Softmaker Office eine Textverarbeitung namens Writer, die Tabellenkalkulation Spreadsheets und das Präsentationsprogramm Presentation. Das Standardpaket kostet unter Linux nichts, die Profiversion 77 Euro.

Erscheinungsbild

Im Vergleich mit den drei anderen Probanden im Test weist WPS Office ein radikal anderes Erscheinungsbild und – damit einhergehend – auch ein anderes Bedienkonzept auf. Es ähnelt dem moderner Webbrowser, denn für verschiedene Dokumente öffnet die Software auch jeweils eigene Tabs.

Im Startbildschirm zeigt WPS Office zudem eine grafische Vorlagenansicht an, aus der Anwender vorgefertigte Templates aussuchen. Diese als Docer Online Templates bezeichnete Ansicht lädt je nach genutztem Programm-Modul die Vorlagenansichten kontextsensitiv aus dem Internet herunter. Möchte der Anwender ein Template nutzen oder vergrößert betrachten, erscheint dieses nach einem Linksklick nochmals in einem überlagernden Fenster. Bei Gefallen lädt WPS die Formatvorlage nach einem Klick auf den Button »Download« unten rechts im Ansichtsfenster herunter.

Will der Nutzer ein leeres Fenster ohne Formatvorlage öffnen, klickt er oben rechts im Programmfenster auf die Schaltfläche »New Blank Document« . Das leere Dokument taucht dann in einem neuen Reiter auf (Abbildung 9).

Abbildung 9: Ungewöhnlich, doch durchaus verständlich: Die Oberfläche von WPS Office.

Abbildung 9: Ungewöhnlich, doch durchaus verständlich: Die Oberfläche von WPS Office.

Chamäleon

Das chinesische Office zeigt sich zudem optisch äußerst wandlungsfähig: Das Menü »Extras | UI wechseln(Y)« erlaubt es, zwischen mehreren Kachel-Ansichten der Oberfläche oder dem klassischen Erscheinungsbild zu wählen. Um eine gewählte Oberfläche zu aktivieren, muss der Nutzer das jeweilige Programm-Modul neu starten. Dabei kann er die einzelnen Module auch mit verschiedenen Oberfläche verwenden, da die Auswahl nur für das gerade aktive Modul gilt. Das minimiert den Einarbeitungsaufwand für Einsteiger, die so ihre vom bisher genutzten Office-Paket gewohnte Oberfläche weiterverwenden.

Ähnlich flexibel und innovativ zeigt sich WPS Office bei der Sprachunterstützung: Zwar vervollständigt derzeit noch die Community die Lokalisierungen, doch das Paket erfreut durch eine enorme Flexibilität im Fremdsprachensupport. Der Nutzer wechselt die Sprache mit wenigen Mausklicks aus dem Menü »Extras | Sprache wechseln(X)« .

Aus einem neu eingeblendeten Auswahlmenü wählt er die gewünschte Sprache per Mausklick, die zugehörigen Sprachdateien lädt das System aus dem Internet herunter. Die neue Lokalisierung aktiviert WPS nach einem Neustart des jeweiligen Programm-Moduls, etwa von Writer, Presentation oder ähnlichen.

Anders als die optischen Themes wirkt sich die Sprachauswahl auf alle Module der Suite aus, sodass der User nicht in jedem einzelnen die Sprache anpassen muss. Zugleich speichert WPS Office mehrere Lokalisierungen, der Nutzer wechselt zwischen ihnen im Sprachdialog per Mausklick und einem Neustart des Moduls (Abbildung 10).

Abbildung 10: Die Sprache wechselt der Nutzer von WPS Office mit wenigen Mausklicks.

Abbildung 10: Die Sprache wechselt der Nutzer von WPS Office mit wenigen Mausklicks.

Ähnlich ungewohnt verwaltet WPS Office auch Sicherungskopien. Beendet sich das Programm unerwartet, sichert es noch das aktive Dokument. Nach dem Neustart sieht der Anwender im Menü »Extras | Sicherungsverwaltung(K)« im rechten Bereich des Hauptfensters eine Listenansicht, die alle Backupdateien anzeigt. Hier wählt er die gewünschte Sicherungskopie aus.

Dateiformate

Die chinesische Bürosuite behauptet von sich, vollständig kompatibel mit Microsoft-Office-Dokumenten zu sein. Obwohl WPS Office ein eigenes Datei- und Vorlagenformat nutzt, bringt es selbstverständlich Konvertierungsfilter für den Im- und Export von Inhalten in diversen Microsoft-Formaten mit.

Als einziges Paket im Test bietet die WPS-Suite dabei auch Filter für Vorlagen mit integrierten Makros an. Die speichert Microsoft in den neuen Varianten seines Office-Programms mit den Endungen ».dotm« oder ».docm« . Trotzdem muss auch WPS Office bei Microsoft-Dokumenten mit Makros oder Skripten in vielen Fällen die Segel streichen.

Im Test mit den komplexen Vorlagen des Linux-Magazins erreichte WPS Office zwar keine vollständige Kompatibilität der Konvertierfunktionen für die MS-Office-Formate, wies jedoch im Vergleich mit den anderen Bürosuiten das mit Abstand beste Ergebnis vor allem bei der Übernahme von Office-Open-XML-Dokumenten auf. Grafiken, Tabellen und Platzhalter erschienen an den vorgesehenen Stellen, das Office tauschte auch nur teilweise Fonts aus.

Jenseits der Microsoft-Welt bieten die Module von WPS Office dagegen kaum Optionen zum Datenaustausch: Lediglich für Webseiten und einfachste Textdateien ohne Formatierungen bietet die Suite entsprechende Filter an.

Das Open-Document-Format ist der chinesischen Office-Suite offenbar nicht geläufig. Dafür kennt die Tabellenkalkulation von WPS Office noch das inzwischen exotische und faktisch nicht mehr genutzte Dbase-Datenbankformat. Auch das ebenfalls sehr betagte und in modernen IT-Infrastrukturen nahezu irrelevante Dif-Format ist der Tabellenkalkulation ein Begriff (Abbildung 11).

Abbildung 11: Fast perfekt: Der Umgang mit Microsoft-Dokumenten ohne Makros und Skripte in WPS-Office.

Abbildung 11: Fast perfekt: Der Umgang mit Microsoft-Dokumenten ohne Makros und Skripte in WPS-Office.

Im Team

Beim Bearbeiten eines Dokuments durch mehrere Benutzer schneidet WPS Office ebenfalls gut ab. Die Bürosuite aus Peking ist das einzige Produkt im Test, das die Kommentare und die zugehörigen Verweise und Markierungen im Text vollständig und farblich korrekt hervorgehoben darstellt. Eine einfache Symbolik in den Statuszeilen der einzelnen Kommentare erleichtert es zudem, Anmerkungen anschließend zu bearbeiten oder zu löschen. Neue Verweise und Bemerkungen legt der Nutzer über den Menüpunkt »Einfügen | Kommentar« an, wobei die Software für neue Kommentatoren jeweils entsprechende Farben selbsttätig auswählt. Das macht dann deutlicher, von wem welche Anmerkungen stammen (Abbildung 12).

Abbildung 12: Im Team spielt WPS-Office seine Stärken voll aus.

Abbildung 12: Im Team spielt WPS-Office seine Stärken voll aus.

Unterstützung von Drittanbietern

Nicht unerwartet unterstützt bislang keine industrielle oder kommerzielle Applikation aus Europa die nativen Dateiformate des Exoten aus China. Über die Import- und Exportfilter für die Microsoft-Formate ist WPS Office jedoch in der Lage, mit vielen Unternehmensapplikationen zu kommunizieren. Noch schöner für die Anwender der Office-Software und zudem praktisch für Unternehmen wäre es sicherlich, wenn der Quellcode zur Verfügung stünde.

Fazit

Der Test im Rahmen der Bitparade zeigt, dass die unter Linux erhältlichen großen Office-Suiten dem Platzhirsch von Microsoft zwar funktional gleichen, die Interoperabilität beim Support fremder Dateiformate jedoch noch vielfach zu wünschen übrig lässt.

Das zunehmend genutzte Office-Open-XML-Format von Microsoft stellt alle Testkandidaten mit Ausnahme von WPS Office insbesondere bei komplexen Dokumenten vor ernsthafte Probleme. Vor allem die Import- und Exportfilter der beiden großen freien Office-Suiten Libre und Open Office erweisen sich im Test als so unzulänglich, dass es dem Tester vielfach weniger zeitaufwändig erschien, das Dokument komplett neu zu bauen als die fehlerhaften Formatierungen zu korrigieren.

Auch in Sachen Teamwork besteht bei allen Kandidaten, außer bei Open Office und WPS Office, noch erheblicher Nachholbedarf, wenn die Dokumente aus dem Microsoft-Universum stammen.

Im Praxistest konnte Softmaker Office in der getesteten Professional-Variante punkten, weil es Wörterbücher integriert und Dokumente in das Epub-Format exportieren kann. WPS Office verfügt hingegen über die mit Abstand besten Konvertierungsfilter, fordert vom Nutzer aufgrund einiger innovativer Konzepte aber etwas mehr Einarbeitungszeit.

Die freien Office-Suiten glänzen wiederum, weil Branchensoftware sie deutlich besser unterstützt als die beiden kleineren Lösungen von Softmaker und Kingsoft. Sie lassen sich auch in großen Unternehmen problemlos an ERP-Software anbinden.

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