Mit Broadway, einem neuen HTML-5-Backend für GTK+, lenken Programme wie Gedit, Evolution, Libre Office & Co. ihre Ausgabe auf die HTML-Browser des Publikums. Die Produzenten stellten dem Linux-Magazin eine frühe Testversion zur Verfügung, die trotz Lampenfieber und Instabilitäten zu überzeugen weiß.
Der Broadway sorgt mal wieder für Schlagzeilen: Auf der Libre Office Conference in Paris kündigte die Document Foundation eine Portierung ihrer freien Officesuite für den Browser an [1]. Mit Libre Office Online [2], so der Codename des Projekts, sollen Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation, Datenbank und Grafikprogramm in den nächsten Monaten online lauffähig sein.
Mit Broadway: Weboffice nicht nur für die Wolke
Im Gegensatz zu bestehenden Online-Offices „in der Cloud“ will die Libre-Office-Community jedoch kein geschlossenes System entwickeln, bei dem alle Daten auf den Systemen eines Unternehmens liegen, sondern eine Lösung, die jedermann am eigenen Rechner installieren kann und mit der er Zugriff auf seine Daten hat. Technologische Basis für diese Entwicklung ist Broadway, ein recht neues Backend für das Gimp-Toolkit GTK+ [3]. Damit lassen sich Anwendungen mit wenig Aufwand in den Browser verlagern. Theoretisch existiert diese Möglichkeit schon seit Längerem, zum Beispiel mit Hilfe von Java-VNC-Applets, doch mit Broadway läuft die Anwendung nativ auf Basis von HTML 5 im Browser, ohne einen zwischengeschalteten Remotedesktop oder das quälend langsame VNC-Protokoll.
Vorsprechen bitte!
Broadway ist eine sehr junge Technologie, bei der noch zahlreiche Fallstricke lauern – und Wunder darf in diesem Entwicklungsstand niemand erwarten. Vom Produktiveinsatz ist daher noch abzuraten, aber technisch interessierte Anwender erhalten schon jetzt einen Ausblick, was in naher Zukunft gang und gäbe sein könnte.
Wer schnell und unkompliziert testen will, greift zur DELUG-DVD: Hier findet sich ein virtuelles Image für KVM, das Suse- und Libre-Office-Mitarbeiter Michael Meeks mit einer angepassten Version von Libre Office ausgestattet hat und das nach dem Boot automatisch einen Browser mit der Bürosuite startet (Abbildung 1).
DELUG-DVD
Auf der DELUG-DVD liegt ein virtuelles Image für KVM mit Open Suse 12.1, Broadway, Firefox 4 und einer exklusiv fürs Linux-Magazin von Suse und Libre Office angepassten Demo von Libre Office Online.
Im Verzeichnis findet sich ebenfalls das Libre-Office-Paket, mit dem Anwender von Open Suse das Weboffice ausprobieren können. Sollte im KVM-Image nach dem Boot eine Fehlermeldung im Browser erscheinen – einfach aktualisieren, dann hat Libre Office länger zum Starten gebraucht als Firefox 4.

Abbildung 1: Libre Office im Webbrowser – dank Broadway und HTML 5, aber erst mit den richtigen Softwareversionen ein Kinderspiel.
Distributionen
Wer selbst Hand anlegen will, muss als erste Hürde die geeignete Distribution mit entsprechend kompilierten GTK+-Paketen finden. Broadway – genauer das GDK-Backend – hielt erst mit der noch recht jungen Version 3.2 Einzug in das Gnome-Toolkit und ist in den meisten Distributionen noch nicht einkompiliert. Weder Ubuntu 11.10 noch Fedora 16 vermochten im Test von Haus aus einzelne Programme in den Browser zu verlagern. Problemärmer war indes Open Suse 12.1, das ein GTK+ mit Broadway-Support mitbringt. Zum Testen installierten die Autoren des Linux-Magazins die 64- und die 32-Bit-Version der Distribution aus dem kompletten DVD-Image und wählten Gnome als Standarddesktop. Der Kasten „Großes Kino?“ zeigt, wie Anwender herausfinden, ob ihre Distribution Broadway beherrscht.
Großes Kino?
Wer herausfinden will, ob die eigene Distribution bereits Broadway unterstützt, greift zu dem Unix-Urgestein »strings« . Es reicht, mit »strings /pfad/zu/libgdk-3.so | grep broadway | wc -l« nach dem entsprechenden Text in der Library zu suchen (Abbildung 4). Die Ergebnisliste sollte weit über 100 Einträge aufweisen. Untrüglicher Hinweis auf fehlenden Broadway-Support ist auch die Fehlermeldung »Gdk-ERROR **: Unsupported GDK backend: broadway« beim Programmstart. Andere Möglichkeiten, Broadways Funktionstüchtigkeit zu überprüfen, fehlen derzeit.







